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Gladbachs Thorgan Hazard : Auf der Suche nach Leichtigkeit

  • -Aktualisiert am

Was war denn da los? Hazard und Gladbach verlieren deutlich. Bild: dpa

In der Hinrunde glänzte Gladbachs Thorgan Hazard noch mit neun Treffern, doch seit dem Jahreswechsel wartet der Belgier vergeblich auf ein Tor – und Hazard ist nicht der einzige Borusse im Formtief.

          Allzu detailreiche Gedanken können in vollkommen unterschiedlichen Lebenssituationen zum Problem werden, Grübler stehen sich oft selbst im Weg, neigen zur Zögerlichkeit, verpassen Chancen – ein uraltes Phänomen. Wie so viele kleine Grundsätze des Daseins lässt sich diese Erscheinung auch auf dem Fußballplatz beobachten, im Strafraum zum Beispiel, wo eigentlich alle Spieler beim Torabschluss nach einem Zustand der inneren Klarheit streben. Dem Mönchengladbacher Angreifer Thorgan Hazard ist diese Klarheit ein wenig abhandengekommen, es gibt viele Gründe zum Grübeln im Leben des Stürmers, der an diesem Samstag im Topspiel der Bundesliga mit seiner Borussia auf den FC Bayern München (um 18.30 Uhr auf Sky und im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga) trifft. In der Hinrunde war er mit neun Toren und sieben Vorlagen einer der stärksten Scorer der Liga, alle möglichen Großklubs des Kontinents befassen sich also mit der Frage, ob es sich lohnen könnte, im Sommer sehr viel Geld für Hazard auszugeben. Und Hazard, der gerade zum dritten Mal Vater geworden ist, fragt sich auch, ob die Borussia nicht langsam zu klein für ihn wird. Prompt ist er in ein kleines Formtief hineingeraten.

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          Nach neun Treffern in der Hinrunde ist ihm im Jahr 2019 bisher kein einziges Tor gelungen, seine großartige Scorerbilanz hat er lediglich mit zwei Torvorlagen beim 2:0-Sieg auf Schalke angereichert. „Ich muss so langsam wieder treffen“, sagt er vor dem großen Spiel gegen die Bayern. Leider ist das Gefühl, etwas tun zu „müssen“, nicht unbedingt hilfreich für Stürmer, die immer auch eine gewisse Leichtigkeit in ihren Aktionen benötigen. Anfang der Woche hat Trainer Dieter Hecking seinen Stürmer beiseitegenommen und ein längeres Gespräch geführt, in dem es auch um die private Situation seines Schlüsselspielers ging. „Der Trainer hat sich erkundigt, ob bei mir zu Hause mit den Kindern alles gut ist. Und ob ich vielleicht weniger schlafe. Aber ich habe ihm gesagt, dass es mir gutgeht, auch körperlich“, wird Hazard von der „Rheinischen Post“ zitiert. „Meine Frau hilft mir sehr. Ich muss eigentlich gar nichts machen, nur mit den beiden älteren Kindern spielen und Spaß haben. Ich kann mich also voll auf Borussia konzentrieren.“

          Ob es in dem Austausch mit dem Trainer noch um weitere Details ging, verrät der dynamische Flügelstürmer nicht. Bekannt ist jedoch, dass Hecking versucht, die Aufregung um Hazard und die kleine Krisenphase des Teams mit drei sieglosen Partien und 1:7-Toren durch einen Grundsatzappell zu bekämpfen: „Das Wichtigste ist, dass du bei dir bleibst!“ Das Gerede von der Champions League und die Furcht, dass bei einem Verpassen der Königsklasse neben Hazard womöglich auch andere Leistungsträger wie Yann Sommer, Matthias Ginter, Nico Elvedi oder Alassane Pléa Wechselwünsche entwickeln könnten, sorgen natürlich für eine gewisse Anspannung. „Wir dürfen nicht unruhig werden, dürfen nicht am großen Ganzen zweifeln“, sagt Sportdirektor Max Eberl, räumt aber zugleich ein: „Gerade das Thema Leichtigkeit ist schwer trainierbar.“

          Denn nicht nur Hazard fällt das Toreschießen derzeit schwerer als in den guten Phasen der Saison. Pléa wartet seit seinem brillanten Siegtor in Leverkusen Mitte Januar ebenfalls auf ein persönliches Erfolgserlebnis. Kapitän Lars Stindl, der in dieser Phase als Ersatztorjäger in Frage käme, hatte zuletzt Pech mit seinen Torabschlüssen, irgendetwas hakt überall. „Wir haben viele Möglichkeiten, aber momentan fehlt es an Effizienz, da müssen wir uns verbessern“, sagt Hazard. „Dann ist auch wieder alles okay. Wir haben momentan vor dem Tor kein Glück, wenn das zurück ist, gewinnen wir auch wieder.“ Beruhigend ist, dass die Mannschaft sowohl beim 1:1 in Frankfurt vor zwei Wochen als auch beim 0:3 gegen Wolfsburg am vorigen Spieltag eigentlich gut gespielt hatte. Solche Phasen gebe es eben, meint Hecking.

          Nun soll mit dem Duell gegen die Bayern eine neue Saisonepisode eröffnet werden – so wie in der Hinrunde, als der völlig überraschende 3:0-Sieg von München zu einer Art Schlüsselerlebnis wurde, dass das Selbstverständnis einer Spitzenmannschaft festigte. Und Teil dieses Prozesses ist sicher die Ausprägung der Fähigkeit, mit Wechselgerüchten zurechtzukommen, zumal feststeht, dass sich Hazards Zukunft nicht so schnell klären lassen wird. Der Vertrag des belgischen Nationalspielers läuft im Sommer 2020 aus. „Wir würden gern verlängern, das ist klar, und wir sind guter Hoffnung, dass das klappen kann“, sagt Eberl, verkündet aber zugleich, dass „erst zum Ende der Saison“ eine Entscheidung fallen werde. Der FC Chelsea hätte ein Vorkaufsrecht, angeblich ist auch Borussia Dortmund an den Diensten des Stürmers interessiert. BVB-Coach Lucien Favre war in Mönchengladbach Hazards erster Trainer in der Bundesliga, und womöglich ist ein nächster Schritt in der Karriereplanung tatsächlich sinnvoll nach dem fruchtbaren Reifeprozess am Niederrhein. „Die individuelle Klasse hatte Thorgan vorher schon, aber er hat jetzt auch gelernt, seine Mitspieler besser einzubeziehen“, sagt Kapitän Stindl.

          Auf keinen Fall will der Klub den Vertrag mit Hazard einfach auslaufen lassen. Wenn man sich nicht einigt, soll zumindest eine dicke Ablösesumme fließen, genau solche Deals bilden schließlich das Fundament des derzeitigen Erfolges; die Verkäufe von Marco Reus, Granit Xhaka, Jannik Vestergaard oder Marc-André ter Stegen sind nur vier Beispiele unter vielen. Und wenn Hazard vorher noch ein paar entscheidende Tore zur Champions-League-Qualifikation beiträgt, dann werden sie den Belgier auch ohne allzu schmerzliches Bauchgrimmen nach Dortmund, München oder England ziehen lassen.

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