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Fußball trotz Corona-Krise : „Eine Infektion kann das Karriereende sein“

  • Aktualisiert am

Wenn der Ball wieder rollt, steigt auf dem Rasen die Gefahr einer Infektion. Bild: dpa

Bald darf die Fußball-Bundesliga wieder spielen. Ein Mediziner warnt vor einer speziellen Gefahr durch das Corona-Virus. Ein Fitnesstrainer befürchtet derweil ein erhöhtes Verletzungsrisiko durch die unzureichende Vorbereitung.

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          Eine Infektion mit dem Coronavirus könnte für Profisportler fatale Folgen haben. Davor warnt der Sportmediziner Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) in einen Interview der ARD-„Sportschau“ mit Blick auf den für den 15. Mai geplanten Wiederbeginn des Bundesliga-Spielbetriebs. „Ein Sportler sollte sich schon Gedanken darüber machen, dass eine Infektion das Karriereende sein kann“, sagte Professor Bloch, der am Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der DSHS tätig ist.

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          Auch bei jungen Menschen ohne Vorerkrankungen könne Covid-19 einen schweren Krankheitsverlauf nehmen. Die Gründe würden derzeit von der Wissenschaft noch untersucht. Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité habe laut Bloch schon Mitte März im NDR-Podcast  „Coronavirus-Update“ auf die Gefahr hingewiesen, die mit dem üblichen Infektionsverlauf zusammenhänge: Zunächst vermehre sich das Virus im Rachen, erst dann in der Lunge. Dadurch habe das Immunsystem normalerweise Zeit für eine Reaktion, die Chancen auf einen milden Verlauf steigen.

          Im Gegensatz dazu sei es laut Drosten „denkbar, dass jemand sich nicht im Hals infiziert, sondern gleich eine hohe Dosis Virus aus der Luft einatmet in die Lunge, und dass die Infektion gleich in der Lunge losgeht“. Bloch hält diese Überlegung für „sehr berechtigt“ und insbesondere für den Sport relevant. „Wenn man richtig am Schnaufen ist, erhöht sich der Gasaustausch um den Faktor 15 bis 20 – über die Atemfrequenz und dadurch, dass man 3,5 Liter Atemvolumen hat, Profisportler noch mehr. Das bedeutet, man atmet richtig tief in die Lunge hinein. Und dort ist direkt der Ort, an dem schwere Schädigungen stattfinden können.“

          Mit Blick auf die Pläne für das Mannschaftstraining und den Spielbetrieb in der Fußball-Bundesliga, der nach der Entscheidung der Politik am Mittwoch von Mitte Mai an in Deutschland wieder möglich sein soll, warnte Bloch: „Man muss schon den Sportler schützen. Gehe ich also das Risiko ein auf eine schwerwiegende Infektion mit Lungenbeteiligung und möglicherweise dem Karriereende? Dieses ist ja zumindest nicht auszuschließen.“

          In den Augen eines bundesligaerfahrenen Fitnesstrainers ist die Zeit bis zur Fortsetzung der Saison derweil mit Blick auf das Verletzungsrisiko zu kurz. „Vier Wochen wären eine optimale Vorlaufzeit“, sagte Christian Kolodziej dem „Kicker“ (Donnerstag). Selbst wenn die Spieler sich nach vielen Laufeinheiten in den vergangenen Wochen fit fühlten, seien die Belastungen eines Spiels mit schnellen und vielen Richtungswechseln nicht zu simulieren. „Wird es vermehrt zu Verletzungen kommen? Ich fürchte: ja. Und werden die Spiele mit der Intensität geführt, die wir gewohnt sind? Mal abwarten...“, sagte Kolodziej.

          Der 51-Jährige arbeitete vor seiner Zeit beim FC Zürich in der Schweiz in Deutschland für Borussia Dortmund, den VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt. Nach der Genehmigung durch die Politik hat sich das DFL-Präsidium am Mittwoch auf den 15. Mai als Starttermin für den Rest der Saison geeinigt. Die Spielzeit ist wegen der Corona-Pandemie unterbrochen.

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