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Mögliche Königsklasse : Frankfurts Hoffen auf den Goldrausch

  • -Aktualisiert am

Frankfurts stolzes lebendes Maskottchen: Steinadler Attila Bild: Reuters

Die Eintracht ist nach dem 1:1 gegen Chelsea stolz und erschöpft. Doch in der Bundesliga wartet bereits das nächste wichtige Spiel: Macht die Aussicht auf die Königsklasse den Frankfurtern in Leverkusen wieder Beine?

          Für Adi Hütter war es ein Glas Rotwein, das den Übergang von Chelsea nach Leverkusen symbolisierte. Der Trainer der Frankfurter Eintracht wollte bei einem guten Schluck die vielen aufwühlenden Momente verarbeiten, die ihm das Halbfinal-Hinspiel der Europa League gegen den FC Chelsea beschert hatte, um dann ein bisschen Ruhe zu finden und sich mit voller Kraft der nächsten Aufgabe zuzuwenden. „Viel Schlaf habe ich nicht zusammenkratzen können“, schilderte der 49 Jahre alte Vorarlberger die Erfolglosigkeit des Vorhabens: „Die Gedanken kreisten schon wieder um den nächsten Gegner.“

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          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Ein Viertel Rotwein gestand sich der Österreicher gerade mal zu, um den Stolz auszukosten, den das 1:1 gegen den FC Chelsea bei ihm ausgelöst hatte. Und seiner Mannschaft riet Hütter, ebenfalls nicht viel mehr Zeit darauf zu verschwenden, der unvergesslichen Europapokal-Nacht nachzuhängen, in der die Fußball-Emporkömmlinge vom Main, getragen von ihrem großartigen Publikum, das große Chelsea eine halbe Stunde lang in die Schranken wies und der Millionentruppe des russischen Milliardärs Abramowitsch schließlich – zwischenzeitlich in den Seilen hängend – ein Unentschieden abtrotzte. „Wir müssen die Köpfe frei bekommen“, forderte Hütter.

          Denn Leverkusen ist das wahrscheinlich noch wichtigere Spiel für die Entwicklung der Eintracht zu einem deutschen Spitzenklub, als es das erste Europa-League-Halbfinale gewesen war. Ob der spektakuläre Kraftakt des Donnerstags ins Finale nach Baku führt, erscheint vor dem Rückspiel nächste Woche beim hohen Favoriten ungewiss. Und das Endspiel ist auch noch längst nicht gewonnen, womit erst die Qualifikation für die nächste Champions-League-Kampagne einherginge.

          Doch bei einem Auswärtssieg in Leverkusen wäre die Teilnahme an der Gruppenphase der Königsklasse greifbar nahe und der Einzug in die Europa League so gut wie vollzogen. Denn dazu genügt Tabellenplatz sechs, und der wäre mit dann 57 Punkten selbst bei zwei Niederlagen in den beiden letzten Saisonspielen gegen Mainz und bei den Bayern kaum noch zu verlieren, da sich die Verfolger Hoffenheim und Mönchengladbach an diesem Samstag gegenüberstehen und gegenseitig Punkte abnehmen.

          Ein Sieg in Leverkusen! Dagegen spricht allerdings einiges. Während die Eintracht von einer Fußball-Festtafel zur nächsten taumelt und das Gebotene erst einmal verdauen muss, wartet die Werkself ausgeruht und hungrig am gedeckten Tisch, die Serviette um den Hals, das Besteck in der Hand, mit wässrigem Mund. Die Leverkusener holten in der Rückrunde genauso viele Punkte wie die Eintracht, 27, doch die Trendlinien verlaufen unterschiedlich, die Frankfurter konnten keines ihrer letzten drei Bundesligaspiele gewinnen.

          Eine Entwicklung zum Schlechteren, die an zwei Punkten festzumachen ist – am Kräfteverschleiß nach nun 46 Pflichtspielen und am Fehlen von Mittelstürmer Sébastien Haller. Die außergewöhnliche Mentalität der Frankfurter Profis, ihr Willen und ihre Leidensbereitschaft vermögen das geringer werdende Konzentrationsvermögen und die reduzierte Spritzigkeit nicht in jeder Spielphase zu kompensieren. Und dass mit Haller der Spieler fehlt, der die Bälle in der Offensive sichert, kontrolliert und in den eigenen Reihen hält, erfordert einen noch höheren läuferischen Aufwand, weil Jovic und Rebic die Bälle entweder gar nicht erst gewinnen oder gleich wieder verlieren.

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