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Mladen Petric im Gespräch : „Fußball ist manchmal ein Drecksgeschäft“

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Petrics Pfeil: „Ursprüngliche Werte sind verlorengegangen. Fairness, Miteinander” Bild:

Mladen Petric ist einer der Spieler der Saison. Der Kroate hat mit seinen Toren entscheidend zum Aufschwung des Hamburger SV beigetragen. Im Interview mit der Sonntagszeitung spricht Petric über windige Berater, Ambitionen des HSV und seinen Glauben.

          Mladen Petric ist einer der Spieler der Saison. Der Kroate hat mit seinen Toren und Pässen entscheidend zum Aufschwung des Hamburger Sport-Vereins beigetragen. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht der 28 Jahre alte Petric über windige Berater, die Ambitionen des HSV und seinen Glauben.

          Braucht man als Topstürmer eigentlich eine gewisse Art von Arroganz auf dem Feld?

          Ich würde nicht von Arroganz spreche, eher von Spielwitz. Arrogante Stürmer neigen zu Egoismus. Das geht nicht, man kann nicht nur auf sich selbst schauen, man muss auch den Mitspieler sehen.

          Bei HSV-Fans nach dem Pokal-Viertelfinale gegen Wehen: „Ich hatte einfach nur die Vision, Fußballprofi zu werden”

          Aber es macht doch viel mehr Freude, selbst zu treffen. Wie lange hält so ein Glücksgefühl eigentlich an?

          Das spüre ich auch noch nach dem Spiel, so schnell verfliegt dieses Gefühl Gott sei Dank nicht. Aber noch spektakulärer, als selbst zu treffen, war für mich, einen Elfmeter zu halten. Ende 2006 spielte ich mit Basel im Uefa-Cup gegen Nancy. In der Nachspielzeit bekam unser Torwart die Rote Karte, wir hatten schon dreimal gewechselt. Also habe ich mir die Handschuhe angezogen, bin ins Tor und habe den Elfmeter gehalten. Dieses Gefühl werde ich nie vergessen.

          Zwischen Arroganz und Selbstbewusstsein ist es ein schmaler Grat. Als Sie vor der Saison von Dortmund nach Hamburg wechselten, kamen Sie nicht mit dem besten Ruf. Inzwischen sind Sie Liebling der Fans, wie ist das zu erklären?

          Auch in Dortmund und Basel mochten mich die Fans. Ich war nie ein schwieriger Spieler, dieses Bild ist erst beim Transfer nach Hamburg entstanden. Aber da musste sich der Verein, der mich hat gehen lassen, bei gewissen Leuten vielleicht rechtfertigen und rückte mich in dieses Licht. Aber nicht umsonst hat mich Jürgen Klopp später angerufen und sich bei mir entschuldigt. Ich bin ein Typ, der sich bemüht, immer korrekt zu sein, und dann tut es weh, wenn man von anderen Leuten in den Dreck gezogen wird. Als Spieler muss man dann entscheiden, wie sehr man so etwas an einen ranlässt. Ich habe versucht, mich damit nicht unnötig viel zu beschäftigen, denn das hätte nur Kraft gekostet.

          Haben Sie als kleiner Junge geglaubt, dass so etwas auch zum Leben als Fußballprofi dazugehört?

          Nein, damit habe ich mich nicht beschäftigt. Dass Fußballer auch ein Leben neben dem Platz haben, habe ich erst durch die Berichterstattung über Eric Cantona erlebt – da interessierte sportliches und privates gleichermaßen. Ich hatte einfach nur die Vision, Fußballprofi zu werden. Meine Eltern haben mir erzählt, dass ich schon mit vier Jahren ständig den Ball bei mir hatte. Nachts, wenn ich schlafen gegangen bin, lag er neben meinem Bett. Morgens, wenn ich aufgewacht bin, habe ich ihn wieder mitgenommen. Auch meinen Schulfreunden habe ich von den Plänen für meine Zukunft erzählt, damals haben sie noch sehr darüber gelacht.

          Sie haben das Fußballspielen auf einem roten Gummiplatz in Neuhof in der Schweiz gelernt. Waren Sie mal wieder dort?

          Ja, im Dezember. Ich bin extra einen Umweg gefahren. Das war ein sehr spezielles Gefühl, diesen Ort nach so langer Zeit einmal wieder zu sehen, sich die alten Geschichten durch den Kopf gehen zu lassen: die Kumpels, meine Brüder, wie wir damals gespielt haben. Ich war immer der Jüngste, auch der Kleinste. Ein richtiger Straßenfußballer. Meine Technik konnte ich mir auf den Bolzplätzen aneignen, im Verein kam mir das dann zugute.

          Aber wird Ihnen diese Technik nicht manchmal zum Verhängnis? Ihr Spiel sieht nach Leichtigkeit, aber nicht nach Kampf aus – das gefällt manchen nicht.

          Man kann nicht allen gefallen, aber es ist wirklich so. Viele denken: Schau mal, der nimmt das alles so locker, der gibt überhaupt nicht alles! Sicher laufe ich nicht so viel wie Ivica Olic, aber der ist in der Bundesliga wohl auch der Einzige, der das in dieser Form macht, er hat wirklich eine Pferdelunge. Ich laufe nicht überdurchschnittlich viel, aber auch nicht wenig. Wir bekommen nach jedem Spiel genaue Auswertungen über unsere Laufleistungen, und da stehe ich immer im Mittelfeld.

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