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Mirko Slomka : Arbeitspause für den Verkäufer von Visionen

Slomka über Absagen: „Das war im ersten Augenblick nicht einfach zu verarbeiten” Bild: AP

Das Trainerkarussell hat sich in diesem Sommer gedreht wie noch nie - nur Mirko Slomka fand keinen Platz. Als Verlierer sieht er sich nicht - auch wenn sein Typus seit Jürgen Klinsmanns Scheitern weniger gefragt ist.

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          Die schmucke Volkswagen-Arena, Mirko Slomka in Jubelpose, Mirko Slomka vor dem Champions-League-Logo - es passte alles schon so gut auf den Bildern, die der Kandidat in die Präsentation für sein Bewerbungsgespräch eingearbeitet hatte. Und Wolfsburg, der deutsche Meister, wäre ja auch eine Riesensache gewesen für Slomka, der seit seiner Beurlaubung bei Schalke 04 im April 2008 ohne Job ist. (siehe: Bundesliga-Kommentar: Schalker Tücken der Selbstüberschätzung)

          Doch die Fußballwelt ist nicht Wille und Vorstellung, in der Realität wird bekanntlich Armin Veh in der neuen Saison die Geschicke beim VfL führen. Auch in Köln, Hamburg, Bielefeld und Kaiserslautern, wo er jeweils zu den Anwärtern gehörte, bekamen am Ende andere die Posten. Das Trainerkarussell hat sich in dieser Sommerpause gedreht wie noch nie - nur Slomka fand keinen Platz.

          Bei drei „tollen“ Vereinen im Gespräch

          Wie ein Verlierer wirkt er dennoch nicht an diesem sonnigen Vormittag in der Innenstadt von Hannover. „Das war im ersten Augenblick nicht einfach zu verarbeiten“, sagt der Einundvierzigjährige zwar über die turbulenten Wochen, in denen sein Name mit so ziemlich jeder freien Stelle im deutschen Profifußball in Verbindung gebracht wurde. „Das kratzt auch ein bisschen am Selbstwertgefühl. Aber wenn ich es heute betrachte: Ich war bei drei Vereinen in der Bundesliga im Gespräch - und das sind drei tolle Vereine.“ Hamburg, Köln und Wolfsburg: Es waren wirklich drei Klubs der interessanteren Kategorie, bei denen Slomka sich vorstellte.

          Bewerbungsgespräche für den Job: Mirko Slomka

          Dass es nirgendwo geklappt hat, ist für ihn schnell erklärt: In Wolfsburg, sagt er, habe er das Gefühl gehabt, dass Veh im Grunde schon als der neue Mann feststand. Ähnlich sei es in Hamburg gewesen, wo er nur eine Chance gehabt hätte, wenn Bruno Labbadia in Leverkusen keine Freigabe bekommen hätte. Und in Köln habe er nicht bei jedem das volle Vertrauen gespürt. So habe Präsident Overath lieber „jemanden präsentieren wollen, der selber Bundesligaspieler war“.

          Noch kann Slomka wählerisch sein

          Überall aber, sagt Slomka, seien es „tolle Gespräche“ gewesen - wie er überhaupt gern zum Superlativ greift, wenn er über den Fußball im Allgemeinen und den Trainerjob im Besonderen spricht. Vieles ist „sensationell“, manches sogar „göttlich“ - kein Zweifel, dass er so schnell wie möglich wieder in diesem Beruf arbeiten möchte. Es ist die Frage nach dem Wie, die sich Slomka in diesen Wochen stellt, und damit eine nach der Vereinbarkeit der eigenen Vorstellungen und den Bedingungen des Marktes. Auch Bielefeld und Kaiserslautern haben ihn in der Sommerpause kontaktiert, doch Slomka sagte frühzeitig ab. Nicht, weil es „nur“ zweite Liga gewesen wäre. Sondern, weil man ihm an beiden Standorten nicht den Eindruck vermitteln konnte, dass es mit voller Kraft zurück in die Erstklassigkeit gehen soll. „Es muss ein Verein sein, der in mir etwas bewegt“, sagt er. „Meine persönliche Messlatte ist relativ hoch.“

          Einer wie Slomka kann es sich noch leisten, wählerisch zu sein - einerseits. Er bekommt Angebote, er hat in der Branche einen guten Ruf, seit er mit Schalke im Viertelfinale der Champions League stand - trotz der späteren Entlassung. Und wer zuletzt bei der „U 21“-EM genau hingesehen hat, konnte dort auch ein gutes Stück Slomka erkennen: Neuer, für den er sogar Frank Rost degradierte, Özil, Boenisch und Höwedes haben unter Slomka den Sprung in den Herrenbereich gemacht; Slomka gilt als Förderer der Jugend.

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