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Meister in Not : „Am Freitag wird bestimmt alles besser“

  • -Aktualisiert am

Sprachlos: Oliver Kahn Bild: dpa

Die Marschroute von Felix Magath ist klar: „Wir dürfen uns nicht verrückt machen lassen.“ Nach einer verkorksten Saisonvorbereitung müssen sich die Bayern beim Bundesligastart jedoch steigern, um nicht die nächste Niederlage zu kassieren.

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          Es hätte ein so schöner Fußballabend werden können für den FC Bayern München und seine Fans. Giovane Elber war zurück, der für Manager Uli Hoeneß „zu den drei, vier besten Mittelstürmern gehörte, die wir je hatten“, und spielte zwei Jahre nach seinem Abschied aus München noch einmal im Trikot des Meisters. Die Besucher in der Allianz Arena, selbst die Anhänger des Lokalrivalen TSV 1860, feierten ihn, und die Klubführung ernannte Elber zum ersten Ehrenspieler des Klubs.

          Nur die Mannschaft, die ehemalige Mannschaft des Brasilianers, spielte nicht mit an diesem Dienstag. Es wurde deshalb nur für die „Löwen“ ein schöner Abend, ein sehr schöner sogar. Der Zweitligaklub hat den Rekordmeister gedemütigt, mit 0:3. In den 17 gemeinsamen Bundesliga-Jahren war „Sechzig“ noch nie ein so hoher Sieg gegen die Bayern gelungen.

          Elbers Kollegen hoben sich nicht ab

          Giovane Elber war erst ein paar Stunden vor seinem Abschiedsspiel samt Familie aus Brasilien eingetroffen, und deshalb hat es nicht erstaunt, daß der erfolgreichste ausländische Stürmer in diesem Spiel nicht in bester Verfassung und das auffälligste sein gelbes Schuhwerk war. Aber er befand sich in guter Gesellschaft, denn die Kollegen hoben sich nicht ab, und sie hatten nicht einmal diese bunten Schuhe, um auf sich aufmerksam zu machen.

          0:2 gegen Bremen: Niederlage im Ligapokalfinale
          0:2 gegen Bremen: Niederlage im Ligapokalfinale : Bild: dpa

          Nach 52 Minuten war Schluß für Elber, er wurde ausgewechselt und begab sich zu dem bei Abschiedsspielen unvermeidlichen Song „Time to say Goodbye“ auf die Ehrenrunde. Immer wieder trocknete er mit der brasilianischen Flagge, die ihm jemand auf dem Weg gereicht hatte, die Tränen. „Es war sehr schön bei euch. Ich habe sechs Jahre viel Spaß gehabt“, sagte er hinterher ins Mikrofon.

          „Am Freitag wird bestimmt alles besser“

          Was er auf dem Platz und nach seiner Auswechslung als Gastkommentator beim neuen Bundesliga-Livesender Arena vom FC Bayern mitbekam, hat ihm aber nur mäßig Freude bereitet. „Das tut schon weh. Sechzig hat den Ball richtig laufen lassen, und wir haben nur zugeschaut.“ Allerdings war sein Abschied nicht der richtige Zeitpunkt für kritische Worte, deshalb gab es fast nur Nettigkeiten von Elber. „Am Freitag“, sagte er immer wieder, „ wird bestimmt alles besser.“

          Am Freitag beginnt für den FC Bayern die Bundesliga, und da sollte eigentlich alles prima laufen. Aufgrund der verkorksten Saisonvorbereitung bitten die Verantwortlichen aber schon seit längerem um ein wenig Geduld in den ersten Wochen. „Wir müssen uns im August durchlavieren“, sagt Trainer Felix Magath. Aber die vergangenen Tage mit den Auftritten im Ligapokal und nun im Derby geben Anlaß zu der Vermutung, daß sich die Bayern in dieser Saison lange hinten anstellen werden müssen, statt wie in den vergangenen zwei Jahre gewohnt, schnell vorneweg zu marschieren. „Es wird sehr schwer, das wissen wir schon seit Tagen“, sagt Willy Sagnol. Er hofft, daß die Leistung allein dadurch besser wird, daß es am Freitag endlich um Punkte geht und nicht mehr nur ums Prestige. „Das hier war nur ein Freundschaftsspiel, in der Bundesliga ist die Atmosphäre eine ganz andere, da hat man andere Ziele.“

          Schlußpunkt einer verkorksten Vorbereitung

          Natürlich war die Motivation im Derby nicht besonders hoch, aber so gering sicher auch wieder nicht, sich eine Blamage einzuhandeln, denn die bringt in München Hohn und Spott mit sich - und in diesem Fall natürlich auch viel Unruhe, weil es eben der Schlußpunkt einer ziemlich verkorksten Vorbereitung war. Drei Spiele gegen deutsche Profimannschaften und dazu eines bei den Urawa Red Diamonds in Japan haben die Bayern nun in den letzten Tagen bestritten und dabei kein Tor erzielt.

          Das ist natürlich nicht allein ein Problem der Stürmer, sondern vielmehr der Abstimmung und betrifft deshalb die gesamte Mannschaft. In der Abwehr haben die beiden Innenverteidiger Lucio und Daniel van Buyten erst zweimal zusammengespielt, und im Mittelfeld ist die Zeit des Experimentierens noch lange nicht vorbei. Das Vakuum, das Ballack hinterlassen hat, muß nicht nur spielerisch und kreativ, sondern auch hierarchisch gefüllt werden. Aber bisher hat sich noch niemand gefunden, der die Verantwortung übernehmen will oder kann. Spieler wie Bastian Schweinsteiger, Owen Hargreaves oder auch Roque Santa Cruz agierten im Schatten von Ballack und müssen nun erst lernen, mehr Eigeninitiative zu ergreifen, sie müssen sich die Autorität erarbeiten.

          „Wir dürfen uns nur nicht verrückt machen lassen“

          Der Rekordmeister versucht, sich noch gelassen zu geben, aber es fällt den Verantwortlichen zunehmend schwer. „Ergebnisse in der Vorbereitung interessieren mich überhaupt nicht“, sagte Hoeneß fast ein wenig trotzig. „Die Vorbereitung war ja abgezielt auf Freitag, und bis dahin müssen wir versuchen, in Form zu kommen.“ Nur Magath scheint nichts aus der Ruhe zu bringen. In Testspielen in der Vorbereitung hole man sich eben leicht einmal „ein blaues Auge“, sagt er. „Wir dürfen uns nur nicht verrückt machen lassen, sonst wird's am Freitag schwer.“ Noch schwerer als ohnehin schon.

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