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Milliardenbranche Fußball : Kampf der geschlossenen Gesellschaft

Hier sitzt das Kapital: Karl-Heinz Rummenigge will internationale Einnahmen behalten statt verteilen Bild: picture alliance / dpa

In der Bundesliga wird über die Verteilung der Millionen aus der Champions League diskutiert. Während die einen einen Soli-Beitrag fordern, stellen andere das Financial Fairplay in Frage - und klagen.

          Noch nie haben die Klubs der Fußball-Bundesliga so viel Geld verdient wie derzeit. Borussia Dortmund vermeldete vergangene Woche einen neuen Bilanzrekord. Champions-League-Sieger FC Bayern wird dies noch übertreffen und mehr als 400 Millionen Euro umsetzen. Aber auch für die kleineren und mittleren Klubs in der deutschen Eliteklasse haben sich die Einkünfte allein aus der medialen Vermarktung durch den neuen Fernsehvertrag um fast fünfzig Prozent erhöht.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Trotzdem wird jetzt heftig diskutiert - über die Umverteilung von oben nach unten. Eine Klage könnte sogar die Financial-Fairplay-Pläne der Europäischen Fußball-Union (Uefa) durchkreuzen. Der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Eintracht, Heribert Bruchhagen, hat seit einiger Zeit die Rolle des Chefkritikers übernommen. Aus seiner Sicht werden sich die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Klubs in Zukunft dramatisch vergrößern, wenn nicht diejenigen, die durch ihre Teilnahme an der lukrativen Champions League finanziell stark profitieren, einen Teil ihres Gewinns an die anderen abgeben.

          Er fordert nichts anderes als einen Soli-Beitrag für die Bundesliga. Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge hält das für eine „Schnapsidee“. Und selbst der Manager des wesentlich kleineren Vereins Mainz 05, Christian Heidel, fragt sich, wie Bruchhagen reagieren würde, wenn Mainz etwas von den Europa-League-Millionen der Eintracht abbekommen wollte.

          Fordert einen Soli-Beitrag für die Bundesliga: Heribert Bruchhagen

          Fest steht: Die Milliardenbranche Fußball wird sich in Zukunft noch intensiver mit dem Thema seiner Finanzierung auseinandersetzen müssen. Und hier wird jetzt ausgerechnet das Financial Fairplay attackiert, dessen Regelwerk eigentlich zu größerer finanzieller Gerechtigkeit zwischen den Klubs in den europäischen Wettbewerben führen soll. Es ist ein Lieblingsprojekt Michel Platinis, des Präsidenten der Uefa. Und gerade die deutschen Vereine versprechen sich durch die vorgesehene Kosten- sowie Einnahmedeckelung, die ausschweifende Finanzhilfen durch Mäzene weitgehend verbietet, einen großen Wettbewerbsvorteil.

          Financial Fairplay: verletzt es die Berufsfreiheit?

          Doch nach der Beschwerde bei der EU-Kommission im Mai reichte der durch den Bosman-Fall zu großer Bekanntheit gekommene belgische Anwalt Jean-Louis Dupont in Brüssel parallel eine Klage gegen die Uefa ein. Dupont hatte Mitte der neunziger Jahre den Fußballer Marc Bosman in dessen Ansinnen um ablösefreie Wechsel nach Vertragsende vertreten. Dies führte zum spektakulären Fall des alten Transfersystems.

          Diesmal ist Duponts Mandant ein belgischen Spielerberater (Daniel Striani), der die neue Uefa-Richtlinie als Wettbewerbseinschränkung betrachtet. Die Investitionstätigkeit der Klubs würde mit den Finanzregeln nachlassen, die Folge wären fallende Gehälter und Provisionen für ihn und seine Spieler, die er berät. Financial Fairplay verletze den freien Kapitalfluss und die Berufsfreiheit von Fußballern und Agenten. Der Volkswirt Henning Vöpel vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut arbeitet mit Dupont zusammen und hat die ökonomische Begründung für dessen Klage geliefert. Zwar erreiche die Uefa mit dem Financial Fairplay, die Verschuldung im Fußball zu stoppen und den Einfluss externer Investoren zurückzudrängen.

          Aber insbesondere den kleineren Klubs würde jeder finanzielle Handlungsspielraum genommen, aus eigener Kraft die Lücke zu den großen Vereinen zu schließen. Die „Competitive Balance“ wäre dadurch beeinträchtigt. „Große Vereine bleiben groß, kleine Vereine klein. Will man Financial Fairplay umsetzen, braucht man als komplementäres Instrument eine stärkere Umverteilung der Einnahmen zwischen den Vereinen, um die Chancengleichheit wiederherzustellen.

          Da eine solche Umverteilung nur sehr schwer gegen den Widerstand der großen Vereine durchsetzbar sein dürfte, ist Financial Fairplay in der jetzigen Form keine geeignete Regulierung des europäischen Fußballs“, sagte Vöpel dieser Zeitung. Zu ähnlichen Erkenntnissen kommt eine Untersuchung des Arbeitsbereichs Sportökonomie der Universität Mainz.

          Die Gerechtigkeitsdebatte hat viele Facetten

          Und auch der Sportkartellrechtler Mark-E. Orth aus München sagt: „Das Financial Fairplay verstößt gegen das Kartellverbot, weil es neuen Klubs, die in die Spitzenklasse aufsteigen wollen, den Aufstieg erschwert und damit die alteingesessenen Klubs vor dem Wettbewerb durch die Aufsteiger schützt.“ Könnte das Financial Fairplay also noch kippen, bevor die Regel so richtig greift? Uefa-Chef Platini und auch Bayern-Vorstand Rummenigge, der zudem Vorsitzender der europäischen Klubvereinigung ist, sind sicher, dass dies nicht passieren wird.

          Sie glauben, dass ihre intensive Lobbyarbeit der vergangenen Jahre in Brüssel gefruchtet hat und das neue Regularium dort verstanden wird. Doch Kartellrechtler Orth gibt zu bedenken: „Verschiedene europäische Kartellbehörden haben wiederholt festgestellt, dass finanzielle Lizenzierungsbedingungen nicht weitergehen dürfen, als zu garantieren, dass die Klubs bis zum Ende der laufenden Saison spielen können.“ Die Gerechtigkeitsdebatte im Fußball hat eben viele Facetten.

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