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2:1 gegen Mainz : Ein bisschen Bayern-Zauber

  • -Aktualisiert am

Hosen in Flieder, Trikot in mintgrün: Sind das noch die Bayern? Bild: Reuters

Die Münchner Bayern kommen bei Mainz 05 zu einem souveränen 2:1-Sieg, auch weil sie nicht gefordert werden. Nur das Auswärtsoutfit missfällt ihren Fans: Hosen in Flieder, Trikots in mintgrün.

          Die Bayern finden immer besser ihren Rhythmus. Nach einem verhaltenen Spielbeginn beherrschte der Rekordmeister am Samstag den FSV Mainz 05 und kam zu einem souveränen Auswärtssieg, der deutlich höher als 2:1 hätte ausfallen können. Goretzkas Führungstor (39. Minute) vermochte Boëtius in der 48. Minute mit der ersten und einzigen Mainzer Torchance auszugleichen. Es war der erste Treffer der Rheinhessen nach fünf torlosen Spielen. Thiago sicherte in der 62. Minute den verdienten Münchner Erfolg.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Den ersten Hingucker produzierten die mitgereisten Bayern-Fans. Zum Anstoß entrollten sie über ihren Köpfen ein überdimensionales Transparent: „§1: Die Klubfarben sind unantastbar.“ Ein mehr als zarter Hinweis darauf, dass ihnen das in Pastelltönen gehaltene Auswärts-Outfit ihrer Mannschaft so überhaupt nicht gefällt: Hosen in Flieder, Trikots in mintgrün. Ihnen wäre irgendetwas in den historischen Farben ihres Vereins lieber – rot und blau, dazu vielleicht das in den Jahren dazugekommene weiß.

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          Was die Freunde des deutschen Rekordmeisters in den ersten 25 Minuten von ihren Profis zu sehen bekamen, konnte ihnen auch nicht gefallen. Behäbiges Ballgeschiebe, lockeres Traben, unpräzises Passen. Überraschenderweise konnten es sich die Bayern jedoch leisten, ganz bequem und gemächlich ins Spiel zu finden, denn die Mainzer forderten sie überhaupt nicht. Nach fünf Bundesligaspielen ohne Treffer und der frischen Erfahrung eines 0:4 in Mönchengladbach wagte es der Außenseiter nicht, mutig zu attackieren. Weder die Gegenspieler und schon gar nicht das gegnerische Tor. Bis auf einen Schuss von Kunde, der Ball verfehlte das Ziel aus 18 Metern, brachten sie in der ersten Halbzeit nichts in der Offensive zustande. Und dieser Schuss als Abschluss eines Sololaufs gelang nur, weil Gnabry mit einem schlampigen Ballverlust die Einladung dazu ausgesprochen hatte.

          Es war in der 27. Minute ein wunderschöner Schuss von Kimmich an die Unterkante der Latte, der die Bayern weckte. Der 23 Jahre alte Nationalspieler hatte von der rechten Strafraumkante den Ball perfekt halb mit dem Spann und halb mit dem Außenrist getroffen. Nur eine Minute später verzog Lewandowski aus ähnlicher Position ganz knapp. Die Bayern nutzten nun immer wieder die linke Mainzer Abwehrseite als Einfallstor für ihre Angriffe. Fast jeder Ball ging über den agilen Müller. Die Tempoverschärfung sollte sich für die Münchner schnell lohnen. In der 31. Minute hatten die Bayern-Profis ihren Torjubel schon beendet, da meldete sich der Videoassistent doch noch. Schiedsrichter Osmers hatte die leidenschaftlichen Proteste der Mainzer noch abgewimmelt, aber dem Hinweis aus Köln ging er nach. Und nach Ansicht der Fernsehbilder schloss sich der Referee der Sicht der Mainzer an. Vor Thiagos Treffer hatte Lewandowski den Mainzer Innenverteidiger Bell behindert.

          Nur acht Minuten später stand es doch 1:0 für München. Goretzka hatte eine wunderbare Flanke von Kimmich – von rechts – volley veredelt. Eine Minute danach machten es Kimmich und Goretzka im Zusammenspiel noch schöner. Diesmal chippte der Rechtsverteidiger in den Strafraum. Der Mittelfeldspieler lupfte den Ball, bevor er den Boden berührte, über den gegnerischen Verteidiger und schoss ihn dann beim Heruntersenken auch volley aufs Mainzer Tor – doch um Zentimeter über die Latte.

          Zwischenzeitlich traf Jean-Paul Boëtius zum Ausgleich für Mainz – sehr zum Ärger von Bayern-Torhüter Manuel Neuer (Hintergrund).

          Nach diesem Kunststück stellten die Bayern das Zaubern wieder ein, aber sie behielten die absolute Kontrolle über das Geschehen. Bis sie sich in der 48. Minute eine Unachtsamkeit leisteten. Boëtius stand ungedeckt im Fünfmeterraum und konnte eine weite Flanke von Brosinski zum völlig überraschenden Ausgleich verwerten.

          Trainer Niko Kovac reagierte mit zwei Auswechslungen. Sanches kam für den angeschlagenen Goretzka und Ribéry für den unkonzentrierten Gnabry. Die Mannschaft reagierte auf das 1:1 mit verstärkten Bemühungen. Mainz hielt dem Druck nur bis zur 62. Minute stand. Dann setzte sich Lewandowski auf rechts durch und dessen Hereingabe fand Thiago, der zum 2:1 vollendete. Bis zum Abpfiff kamen die Bayern dem dritten Treffer viel näher (Pfostenschuss Martinez 78. Minute) als Mainz dem zweiten Ausgleich. Aber am Ergebnis änderte sich nichts mehr.

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