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Meistertitel für den VfB : Stuttgarter Fußball-Helden im siebten Himmel

  • -Aktualisiert am

Die Schale der Schwaben: Kapitän Meira präsentiert sie Bild: REUTERS

Der VfB Stuttgart hat es tatsächlich geschafft: Mit einem 2:1-Erfolg gegen Cottbus sicherten sich die Schwaben ihre fünfte Fußball-Meisterschaft. Der letzte Schritt zum Titel war mühsamer als gedacht, doch nach dem Schlusspfiff kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Mit FAZ.NET-Bildergalerie.

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          Ganz erleichtert, ganz glücklich, ganz oben: Der VfB Stuttgart hat sich mit einer Energieleistung zu seiner fünften deutschen Fußball-Meisterschaft gezittert. Als Schiedsrichter Wolfgang Stark am Samstag um 17.19 Uhr zum letzten Mal pfiff, war es geschafft. Alle Stuttgarter Spieler stürzten sich zuerst auf Torhüter Timo Hildebrand, der dem VfB in diesem Jahr ein wunderbarer Rückhalt war und den Klub zur neuen Saison in Richtung Spanien verlässt (Siehe auch: FAZ.NET-Spezial: Das Bundesliga-Finale).

          Mit viel Mühe, manchmal auch mit erheblicher Not hatten die Schwaben zuvor im prallvollen Gottlieb-Daimler-Stadion Energie Cottbus 2:1 besiegt und dabei einen Rückstand durch Sergiu Radus Tor (20. Minute) wettmachen müssen. Der diesmal überragende Thomas Hitzlsperger (27.) und Sami Khedira (63.) schafften den Umschwung, der so manche Beklemmung löste. Schließlich musste zwischendurch befürchtet werden, dass ihnen die Neuverfolger aus Schalke die Schale noch vor der Nase wegschnappen würden (Siehe auch: Wieder nur Platz zwei: Schalke als fairer Verlierer)

          Kapitän Meira streckt das gute Stück in den Himmel

          Doch der VfB, nach langem Aufstieg erst am 33. Spieltag an der Spitze angekommen, behielt die Nerven und bekam die Originalmeisterschale von Guido Buchwald, der den Stuttgarter Meisterjahrgang 1992 als Kapitän angeführt hatte, überreicht. Um 17.30 Uhr konnte Kapitän Meira das gute Stück als Erster in den Stuttgarter Himmel recken (Siehe auch: Meisterfeier: Ganz Stuttgart aus dem Häusle).

          Die Schale der Schwaben: Kapitän Meira präsentiert sie Bilderstrecke
          Meistertitel für den VfB : Stuttgarter Fußball-Helden im siebten Himmel

          Buchwalds Erben, behutsam und einfühlsam von Trainer Armin Veh angeleitet und geschickt von Jungmanager Horst Heldt zusammengestellt, bestachen über die ganze Saison mit Teamgeist und einem nie gefährdeten Gemeinschaftswerk und einer ausbalancierten Leistung, geprägt von Routiniers wie Kapitän Meira, Hildebrand oder dem Mexikaner Pardo, und beflügelt durch Talente und Jungstars wie Gomez, Khedira oder Hilbert.

          Party-Stimmung wie bei einem Open-Air-Konzert

          Der VfB behielt im Endspurt die Nerven, als die Konkurrenz aus München, Bremen und Schalke schwächelte, auch weil das Team unbekümmerter als andere sein großes Ziel verfolgte. Tosender Applaus im Stadion für eine Mannschaft, die vor Saisonbeginn niemand auf der Rechnung und auch im Serienverlauf kaum jemand als ersten Meisterkandidat betrachtet hatte. Nun kann der VfB eine jetzt schon grandiose Saison noch krönen, sollten die jungen Meister am kommenden Samstag in Berlin auch noch das DFB-Pokalfinale gegen den 1. FC Nürnberg gewinnen.

          Vor dem Endspiel hatte eine sommerliche Stimmung wie bei einem Open-Air-Konzert geherrscht. Die Stuttgarter Fans in der mit 56.000 ausverkauften Arena schwenkten erwartungsfroh Tausende rot-weißer Fahnen und stimmten sich lautstark auf den erhofften Freudentag ein. Der Gegner wurde, als die heißersehnte Partie begann, kaum wahrgenommen. Das galt aber auch für die Stuttgarter Profis auf dem Platz. Die Spieler des VfB, die ganze Woche mit den scheinbar normalen Alltagsabläufen auf den Meistersamstag vorbereitet, spürten schnell, dass sie diesmal eine Ausnahmesituation gegen die Cottbuser bewältigen mussten.

          Entsetzen und spitze Schreie im Stuttgarter Stadion

          Und so schlichen sich Nervosität, Unkonzentriertheit und auch Leichtsinn in die Aktionen der wochenlang so stabilen Schwaben ein. Energie dagegen agierte rasch in der Rolle, die den längst geretteten Aufsteiger auswärts zum Publikumsschreck gemacht hat: Cottbus gab den Spielverderber. Nach ein, zwei bedrohlichen, aber folgenlosen Konterattacken nutzte der von Meira und Delpierre nicht gestörte Radu seine Gelegenheit zum 14. Saisontreffer mit einem Flachschuss aus zehn Metern (20.).

          Entsetzen im Gottlieb-Daimler-Stadion, wo die 2:0-Führung der Schalker gegen Arminia Bielefeld vorsorglich erst gar nicht eingeblendet wurde. Und ein spitzer Aufschrei, als Hilbert und Cacau gleich zweimal aus kurzer Distanz am exzellenten Torhüter Piplica gescheitert waren (21.). Zum Glück jedoch konnte sich das Team von Trainer Veh auf seinen besten Distanzschützen verlassen.

          Gomez, die personifizierte Hoffnung auf den Titel

          Stand Hitzlspergers erstem Versuch nach einem Eckball von Pardo noch Piplica im Wege (12.), kam der Keeper an den zweiten Schuss nach demselben Strickmuster nicht mehr heran: Diesmal „saß“ der volley hoch und scharf aus zwanzig Metern getroffene Ball. Das 1:1 beruhigte den VfB, der in der Abwehr ungeordnet und im Mittelfeld bis auf Hitzlsperger alles andere als abgeklärt wirkte, nicht sonderlich. Veh mag schon früh an die Einwechslung seines besten, von wochenlanger Verletzung genesenen Stürmers Mario Gomez gedacht haben.

          Zunächst aber kam Spielgestalter da Silva (46.) für den allzu aufgeregten Osorio. Sieben Minuten später brandete Stuttgarter Jubel auf: Gomez, die personifizierte Hoffnung auf ein weiteres Tor und damit den Titel, betrat für Streller den Platz. Das Publikum begriff das Zeichen als Fanal. Es sang noch lauter als zuvor und trieb die eigene Mannschaft immer stärker nach vorn.

          Sami Khedira und die wichtigste Wende des Jahres

          Doch die Cottbuser, ein knochiger Gegner, blieben ruhig und lauerten auf ihre nächste Chance. Die kam - aber für Stuttgart. Da Silva flankte aus der Not heraus von links, und Khedira sprang am höchsten. Sein Kopfball zum 2:1 (63.) war nicht zu fassen. Wie schon so oft in dieser Spielzeit hatten die Stuttgarter ein Spiel gedreht - für sie die wichtigste Wende des Jahres.

          Von diesem Moment an waren die Massen nicht mehr zu halten in ihrer begeisterten Vorfreude. „Deutscher Meister wird nur der VfB“, schmetterten sie nicht nur in der Cannstatter Kurve. Dann war es endlich so weit. Auch das letzte Stück Schwerarbeit und die schwerste Geduldsprobe waren bestanden: Mit dem achten Sieg nacheinander hatte sich der VfB sein Meisterstück verdient. Das Team bewies noch einmal Charakter, als es darauf ankam, und konnte bestens damit leben, an diesem Feiertag mehr Schweiß und Angstschweiß vergossen denn Glanz und Gloria demonstriert zu haben.

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