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Mohammed Abdellaoue im Gespräch : „Ich versuche, ein guter Muslim zu sein“

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Mohammed Abdellaoue hat seinen Marktwert in Hannover in gut einem Jahr verzehnfacht Bild: dpa

Mohammed Abdellaoue ist Hannovers Schnäppchen-Stürmer. Vor dem Europa-League-Spiel gegen Kopenhagen (21.05 Uhr) spricht er im Interview über Kompromisse im Glauben, marokkanische Wurzeln und Norwegens Schönheit.

          Sechs Tore in sechs Bundesliga-Spielen, dazu zwei wichtige Treffer in der Europa League in Sevilla und in Poltawa - der 25 Jahre alte Mohammed Abdellaoue spielt in seinem zweiten Jahr für Hannover 96 noch erfolgreicher als im ersten.

          Im August 2010 hatte ihn Sportchef Jörg Schmadtke für eine Million Euro aus Oslo geholt. Das kluge Schnäppchen - Abdellaoue studierte in der norwegischen Hauptstadt nebenbei Sportwissenschaften - hat seinen Marktwert inzwischen verzehnfacht.

          Ihr Präsident bei Hannover 96, Martin Kind, beziffert Ihren Wert auf 100 Millionen Euro. Wie sehr schmeichelt Ihnen das?

          Das ist doch nur Spaß. Das ist kein Problem für mich als Mensch und Spieler. Das berührt mich nicht. Ich bin sehr entspannt. Aber wenn man wie ich viele Tore schießt und gewinnt, entstehen solche Sätze. Die 100 Millionen waren in Norwegen ein großes Thema. Es gab nie viele Norweger in der Bundesliga. In Norwegen wächst man mit der Premier League auf, du hörst nie was aus Deutschland, Spanien oder Italien. Aber jetzt spielen viele Norweger hier - also interessieren auch solche Geschichten.

          Sie sind einer der erfolgreichsten ausländischen Bundesliga-Stürmer. Fühlen Sie sich hier als Star?

          Ich bin froh, ein Teil dieser Erfolgsgeschichte zu sein. Ich bin hergekommen, um mich zu verbessern und um etwas zu erreichen. Die vergangene Saison war phantastisch. Wir haben eine Mannschaft, die sehr konzentriert einen Plan verfolgt. Wir haben eine sehr gute Atmosphäre im Team und in der Stadt. Jetzt haben wir sogar noch die Europa League, das ist eine große Erfahrung für jeden Spieler und den Verein.

          Wie stolz sind Ihre Eltern auf Sie?

          Sie sind sehr stolz. Sie waren im vergangenen Jahr eine Woche hier. Es ist immer gut, Eltern zu haben, die zu hundert Prozent hinter dir stehen. Das gilt auch für meinen Bruder und meine kleine Schwester. Manchmal schneidet meine Mama sogar Artikel über mich aus, als Erinnerung. Wie Mütter eben so sind.

          Ihre Wurzeln liegen in Marokko. Wie ist Ihr Kontakt in die Heimat Ihrer Vorfahren?

          Meine Familie mütterlicherseits lebt vor allem in Norwegen, die meines Vaters in Marokko. Ich hatte in Norwegen ein sehr behütetes Elternhaus. Als Junge war ich immer zehn Wochen in den Ferien im Sommer in Marokko. Jetzt als Profi ist es etwas schwerer, aber ich versuche, meine Familie wenigstens einmal im Jahr zu sehen. Meistens im Sommer. Ich freue mich jetzt schon darauf. Dann entspanne ich mich, genieße die Sonne und liege am Strand. An Fußball denke ich nicht.

          Sind Sie gläubiger Muslim?

          Ich bin Muslim. Marokko ist ein muslimisches Land, so wächst man auf, so bin ich. Aber ich bete nicht jeden Tag. Ich weiß nicht, wie man es umschreiben soll, aber ich praktiziere meinen Glauben nicht sehr strikt. Ich versuche trotzdem, ein guter Muslim zu sein.

          Ist das ein Thema in der Umkleidekabine?

          Nein, über so etwas reden wir nicht. Wir sprechen nicht darüber, wer Muslim oder Christ ist. Man bleibt ja der gleiche Mensch, auch wenn man einen anderen Glauben hat.

          Wie handhaben Sie den Ramadan?

          Dieser Monat ist problematisch. Als Fußballer kann ich den Ramadan nicht ausüben. Das kann ich meinem Körper nicht zumuten, der braucht Energie. Ohne Essen und Trinken würde ich mir selbst schaden. Ich trainiere und esse normal während des Ramadan. In Norwegen habe ich versucht, ein paar Tage zu fasten, wenn die Saison vorüber war. Aber das ist schwer. Du musst ja eigentlich das ganze Jahr trainieren, um fit zu sein.

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