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Neuer Sportchef in Leipzig : Der Sinneswandel des Max Eberl

  • -Aktualisiert am

Zurück im Geschäft: Max Eberl Bild: AP

Max Eberl wechselt nach Leipzig. Dabei hat er das Geschäftsgebaren von RB in seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach stets kritisiert. Nun heißt das Ganze „klare Fußballphilosphie“.

          3 Min.

          Einen Tag nach der Ankündigung, dass Max Eberl vom 15. Dezember an neuer Sportdirektor von RB Leipzig wird, war es ruhig rund um das Trainingsgelände des Vereins. Die Mannschaft trainierte in dezimierter Zahl, die vielen Nationalspieler weilten bei ihren Auswahlen. Eberl selbst war auch nicht zugegen. Natürlich nicht, muss man sagen.

          Der Manager meidet seit seinem Abschied bei Borussia Mönchengladbach im Januar öffentliche Auftritte, auch bei der Bekanntmachung seiner Anstellung war er persönlich nicht anwesend. In einer von Leipzig herausgegebenen Pressemitteilung hieß es, dass er „wieder bereit“ sei „und voller Kraft, im Fußball arbeiten zu wollen“.

          Phantomgleich schlich die Personalie Eberl schon länger durch die Leipziger Gemäuer, ohne dass er dort je öffentlichkeitswirksam gesehen worden war. Es war ja kein Geheimnis, dass RB um ihn warb. Geschäftsführer Oliver Mintzlaff hatte schon vor Wochen über das Interesse gesprochen. Auch der neue Trainer Marco Rose, der mit Eberl in Gladbach zusammengearbeitet hatte, sprach sich offensiv für die Akquise seines Vertrauten aus.

          2,5 Millionen Euro Ablöse

          Inwiefern dieses allzu öffentliche Werben bei der Einigung mit Borussia Mönchengladbach half, sei dahingestellt. Es heißt, Leipzig überweist Gladbach für Eberls Dienste 2,5 Millionen Euro. Der Betrag soll im Erfolgsfall deutlich steigen. Im Wissen um das enorme Leipziger Interesse verfügten die Verantwortlichen der Borussia nicht über die schlechteste Verhandlungsposition.

          Bundesliga

          Bei den Gladbachern besaß Eberl einen Vertrag bis 2026. Der ruhte, seitdem er Anfang des Jahres unter Tränen erklärt hatte, „mit diesem Fußball nichts mehr zu tun“ haben zu wollen. Worte, die nach einem endgültigen Ausstieg aus dem Geschäft klangen. Eberl beschrieb sich damals als ausgebrannt und leer, nicht fähig, den extremen Anforderungen seines Berufs weiter gerecht werden zu können. Er verschwand, reiste um die Welt und lebt heute zu Teilen in der Schweiz, der Heimat seiner Lebensgefährtin.

          Vorwurf der Heuchelei

          Der emotionale Abschied wird ihm nun zur Last gelegt. Teile des Gladbacher Publikums bezichtigen ihn nicht weniger als der Heuchelei, sein Auftritt wurde von Fanvertretern als „unglaubwürdig“ bezeichnet. Vor allem, weil er sich nun einem Verein anschließt, den er in der Vergangenheit regelmäßig für dessen Geschäftsgebaren kritisierte.

          Was Eberl einst besonders monierte, waren die finanziellen Vorteile durch den potenten Sponsor im Hintergrund und die Verquickung der Standorte Leipzig und Salzburg. Jetzt ließ er sich von RB anders zitieren: „Ich komme in einen Klub, der sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt hat, sehr ambitioniert ist und für eine klare Fußballphilosophie steht.“

          In Gladbach frustriert

          Wahr ist aber auch, dass er als Sportdirektor in einen Klub kommt, der zuletzt in gewissen Bereichen seine strukturellen Probleme nicht verbergen konnte. Die Suche nach einem geeigneten Sportdirektor geriet zur Farce, seit es Markus Krösche im Sommer 2021 zu Eintracht Frankfurt gezogen hatte. In der Folge verkündete Geschäftsführer Mintzlaff mehrfach Ultimaten, zu denen er den vakanten Posten besetzen wollte.

          Bundesliga

          Daraus wurde dann meist nichts, bis Mintzlaff im Sommer von der möglichen Einigung mit einem Kandidaten der Kategorie „1A“ zu sprechen begann. Wie sich nun herausstellte, handelte es sich dabei um Eberl. Kontakt hatte der Leipziger Geschäftsführer demnach bereits im Januar nach Eberls Abschied von der Borussia aufgenommen, damals allerdings den Hinweis erhalten, dass er sich im Sommer wieder melden solle.

          Der Eindruck, dass Eberl einer neuen Aufgabe nicht abgeneigt sein könnte, entstand bereits während dessen Spätphase in Gladbach. Der Manager gab sich immer frustrierter im Bezug auf die limitierten Möglichkeiten des Standortes. Intern soll es ein offenes Geheimnis gewesen sein, dass er des ständigen Abgebens von wichtigen Spielern überdrüssig sei.

          In Leipzig sind die Möglichkeiten ungleich größer, die Erwartungshaltung aber auch. Eberl soll mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet werden, er ergänzt die Geschäftsführung des Vereins um Oliver Mintzlaff (Vorsitzender), Florian Hopp (Finanzen) und Johann Plenge (Unternehmensentwicklung).

          Wie stark sich RB dem Erfolg verschrieben hat, wurde erst jüngst deutlich, als Trainer Domenico Tedesco trotz des Sieges im DFB-Pokal nur wenige Wochen später nach einem Fehlstart in der Bundesliga gehen musste. Sein Nachfolger wurde Rose. Eberl war in diese Entscheidung schon eingebunden. Beide hatten einander zu Gladbacher Zeiten auch in unruhigen Tagen den Rücken gestärkt. Gute Voraussetzungen, um auch am zuletzt aufgeregten Standort Leipzig erfolgreich sein zu können.

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