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Mirko Slomka : Wie eine Reise ins Wunderland

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Analytiker: Slomka arbeitet mit einem Sportwissenschaftler zusammen und nutzt GPS-Geräte Bild: dpa

Der anhaltende Erfolg von Hannover 96 in Bundesliga und Europa League überrascht viele - sogar Mirko Slomka. Allerdings kann der Trainer ihn schlüssig erklären. Er gilt schon als Kandidat für noch höhere Aufgaben.

          Letzte Woche wäre Mirko Slomka gerne nach Barsinghausen gefahren. Das ist für ihn kein weiter Weg, knapp dreißig Kilometer, fast um die Ecke. Aber der Trainer von Hannover 96 hat sich den Abstecher gespart. Er ist ein guter Bekannter von Bundestrainer Joachim Löw, beide haben in Harun Arslan den gleichen Berater, und Löw war mit der Nationalmannschaft zuletzt einige Tage in der Sportschule Barsinghausen. Da wäre ein Treffen normal gewesen. Aber Slomkas Normalität hat sich verändert in den vergangenen Jahren, und er passt sich ihr an.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Das ging nicht“, sagt er. „Schade.“ Er hat schlechte Erfahrungen mit solchen Besuchen, eine weitere musste nicht sein. Er hat Löw bei der WM 2010 in Südafrika besucht und mit ihm viel über Fußball gesprochen. Besonders über das „Umkehrspiel“, das schnelle Umschalten nach Ballgewinn, wie er sich erinnert - noch immer mit der Begeisterung des Taktiktüftlers. Bei der Europameisterschaft 2012 kam er wieder, aber danach hieß es hier und da, Slomka wolle sich als Löws Nachfolger ins Gespräch bringen. „Es ist doch nicht anrüchig, dass ein Bundesligatrainer Interesse an der Nationalmannschaft hat“, sagt er dazu. In seinem Fall wirkt dieses Interesse inzwischen als Phantasiebeschleuniger. Slomka arbeitet bei Hannover 96 derart erfolgreich, dass solche Spekulationen manchem inzwischen als logische Karrierefortsetzung erscheinen. Es ist der Fluch der guten Tat.

          Slomka, seit Mittwoch 45 Jahre alt, hat den Verein, ehemals ein Synonym für Mittelmaß in der Liga, zweimal nacheinander in die Europa League geführt, aber sein größter Erfolg sei das hier nicht, sagt er. Als er Anfang 2010 kam, ging es bei Hannover 96 nicht um internationale Perspektiven, sondern ums Weitermachen in kompletter Lähmung. Der Suizid von Torhüter Robert Enke hatte den Verein erschüttert, normales Training war nicht möglich, aber der neue Trainer, Nachfolger von Andreas Bergmann, sollte trotzdem den Abstieg in die zweite Liga verhindern. Erst am letzten Spieltag gelang die Rettung, und was danach passierte, dafür gibt es im Grundgesetz der Bundesliga keinen Paragraphen.

          Vielbeachteter Überfallfußball

          Gegen alle finanziellen Möglichkeiten und jede sportliche Wahrscheinlichkeit hievte Slomka Hannover mit einem vielbeachteten Überfallfußball in seiner ersten kompletten Saison auf Platz vier und danach, als vielen ein Absturz naturgesetzlich vorgegeben schien, noch einmal auf Platz sieben. In der Europa League erreichten die Niedersachsen unter Konkurrenten wie Manchester United, FC Valencia oder Ajax Amsterdam das Viertelfinale - wo sie am späteren Gewinner Atletico Madrid scheiterten. Eine Reise wie durchs Fußballwunderland. Dass sie weitergehen könnte, deutet sich in der noch jungen Saison schon mal an. Vor dem Heimspiel an diesem Samstag gegen Bremen (15.30 Uhr / Live im FAZ.NET-Ticker) ist Hannover 96 ungeschlagen, als letzte Empfehlung steht ein 4:0 beim VfL Wolfsburg.

          Wenn Slomka über die Entwicklung bei den „Roten“ seit seinem Wechsel hierher redet, kommt ihm die erste Person Singular selten über die Lippen. „Wir wollten dem Verein einen neuen Stempel aufdrücken, mit unserer Spielweise und mit unserem ganzen Auftreten gegenüber Fans und in der Öffentlichkeit“, sagt er. Zur sportlichen Strategie gehörte von Beginn an ein kurzer Kernsatz: Vorteil durch Fitness. Slomka, der früh in seiner Karriere - vermutlich als einer der ersten in Deutschland - mit GPS-Geräten im Training arbeitete, setzte zum Beispiel die Zusammenarbeit mit Professor Jürgen Freiwald durch, einem Sportwissenschaftler der Universität Wuppertal, der allerlei Daten über die Spieler auswertet, um die Trainingssteuerung zu begleiten.

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