https://www.faz.net/-gtm-979y1

Bundesliga-Kommentar : Montags nie

Samstag ist der Wunschspieltag alles Fans: Protest bei Montagsspiel vor zwei Jahren in Bremen Bild: Picture-Alliance

Die DFL sendet weiter ihre Erfolgsbotschaften aus. Dabei ist ein Negativtrend in der Fußball-Bundesliga unverkennbar. Der Unmut der Fans entzündet sich nun besonders am Montagsspiel Eintracht Frankfurt gegen RB Leipzig.

          2 Min.

          Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat in der vergangenen Woche die Welt wieder mit einer wunderbaren Erfolgsmeldung über das Hochglanzprodukt Bundesliga versorgt. In der Hinrunde habe die Liga mit 43.429 Zuschauern pro Spiel den zweithöchsten Schnitt ihrer Geschichte erreicht. Die Meldung fand ihren Weg in viele Medien, und so entstand oder verfestigte sich der Eindruck, um den sich die DFL ohnehin immer stärker bemüht, seit die Klagen über die extreme Kommerzialisierung des Fußballs immer größer werden. Die Liga boomt weiter. Und die Kritik an ihrer mangelnden Qualität, Langeweile an der Spitze, zersplitterten Anstoßzeiten, der Eventisierung und der Beschädigung des emotionalen Stadionerlebnisses durch den Videoassistenten wäre nur Gerede eines kleinen Teil der Fans. Die Wahrheit aus dem Hause DFL ist nämlich eine andere: dass die Besucher in ihrer Gesamtheit (fast) alles prima finden, was in der Bundesliga läuft.

          Die aktuellen Zuschauerzahlen der DFL sind natürlich nicht falsch. Wohl aber der Spin, den die Fußballfunktionäre den Zahlen als vermeintliche Fortsetzung der jahrelangen Liga-Erfolgsgeschichte gegeben haben. Tatsächlich erklärt sich der aktuelle Anstieg nur durch die Aufstiege der Großstadtklubs Stuttgart und Hannover – bei gleichzeitigen Abstiegen von Darmstadt und Ingolstadt. Redlicher wäre es daher gewesen, die Gesamtzahlen von erster und zweiter Liga miteinander zu vergleichen. Da aber zeigt die DFL-Statistik, was das Fangefühl in den Stadion längst sagt: Jeder Boom ist endlich, der Abschwung steht vor dem Tor. Tatsächlich sind in der aktuellen Hinrunde der ersten und zweiten Liga mehr als 150.000 Zuschauer weniger in die Stadien gekommen als in der Vorsaison. Bei insgesamt rund neun Millionen Besuchern macht das einen Rückgang von über 1,5 Prozent. Das ist noch kein Drama, aber ein Zeichen.

          Der Unmut nicht zuletzt der sogenannten aktiven Fanszene, die auch regelmäßig die Mühsal von Auswärtsspielen auf sich nimmt, entzündet sich an diesem 23. Spieltag exemplarisch am ersten regulären Montagsspieltag seiner Geschichte. Das Spitzenduell zwischen Eintracht Frankfurt und RB Leipzig ist das erste von fünf, das auf diesen ungeliebten Tag fällt. Die Fans sind in ihrem Protest vereint. Ultras aus Leipzig fordern RB-Fans auf, nicht nach Frankfurt zu fahren. Auch Frankfurter Ultras wollen auf die Unterstützung ihres Teams verzichten. Und für die kommenden Montage sind ähnliche Aktionen in Dortmund und Bremen im Gespräch.

          Alle Änderungen dienen dem Geschäft

          BVB-Geschäftsführer Watzke hat längst gespürt, dass vielen Anhängern, nicht nur Ultras, seit einiger Zeit die ganze Richtung nicht passt. Die Montagsspiele sind dafür nur ein Symbol. Watzke hat daher den Widerstand seines Klubs gegen Montagsspiele beim neuen Fernsehvertrag angekündigt. Auch Eintracht-Vorstand Hellmann sieht für den Montag keine große Zukunft. Das mag scheinheilig klingen, weil alle 36 Profiklubs den fünf Montagsspielen erst im vergangenen Sommer zugestimmt hatten. Als Folge des neuen Fernsehvertrags, dessen höhere Erträge die Vereine nur zu gerne eingestrichen haben – und als ein Deal mit dem DFB. Der Sonntag wurde so auch stärker für Amateure geschützt, dafür kam der Verband den Profiklubs im Sommer mit dem Verzicht für Kollektivstrafen gegen Ultras entgegen.

          Tatsächlich finden in dieser Saison, trotz der Montagsspiele, wegen der gleichzeitigen Reduzierung der englischen Wochen sogar weniger Spiele unter der Woche statt als in der Vorsaison. Diese Änderung wurde aber nicht aus Rücksicht auf die Fans vorgenommen, die ins Stadion gehen. Der Grund ist ein anderer: Spieltage am Wochenende lassen sich besser vermarkten. Sie erhöhen die Zahl der Zuschauer vor dem Fernseher. Und diese Fans liegen dem deutschen Fußball vor allem am Herzen, zumindest ökonomisch. Auch wenn das in Vereinen und Verbänden (fast) niemand laut sagen mag. Auch nicht an diesem Montag, falls es in den Kurven still bleiben sollte.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Individuelle Mobilität : Ein Lob auf das Auto

          Einst galt das Auto als des Deutschen liebstes Kind, jetzt tut mancher so, als trage es die alleinige Schuld am Weltuntergang. Die überwältigende Mehrheit der Bürger aber will und kann nicht auf das Auto verzichten.
          Sundar Pichai ist seit 2015 Google-Chef und rückt jetzt auch an die Spitze der Dach-Holding Alphabet.

          Sundar Pichai steigt auf : Was wird nun aus Google?

          Am technischen Talent des neuen Alphabet-Chefs gibt es keine Zweifel. Doch reicht das? Wir diskutieren die Zukunft von Google im Digitec-Podcast.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.