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Minderjährige Sportler : Kein Tor nach 20 Uhr

Torjubel: Julian Draxler wird bei Schalke gern als Joker eingesetzt. Aber bitteschön nicht nach 20 Uhr Bild: AFP

Fußball, Tennis, Basketball - je jünger die Talente, desto größer die arbeitsrechtlichen Probleme: Minderjährige dürfen zwar bis 22 Uhr kellnern, aber der Fußballer Draxler darf abends nicht auf den Platz.

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          Es ist ja nicht so, dass sich der 17 Jahre alte Fußballprofi Julian Draxler nächtens gar kein Zubrot dazu verdienen dürfte: Kellnern in einer Kneipe dürfte er bis 22 Uhr, und in einer Bäckerei könnte er ab 5 Uhr vor dem Ofen stehen. Er dürfte Kinder und Hunde betreuen oder an musikalischen Aufführungen teilnehmen. Nur Fußballspielen darf er eigentlich nicht - und schon gar nicht öffentlichkeitswirksam zu später Stunde für seinen Verein FC Schalke 04 das entscheidende Siegtor im Pokal-Viertelfinale schießen.

          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Fußball, Tennis, Basketball - je jünger die Talente, desto größer die arbeitsrechtlichen Probleme. Wirtshäuser und Konditoreien wissen das schon lange, nun müssen auch Trainer der ersten Bundesliga im Jugendschutzgesetz blättern - und stellen erstaunt fest, dass selbst die Ausübung eines Traumjobs an seine gesetzlichen Grenzen stößt. Denn das Jugendschutzgesetz ist unerbittlich.

          Dort steht unter Paragraph 14 über die Nachtruhe: Jugendliche dürfen nur in der Zeit von 6 bis 20 Uhr beschäftigt werden. In ganz eng begrenzten Ausnahmen bis 22 und manchmal bis 23 Uhr - doch Spiele der Fußball-Bundesliga gehören nicht dazu. Immerhin: Am Wochenende steht die Ausnahme „Sport“ ausdrücklich im Gesetz.

          Für schulpflichtige Kicker ist die Lage besonders unübersichtlich

          Besonders unübersichtlich wird es, wenn schulpflichtige Kicker auflaufen - in der Sekundarstufe I bis zur zehnten Klasse unterliegen sie dem Kinderschutz und müssen stets um 18 Uhr das Spielfeld räumen. Nach Ende der Vollzeitschulpflicht stehen sie ihrer Mannschaft immerhin bis 20 Uhr zur Verfügung - wie im Fall Draxler. Bei einem Verstoß können die Sanktionen drastisch ausfallen: Am harmlosesten ist noch die Vorschrift, dass der Einsatz außerhalb der erlaubten Ausnahmen eine Ordnungswidrigkeit darstellt, die bis zu 1000 Euro kosten kann.

          Viel schlimmer ist, dass ein Verstoß auch eine Straftat ist, wenn sie vorsätzlich begangen wird und dabei eine körperliche Schädigung in Kauf genommen wird oder zumindest die Gefahr einer körperlichen Schädigung besteht. „Im Profifußball ist zumindest letzteres stets der Fall“, merkt der Frankfurter Arbeitsrechtler Daniel Krannich von der Kanzlei Noerr an. „Auch wer beharrlich gegen das Gesetz verstößt, bekommt ein ernsthaftes Problem. Er macht sich gleichfalls strafbar.“ Das kann bis zu sechs Monate Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe von bis zu 180 Tagessätzen geben.

          Die Vereine und ihre Verbände sollten deshalb auf eine Gesetzesänderung drängen, um nicht weiter Talent zu vergeuden. „Das ist ein unerträglicher Zustand an Rechtsunsicherheit, der aber schnell behoben werden kann.“

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