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Michael Thurk : Ein wahr gewordener Traum und kein böses Wort

  • -Aktualisiert am

Thurk: Für mich ist es eine Ehre, für die Eintracht zu spielen Bild: dpa

Manchmal dauert es etwas länger, bis zusammenkommt, was zusammengehört. Bei Michael Thurk hat es zwanzig Jahre gedauert. „Ich habe schon als Kind davon geträumt, für die Eintracht zu spielen“, sagt der Fußballer.

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          Manchmal dauert es etwas länger, bis zusammenkommt, was zusammengehört. Bei Michael Thurk hat es zwanzig Jahre gedauert. „Ich habe schon als Kind davon geträumt, für die Eintracht zu spielen“, sagt der dreißig Jahre alte Fußballprofi, „jetzt geht dieser Traum in Erfüllung.“ Am Dienstag vormittag hat Michael Thurk bei der Eintracht einen Dreijahresvertrag unterschrieben und das erste Mal mit seinen neuen Kollegen trainiert. Es sei die „letzte Chance“ gewesen, doch noch einmal zur Eintracht zu wechseln, sagt Thurk, „ich bin jetzt einfach nur glücklich, daß es geklappt hat.“ Daß er sogar auf Gehalt verzichtet haben soll, um den lange umstrittenen Wechsel möglich zu machen, bestritt Michael Thurk allerdings. Die Ablösesumme hätten die Vereine „allein unter sich ausgemacht“.

          Der Wechsel, der sich über fast drei Wochen bei großer medialer Begleitung sehr zäh hingezogen hatte, war am Ende ganz, ganz schnell über die Bühne gegangen. In Mainz hatte sich Michael Thurk am Montag nachmittag aufs Training vorbereitet, als der für ihn erlösende Anruf kam. „Ich sollte schnell nach Neu-Isenburg kommen und mich mit meinem Berater treffen“, berichtete Thurk, „da habe ich mich dann auch ziemlich beeilt.“ Bloß nicht ausgerechnet jetzt zu spät kommen, war ihm durch den Kopf gegangen, denn in den Tagen zuvor war das Gefühl für den Wechsel „immer schlechter“ geworden. Die beiden Klubs schienen sich nicht auf die Ablösesumme einigen zu können, der Transfer drohte zu platzen.

          „Für mich ist es eine Ehre, für die SGE zu spielen“

          Jetzt aber sei „alles gut“, die Geduld habe sich gelohnt. Für ihn selbst sei schon seit einem Telefongespräch Mitte Juli mit dem Frankfurter Trainer Friedhelm Funkel klar gewesen, „daß ich unbedingt zur Eintracht will.“ Thurk hatte Feuer gefangen und wollte sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen. Michael Thurk: „Für mich ist es eine Ehre, für die Eintracht in meiner Heimatstadt zu spielen.“ Familie, Freunde, Verwandte, sie alle freuen sich mit Michael Thurk. „Ich habe eine Menge Anrufe bekommen, alle wollen sie Dauerkarten“, hat er erzählt.

          Seine Sachen hat er in Mainz noch am Montag abend geholt, die Verabschiedung von Trainer und Kollegen werde demnächst folgen. Zum Ausstand will er sie einladen, „weil ich in Mainz viele tolle Jahre hatte.“ Nachkarten möchte Michael Thurk nicht mehr, kein böses Wort über die Mainzer ist ihm über die Lippen gekommen. Noch nicht einmal über Trainer Jürgen Klopp, mit dem er sich zuletzt überworfen hatte. Angeblich soll Thurk den Trainer als „Oberguru“ betitelt haben. Er wünsche dem Verein Mainz 05, dem Trainer und den Spielern eine gute Saison, sagt er jetzt, „alles andere erlebe ich jetzt in Frankfurt.“

          Position im Team ist ihm „völlig egal“

          Es wird allerdings ein bißchen dauern, ehe sich Michael Thurk im privaten Kreis in Mainz verabschieden kann. Davor steht noch ein offizieller Arbeitstermin an der alten Wirkungsstätte, das Bundesligaspiel der beiden Rivalen am 27. August. Für Michael Thurk „natürlich ein ganz besonderes Spiel“. Angst vor den Reaktionen der Fans, die ihn in der letzten Saison noch angehimmelt hatten, habe er nicht. Er selbst habe den Mainzern viel zu verdanken, sagt Michael Thurk, „sie mir aber auch“. Und dies, davon geht er fest aus, werden die Fans nicht vergessen.

          Es gehört zu den Besonderheiten dieses Wechsels, daß beide Fangruppen nicht gerade vor Begeisterung hingerissen sind. Denn in Frankfurt gehörte Michael Thurk als Spieler des ungeliebten Nachbarn zu den umstrittensten Akteuren. Die Reaktionen auf die Verpflichtung bewegen sich denn in den Fanforen auch zwischen totaler Ablehnung und herzlicher Begrüßung. Wenn man vom direkten Nachbarn komme, sei es logisch, „daß man nicht von allen mit offenen Armen empfangen wird“, glaubt Thurk. Die beste Möglichkeit, sich in die Herzen der Eintracht-Fans zu spielen, seien gute Leistungen. „Ich werde alles geben, um die Leute zu überzeugen“, sagt Thurk. Dabei sei ihm die Position im Team „völlig egal“.

          Trainer Friedhelm Funkel hat schon mal angekündigt, daß er sich zwar freue, daß Thurk da sei, daß er aber für einen Spieler nicht das System verändern werde. Schließlich könne Michael Thurk im Offensivbereich „überall spielen“.

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