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München erwartet Hoffenheim : Nur Hoeneß und Lahm hauen auf die Pauke

  • -Aktualisiert am

Die Bayern wollen gegen Hoffenheim eine Bruchlandung vermeiden Bild: ddp

Dieser Bundesliga-Gipfel ist selbst für die spitzenspielerprobten Münchner kein normaler. Der Rekordmeister erwartet seinen neuen Herausforderer selbstbewusst und voller Respekt - die Bayern haben nichts zu verbergen.

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          Besondere Spiele erfordern besondere Maßnahmen, manchmal auch sehr ungewöhnliche. Der FC Bayern München öffnete jedenfalls seit langem wieder einmal die Tore vor einem Heimspiel und ließ sich bei seinem Abschlusstraining am Donnerstagnachmittag zuschauen – womöglich sogar von ein paar Spionen der TSG Hoffenheim. Dass man unbeobachtet vom Gegner Tricks einstudieren oder ein neues System ausprobieren kann, hatte einst unter anderem als Argument herhalten müssen für Übungseinheiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

          Vor dem Bundesligavergleich mit dem Spitzenreiter in der Münchner Arena (Freitag, 20.30 Uhr: Das Bundesliga-Gipfeltreffen im FAZ.NET-Liveticker), so die Botschaft, hat der FC Bayern nichts zu verheimlichen. Die einen mögen es dem Rekordchampion als typische Geste bajuwarischer Überheblichkeit auslegen, andere sehen dies als Indiz der nötigen Gelassenheit nach 13 Spielen ohne Niederlage.

          168 Länder übertragen den Bundesliga-Gipfel

          Aber dieser Bundesliga-Gipfel ist selbst für die seit Jahren spitzenspielerprobten Bayern kein normaler. 150.000 Tickets hätten die Münchner verkaufen können für die Partie, die in über 168 Länder live übertragen wird. So einen Ansturm, auch medial, erlebt der FC Bayern sonst nur in der K.-o.-Runde der Champions League. „Es hat sich zu einem Spiel entwickelt, das ganz Deutschland elektrisiert“, sagt Mediendirektor Markus Hörwick.

          Die Münchner können mit einem Sieg zum Aufsteiger (34 Punkte) aufschließen
          Die Münchner können mit einem Sieg zum Aufsteiger (34 Punkte) aufschließen : Bild: AFP

          In den vergangenen zehn Jahren hatten es die Bayern fast immer mit Traditionsmannschaften oder bundesligaerfahrenen Teams im Titelrennen zu tun. Bremen, Schalke, Hamburg, Stuttgart oder Leverkusen, es waren fast immer die gleichen Konkurrenten. Dass nun plötzlich ein Emporkömmling aus der Provinz den Meister herausfordert, gibt dem Kampf um die nationale Spitzenposition einen ganz neuen Reiz. Und mehr als sonst wäre der FC Bayern im Falle einer Niederlage blamiert. Zumindest jener Teil der Bevölkerung würde sich freuen, der sich nicht zur Fangemeinde der Münchner zählt.

          „Der Herr Hopp hat schon noch ein paar Euro übrig“

          Aber wer dem FC Bayern zu nahe rückt, bekommt es mit Uli Hoeneß zu tun. Der Manager beschützt seinen Verein wie eine Löwenmutter ihr Junges. Noch Ende Oktober hatte er voller Respekt vom Aufsteiger gesprochen – ein untrügliches Zeichen dafür, dass er die Mannschaft damals noch nicht als ernsthafte Gefahr betrachtete. Nun ist alles anders geworden. „Natürlich haben wir die besseren Spieler als Hoffenheim. Wir haben die besten“, sagte Hoeneß nach dem Sieg in Leverkusen am vergangenen Wochenende und legte am Montag noch einmal nach. „Trotz Finanzkrise hat der Herr Hopp schon noch ein paar Euro übrig. Deshalb muss man sie erst in den nächsten Jahren ernst nehmen.“ Mit diesen Spitzen zeigt er aber nur, wie ernst er Hoffenheim schon in dieser Saison nimmt.

          Das Poltern des Managers gehört zum System beim FC Bayern seit Jahren. Jeder hat seinen Part zu erfüllen. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge gibt sich meist gemäßigt, auch in den Tagen vor diesem Duell überließ er Hoeneß das Einpeitschen. Es sei „kein Zufall, sondern harte Arbeit“, wenn man vorne stehe, zollt er der TSG Respekt. „Die meisten Experten bezweifeln, dass sich Hoffenheim bis zum Schluss oben halten kann, aber ich bin kein Kaffeesatzleser. Ich kann nur sagen, dass Hoffenheim bisher mit Kontinuität und Konstanz gespielt hat“, sagt Rummenigge im „Bayern-Magazin“.

          Kapitän van Bommel: „Es wäre falsch, überheblich zu sein“

          Trainer Jürgen Klinsmann hält sich wie schon seine Vorgänger Ottmar Hitzfeld und Felix Magath ganz zurück mit flotten Sprüchen. „Für uns geht es nur um sportliche Fragen, und die wollen wir positiv beantworten“, sagte Klinsmann. Zum Beispiel die Frage, wer nun auf Platz eins überwintert. „Langsam ist die Zeit gekommen, um die Tabellenführung zu übernehmen.“ Noch nicht am Freitag, denn „mit dem Torverhältnis rumzuspielen“, findet er, „das wäre schon sehr vermessen“. Immerhin müssten die Bayern mit vier Toren Vorsprung gewinnen, um die Spitze zu übernehmen. Einmal wagte sich Klinsmann dann doch noch ein wenig vor. Er hoffe für Luca Toni und Miroslav Klose, „dass sie ein bisschen Boden gutmachen können gegenüber Vedad Ibisevic“, der mit 17 Treffern in der Torjägerliste schon weit enteilt ist.

          Die meisten Bayern-Spieler vermeiden ebenfalls forsche Töne. Favorit sei doch normalerweise immer die Mannschaft, die weiter vorne plaziert sei, sagte Kapitän Mark van Bommel. „Es wäre falsch, überheblich zu sein. Wir sind nicht Erster und haben lange nicht überragend gespielt.“ Allein Philipp Lahm traute sich, auf die Pauke zu hauen, und schlüpfte damit in die Rolle, die früher Oliver Kahn vorbehalten war. „Ich glaube, es wird schwer für Hoffenheim, sich auf uns einzustellen. Keine andere Mannschaft wird deutscher Meister als Bayern München“, sagte Lahm. Ein knapper Sieg ist dem Nationalspieler aber nicht genug. „Wir wollen souverän gewinnen und das Spiel dominieren.“ Womöglich bekam Lahm als besondere Maßnahme vor dem Spitzenspiel einen kleinen Crashkurs in Sachen verbaler Einschüchterung bei Hoeneß.

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