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Miroslav Klose : Versteckspieler und Riese

Klose hat den FC Bayern nicht weitergebracht - und umgekehrt Bild: dpa

Miroslav Klose ist ein teurer Torelieferant für den FC Bayern gewesen - jeder seiner Treffer kostete eine Million Euro. Er hat die Münchner nicht weitergebracht, und sie ihn nicht. Nun ist dieses Missverhältnis beendet.

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          Miroslav Klose war immer schwer zu greifen, nicht nur für Verteidiger. Selbst in Lederhosen sah er nicht aus wie ein Bayer, nicht mal wie einer, der sich als Bayer verkleidet. Eher wie einer, der sich hinter einer Fassade versteckt. In vier Jahren beim Rekordmeister hat er kaum Spuren hinterlassen, weder in der Fan-Folklore noch in der Erfolgsbilanz. Zwei Doubles und zwei Spielzeiten ohne Titel – Münchner Durchschnitt. Klose hat den FC Bayern nicht weitergebracht. Und umgekehrt. Nun beendet man die Zusammenarbeit, ein Ende mit Ansage. Denn Klose, der am Donnerstag 33 wird, konnte nicht ernsthaft erwarten, dass der Klub ihm die verlangte Verlängerung von zwei Jahren geben würde. Nicht bei dieser Bilanz, bei diesem Gehalt, bei diesem Alter.

          Das schließt nicht aus, dass Klose noch gute Jahre bevorstehen. Er kommt aus einer guten deutschen Tradition, in der Torjäger immer erst einmal etwas Solides lernten, wie der Webergeselle Gerd Müller, der Glasbläser Klaus Fischer, der Bäcker Jürgen Klinsmann. Auch der Zimmermann Klose verstand die Kunst, Tore zu schießen, zunächst als gutes Handwerk, Schritt für Schritt gelernt; bis zum langsam gereiften Gespür des Meisters, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Er ist keiner, der von Schnelligkeit oder Sprungkraft allein lebte. Klose ist mehr, er ist auch ein Schleicher im Strafraum, ein schlauer Opportunist, einer wie der Schwede Larsson oder der Italiener Inzaghi. Wer so ist, kann auch mit 35 oder 37 noch ein Torjäger sein.

          Nun ist dieses Missverhältnis beendet, und Klose nimmt artig Abschied

          In England, Spanien, Italien reißen sich deshalb namhafte Klubs um ihn, nur eben keine mehr vom Kaliber FC Bayern und aufwärts. Für andere deutsche Vereine ist sein Gehaltsniveau zu hoch. Dabei weiß Klose, dass er eine gute Bühne braucht. Auch eine solch phantastische Bilanz wie seine 61 Tore für Deutschland könnte irgendwann nicht mehr für den Stammplatz im Nationalteam reichen. Dann, wenn Klose einen zu guten Klub hat, bei dem er nur auf der Bank sitzt; oder einen zu schlechten im Abseits der öffentlichen Wahrnehmung.

          Seit er 2007 kam, zusammen mit Ribéry und Toni, die anders als er sofort zu Publikumslieblingen wurden, hat er in der Bundesliga nur 24 Tore erzielt (in 98 Spielen), im Nationalteam aber 28 (in nur 40 Spielen). So wurde er für die Bayern ein teurer Torelieferant, einer, von dem Deutschland mehr hatte als sie. Nimmt man Ablöse, Gehälter, Prämien zusammen, so hat Klose die Bayern vielleicht fünfzig Millionen Euro gekostet – und dafür in Liga, Pokal und Europacup 51 Tore erzielt. Ein Tor für je eine Million. Nun ist dieses Missverhältnis beendet, und Klose nimmt artig Abschied: Für diesen Verein zu spielen, sei „immer etwas Besonderes“ gewesen. Nur hat man ihm das kaum einmal angemerkt. Er bleibt ungreifbar, ein Stürmer mit zwei Gesichtern, ein Kopfballvirtuose mit Januskopf: als Vereinsspieler ein Versteckspieler, als Nationalspieler ein Riese.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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