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3:1 gegen Hoffenheim : Münchener Ausrufezeichen im Titelkampf

  • -Aktualisiert am

Der Dank geht an den Doppeltorschützen: Bayerns Kingsley Coman jubelt mit Leon Goretzka. Bild: dpa

Im Rennen um die deutsche Meisterschaft in der Fußball-Bundesliga legt der FC Bayern zum Rückrundenauftakt vor. Dabei zeigt ein Spieler gleich doppelt seine Klasse.

          Der FC Bayern München hat am Freitagabend zum Rückrundenauftakt in der Fußball-Bundesliga sogleich ein Zeichen in Richtung Tabellenführer Borussia Dortmund gesetzt. Der Meister gewann das vor der Pause kinderleicht ausschauende und erst danach etwas schwierigere Auswärtsspiel beim Tabellensiebten TSG 1899 Hoffenheim 3:1 durch die beiden Treffer von Leon  Goretzka (34./45.+1 Minute) und ein Tor von Robert Lewandowski (87.) bei einem Gegentor durch Nico Schulz (59.). „Wir haben in der ersten Halbzeit ein Superspiel gemacht. Es war sehr wichtig, dass wir gut in die Rückrunde starten“, sagte Bayern-Matchwinner Goretzka kurz nach dem Abpfiff.

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          Roland Zorn

          Sportredakteur.

          Es war der sechste Bundesligasieg nacheinander für den Titelverteidiger, der über Nacht bis auf drei Punkte an den an diesem Samstag in Leipzig geforderten BVB herankam. Hoffenheim dagegen ist inzwischen seit sieben Ligaspielen sieglos. Vor allem der starke Auftritt der Münchner in der ersten Hälfte verriet alte Spitzenklasse beim Tabellenzweiten. Nach dem Wechsel aber machten sich die Münchner zunehmend angreifbar.

          Der Ball rollte noch gar nicht, da waren die Bayern schon im Angriffsmodus. Thomas Müller zum Beispiel, im Verein mit dem Selbstverständnis des Dauermeisters aufgewachsen, sagte vor dem ersten Rückrundenspiel: „Unser Ziel ist es, Woche für Woche die Punkte von Borussia Dortmund abzuknabbern.“ Guten Appetit! Niklas Süle, in Hoffenheim groß geworden und in München rasch in die neuen Größenverhältnisse hineingewachsen, gab gern die kollektive Stimmung in der Mannschaft wieder: „Es gibt keinen hier, der nicht davon überzeugt ist, dass wir Meister werden.“ Und Trainer Niko Kovac machte auch kein Hehl aus seiner Grundbefindlichkeit: „Ich will Meister werden“, lautet sein Vorsatz für das neue Jahr.

          Eine Halbzeit lang bayerische Brillianz

          Das muss kein frommer Wunsch bleiben, so wie das anschließende Spiel zumindest eine Halbzeit lang lief. 45 Minuten lang schienen die Hoffenheimer ob der bayerischen Eleganz, Dominanz und Brillanz nahezu paralysiert. Nichts erinnerte daran, dass die TSG den Meister in den beiden vorangegangenen Heimspielen 2:0 und 1:0 besiegt hatte. Am Freitagabend waren alle guten Neujahrsvorsätze schon nach wenigen Minuten aufgebraucht.

          Dabei schien Nagelsmann seine Mannschaft offensiv aufgestellt zu haben – ohne einen gelernten „Sechser“, also einen Mittelfeldspieler, der vor der Abwehr ab- und aufräumt. Diesen Part übernahm der sonst eher als Spielmacher eingesetzte Kerem Demirbay in der für Hoffenheim typischen 3-5-2-Formation eher schlecht als recht. Kollege Kovac wich von seiner oft praktizierten  4-2-3-1-Grundordnung ab und ließ in Müller, Lewandowski und Kingsley Coman gleich drei Profis in einem 4-3-3-System stürmen.

          Eine gute Idee, da sich die Münchner von den zaghaften nordbadischen Interventionsversuchen vor der Pause kaum aufhalten ließen. Bayern beherrschte mit einer sehr guten Raumaufteilung das Spiel, in dem der jederzeit gefährliche Lewandowski zunächst zweimal nur knapp das Tor verfehlte: bei einem Volleyschuss (10.) und einem sehenswerten Versuch aus der Bodenlage (19.). Das Glück der Kraichgauer aber war fürs Erste aufgebraucht, als Lewandowski und Mats Hummels im Duett an Oliver Baumann gescheitert waren (28.) und der Torhüter Goretzkas Schuss pariert hatte (29.).

          Hatte alle Hände voll zu tun: Schiedsrichter Tobias Welz (Mitte) zeigt Bayerns Josua Kimmich die Gelbe Karte.

          Danach spiegelten sich die eindeutigen Verhältnisse endlich auch im Spielstand. Goretzka, der sich nach seinem Wechsel vom FC Schalke 04 zu den Bayern immer besser im Münchner Staraufgebot zurechtfindet, nutzte seine zweite Chance aus spitzem Winkel, nachdem Baumann zunächst Lewandowskis Kopfball abgewehrt hatte. Innenverteidiger Kevin Vogt fälschte den nicht unhaltbar anmutenden Schuss noch ab. Einmal auf den Geschmack gekommen, legte der Westfale kurz vor dem Halbzeitpfiff noch nach, als er seine Chance frühzeitig witterte und einen Konter über die linke Seite, inszeniert von den spielfreudigen David Alaba und Coman, zum 2:0 für die deutlich bessere Mannschaft abschloss.

          In der zweiten Hälfte aber setzten sich die Kraichgauer wenigstens zur Wehr. Der erste Torschuss von Leon Bittencourt, den Nationaltorwart Manuel Neuer zu fassen bekam (48.), war so etwas wie ein Wachmacher für die Blauen, die den Roten aus München bis dahin so hoffnungslos unterlegen waren. Hoffenheim schien vom Mut der Verzweiflung beflügelt und belohnte sich eine Viertelstunde nach Wiederanpfiff durch Schulz' wuchtigen Zwanzigmeterschuss. „Das darf uns nicht passieren, da haben wir auf der Bank gezittert“, gestand Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic nach dem Spiel.

          Mit dem 1:2 nahm die Härte und Verbissenheit in dieser bis dahin einseitigen Begegnung zu. Schiedsrichter Tobias Welz sah sich aus gegebenem Anlass genötigt, die Hoffenheimer Florian Grillitsch, inzwischen eingewechselt, und Stefan Posch sowie den Münchner Joshua Kimmich zu verwarnen. Inmitten der zunehmend kernigen Zweikämpfe verlor sich die bayerische Souveränität, aber nicht so, dass der Ertrag an diesem Abend noch in Gefahr geriet. Lewandowski rückte schließlich, um alle Zweifel auszuräumen, die Verhältnisse mit seinem Kontertreffer zum 3:1 kurz vor Schluss wieder angemessen zurecht. Die Reaktion der Fans war eindeutig: „Deutscher Meister wird nur der FCB!“ 

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