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Achter Titel in Serie : Die Meister-Bayern sind noch lange nicht satt

Wenn die Bayern feiern: Hüften wurden nur auf dem Rasen von Jerome Boateng (links) und Lucas Hernandez geschwungen. Bild: Reuters

Das Meisterstück in Bremen ist ein hartes Stück Arbeit. Die Party fällt anders aus als sonst. Nach dem achten Titel des FC Bayern in Serie kommt keine große Stimmung auf. Der Blick geht schon weit nach vorne.

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          Die obligatorischen T-Shirts zur Meisterschaft gab es auch dieses Mal. Doch die Feier des FC Bayern nach dem 1:0-Sieg bei Werder Bremen am Dienstagabend und dem damit verbundenen achten Titel in der Fußball-Bundesliga in Serie fiel alles andere als gewöhnlich aus. Wilde Jubelszenen nach Abpfiff gab es schon deswegen nicht, weil der Überraschungseffekt der nächsten Münchner Meisterschaft nicht allzu groß war. Doch in Corona-Zeiten fiel im strömenden Regen von Bremen auch die Freude mit den Fans ins Wasser. Vielmehr gab es eine Welle vor den Funktionären auf der sonst leeren Tribüne. Präsident Herbert Hainer, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, Oliver Kahn und Co. klatschten begeistert.

          Bundesliga
          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Auch danach kam keine große Stimmung auf. Bei der Abfahrt aus dem leeren Weserstadion warteten nur wenige Schaulustige auf die alten und neuen Meister des deutschen Fußballs. Glücklich trotteten die maskierten Münchner zum Bus, um zum Hotel gefahren zu werden. Dort wollten sie noch spätabends anzustoßen. „Ich habe keine Ahnung, wie das Programm heute Abend ist. Ich weiß nur, dass Hermann Gerland gesagt hat, ich soll irgendetwas mit Cola trinken, ich glaube mit Whiskey. Das werde ich tun, weil er es sich verdient hat. Deswegen werde ich mit ihm eine Bourbon-Cola-Light trinken“, sagte Hansi Flick.

          Wie viel auch immer Flick getrunken haben mag, der Erfolgshunger der Bayern ist mit dem insgesamt 30. Titel in der Bundesliga nicht gestillt. „Die Ziele sind immer hoch. Wir haben den ersten Schritt gemacht“, sagte Flick. „Wir haben noch den Pokal, das nächste Ziel.“ Nach zwei abschließenden Spielen in der Bundesliga gegen Freiburg und in Wolfsburg kommt es am 4. Juli in Berlin zum DFB-Pokalfinale gegen Bayer Leverkusen. Und dann ist da ja noch etwas.  „Die Champions League kann man nicht planen. Es wird immer nur ein Spiel sein. Da müssen wir auf dem Punkt topfit sein“, sagte Flick.

          An diesem Mittwoch und Donnerstag berät die Europäische Fußball Union Uefa über den konkreten Fortgang der Königsklasse. Derzeit stehen die Bayern im Achtelfinale. Das Hinspiel beim FC Chelsea in London gewann sie 3:0. Bevor es zur zweiten Partie gegen die „Blues“ in München kommen konnte, kam Corona. In der jetzigen Form ist der deutsche Meister auch ein Anwärter auf den Titelgewinn dort. „Es ist Bayern München, hier sind die Ziele immer hoch, das passt aber zu mir“, sagte Flick nach seinem erst zweiten Titel als Vereinstrainer – 2001 war er mit der aufstrebenden TSG Hoffenheim Meister der Oberliga geworden.

          Der 55 Jahre alte Flick hatte im November 2019 den Double-Gewinner Niko Kovac abgelöst und formte die zwischenzeitlich schwachen Bayern wieder zu meisterlicher Form. „Als Hansi das Ruder übernommen hat, hat er das Schiff sehr schnell wieder auf Fahrt gebracht“, sagte Vorstandschef Rummenigge. Weil in Bremen keine große Party möglich war, wollen die Münchner nach dem Heimspiel gegen Freiburg am Samstag zumindest ein bisschen im heimischen Stadion feiern – allerdings ohne die Frauen und nur im ganz kleinen Kreis, wie Rummenigge verriet. Die Meisterschale gibt es ohnehin erst nach dem 34. und letzten Spieltag in Wolfsburg.

          Rummenigge skizzierte noch am Abend die Planungen für die nächsten Wochen. „Wir haben nach dem Pokalfinale (am 4. Juli, Anmerkung der Redaktion) eine Pause von rund vier Wochen, der Trainer wird der Mannschaft einen Kurzurlaub von zwölf Tagen geben. Und anschließend wird er wieder in die Vorbereitung für das Achtelfinalspiel gehen“, sagte er. „Dann müssen wir einfach voll konzentriert zur Sache gehen, um auch in der Champions League noch die eine oder andere Runde weiterzukommen, idealerweise ins Finale“, sagte Rummenigge: „Wir müssen nicht mit Arroganz, sondern mit Respekt in die Aufgaben gehen.“

          Auch Präsident Hainer, für den es in seinem neuen Amt der erste Titel war, frohlockte ob der rosaroten Zukunftsperspektiven, die sich für den deutschen Dominator ergeben. „Ich würde mal die Experten zitieren, die alle sagen, diese Mannschaft hat die Möglichkeit, das Triple zu gewinnen“, sagte er: „Da gehört auch immer das Quäntchen Glück dazu, aber die individuelle Qualität und was Hansi Flick in sechs Monaten aus der Mannschaft gemacht hat, ist schon klasse.“ Der FC Bayern habe „alle Möglichkeiten und ich traue der Mannschaft viel zu“, sagte Hainer. Die Meisterschaft soll nur der erste Schritt gewesen sein.

          Der letzte Schritt dorthin indes war ein hartes Stück Arbeit gegen zähe Bremer, die sich mit allem, was sie haben, wehrten, zumal sie nicht nur gegen die Bayern, sondern auch gegen den Abstieg aus der Bundesliga kämpfen. Erst ein Geniestreich von Jerome Boateng und Robert Lewandowski knackte Werder. Der Abwehrspieler löffelte einen Ball hinter die Bremer Abwehr, der Torjäger nahm ihn mit der Brust an und versenkte ihn, ehe er den Rasen berührte – ein Meisterwerk. Die Münchner hatten zuvor Glück, dass Alphonso Davies nicht in der ersten Hälfte die Rote Karte wegen Nachtretens sah. Später flog er mit Gelb-Rot vom Platz, doch München überstand die Unterzahl. „Es ist einfach Freude pur“, sagte Flick letztlich glücklich – und macht sich auf zum Drink mit Hermann Gerland.

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