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Mainz 05 : Mitgliederversammlung als Vergangenheitsbewältigung

Wieviel ist sein Ehrenamt wer? Der Mainzer Vorsitzende Johannes Kaluza Bild: Picture-Alliance

Die Mannschaft von Mainz 05 ist auf Kurs. Nun soll die Mitgliederversammlung auch die Unruhe um den alten Vorstand ad acta legen. Aufsichtsratschef Höhne kündigt eine Überraschung an.

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          Ein 1:1 gegen Eintracht Frankfurt ist kein Sieg. Aber die Mainzer Fans, die am Freitagabend gemeinsam mit den Eintracht-Fans für ein stimmungsvolles Duell wenigstens auf den Rängen sorgten, verabschiedeten ihr Team, das das Eigentor von Stefan Bell wegsteckte und durch Suat Serdar noch zum Ausgleich kam, mit einer Huldigung ähnlich wie nach Erfolgen. Elf Punkte nach zehn Spielen entsprechen offenbar den Erwartungen der Fans, vor allem nach dem missratenen Start mit zwei Niederlagen zum Saisonauftakt. Das Erreichen des Achtelfinals im DFB-Pokal, in dem am 19. oder 20. Dezember der Bundesligakonkurrent VfB Stuttgart nach Rheinhessen reisen muss, ist ein weiterer Grund zur Zufriedenheit. Mannschaft und Trainer Sandro Schwarz sind also vorerst entlastet.

          Daniel Meuren
          (dme.), Rhein-Main-Zeitung

          Selbiges erhofft sich auch der frühere Vereinsvorstand um Harald Strutz, damit die Vergangenheit des Klubs zu den Akten gelegt werden kann. Bei der Mitgliederversammlung an diesem Montagabend steht die Verkündung von deren Entlastung durch den im Sommer neu gebildeten Aufsichtsrat auf der Tagesordnung. Bis zuletzt schien es so, dass die Entlastung aufgeschoben werden sollte, da der Aufsichtsrat sich in den vier Monaten seit der Wahl Ende Juni noch kein abschließendes Urteil von möglichen Ungereimtheiten in der Arbeit des alten Vorstands habe bilden können. Es ging dabei um eine anonyme Anzeige, die den Aufsichtsrat auf Missbrauch des früheren Vorstands im Umgang mit Ehrenkarten hingewiesen haben soll.

          Bislang gibt es wohl keine Hinweise auf persönliche Bereicherung einzelner Vorstände, es geht eher um einen etwas zu großzügigen Umgang mit Karten, wie es vor zwei Jahrzehnten noch üblich war, in Zeiten von Compliance aber heikel ist. Wie auch in anderen Bereichen wurde der alte Vorstand also von der Entwicklung bezüglich transparenter Vereinsführung überholt, was letztlich zum etwas unwürdigen Ende der Amtszeit im Sommer führte, obwohl der Klub auch in diesem Jahr wohl wieder einen Rekordgewinn und sportlich intakte Perspektiven verkünden kann. Aufsichtsratschef Höhne deutete nun auf Anfrage an, dass es nie geplant gewesen sei, eine Entlastung „zu vertagen“ und dass es am Montagabend „eine Überraschung“ geben werde. Es könnte nun also sein, dass das Kontrollgremium doch noch auf den letzten Drücker die Entlastung beschlossen hat.

          Wie wird Kaluza vergütet?

          Die acht früheren Vorstände um Strutz werden bei der Versammlung wohl vollständig zugegen sein. Jürgen Doetz, zuletzt das Sprachrohr des Vorstands und als Kandidat bei der Wahl zum Vorsitzenden dem neuen Vereinschef Johannes Kaluza knapp unterlegen, wollte sich auf Nachfrage nicht dazu äußern, ob sich die alten Vorstände bei der Mitgliederversammlung äußern werden. Die „Grizzlies“, wie sich die ehemalige Führung mit Selbstironie bei ihren wöchentlichen Treffen in der Stadion-Gaststätte „Hasekaste“ nennen, werden aber sicherlich mit Argusaugen verfolgen, wie die neue Vereinsführung vorgehen wird.

          Und sicher werden die Herren dann auch mit einem gewissen Amusement beobachten, wie ein weiterer Tagesordnungspunkt abgehandelt werden wird: Die Honorierung des ehrenamtlichen Vorstandsvorsitzenden Kaluza, einst bei Strutz vor allem wegen fehlender Transparenz Auslöser der schweren Vereinskrise, soll am Montag verkündet werden. Der Plan, eine angemesse Aufwandsentschädigung durch ein Gutachten ermitteln zu lassen, ist im Aufsichtsrat verworfen worden, nun muss das Gremium selbst einen Betrag festlegen. Verhängnisvoll für Kaluza ist dabei, dass er im Wahlkampf und auch bei seiner Bewerbung in der Wahlkommission den Eindruck erweckt hatte, rein ehrenamtlich arbeiten und keine Aufwandsentschädigung beanspruchen zu wollen. In einem Flyer, den er bei einer Informationsveranstaltung der Kandidaten verteilte, warb er damit, keine finanziellen Interessen zu verfolgen.

          Der Aufsichtsrat beauftragte ein Mitglied mit der Aufgabe, sich noch einmal eine Aufzeichnung der Mitgliederversammlung anzuschauen, um Kaluzas dortige Aussagen im Wortlaut nachvollziehen zu können. Zuletzt deutete Kaluza zwar an, dass er den Arbeitsaufwand unterschätzt habe und deshalb seine Meinung geändert habe. Zugleich hatte er aber keine Ressortzuständigkeit beansprucht, sondern sieht sich in der Rolle des Repräsentanten und will sich um die Arbeit am Image des Klubs kümmern. Dadurch verzichtete er auf einen Großteil seines möglichen Einflusses. Unterdessen hat Kaluza die Kölner Agentur Rheingold beauftragt, eine Imageanalyse zu erstellen. Die eigenmächtige Vergabe des kostspieligen Auftrags durch Kaluza soll im Aufsichtsrat verstört zur Kenntnis genommen worden sein, da der Aufsichtsrat eine Arbeitsgruppe der Fanabteilung mit einer ähnlichen Aufgabe betraut hatte. Die Höhe von Kaluzas Aufwandsentschädigung könnte vor diesem Hintergrund zum Politikum werden. Nach Informationen von FAZ.NET soll eine monatliche Summe im mittleren vierstelligen Bereich zur Diskussion stehen, was vermutlich ein für alle Seiten zu vermittelnder Kompromiss wäre.

          Kein Thema, wenn Aufsichtsratschef Höhne nicht eine weitere Überraschung aus dem Hut zaubert, sollte die Besetzung des dritten Vorstandspostens sein. Der Aufsichtsrat sondiert noch die Kandidaten, die eine Personalberatungsagentur vorgeschlagen hat.

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