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Warum Eberl Gladbach verlässt : Ein Abgang, der tief unter die Haut geht

  • -Aktualisiert am

Worte, die nachdenklich machen: Max Eberl geht zum Fußballgeschäft auf Abstand. Bild: Imago

Erschöpfung und eindringliche Worte: Sportdirektor Max Eberl hört bei Borussia Mönchengladbach auf, weil ihn die Arbeit krank mache: „Ich will einfach mit dem Fußball nichts zu tun haben.“

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          Die Stimme von Max Eberl stockte, als er am Freitagnachmittag auf dem Podium des Mönchengladbacher Presseraums Platz genommen hatte, um dort eine ziemlich überraschende Wendung zu erläutern. Der Sportdirektor hat um die sofortige Auflösung seines Vertrages gebeten, weil er „müde“ und „erschöpft“ sei, weil er das Gefühl habe, dass ihn seine Arbeit zunehmend „krank“ mache, berichtete er und formulierte einige Sätze, die jedem Zuhörer unter die Haut gehen mussten.

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          „Ich will einfach raus, ich will einfach mit dem Fußball nichts zu tun haben, ich will mit euch nichts zu tun haben“, sagte er in die Gesichter der Journalisten. „Ich will die Welt sehen, keine Verantwortung haben, einfach Max Eberl sein. Das ist der Grund, warum ich diese unfassbar schwere Entscheidung zu einem unfassbar ungünstigen Zeitpunkt getroffen habe.“ Tränen flossen, Verzweiflung lag in seinen Worten, als er verkündete: „Ich beende etwas, was mein Leben war. Ich beende etwas, was mir sehr viel Freude und Spaß bereitet hat, weil Fußball mein Leben ist, weil Fußball meine Freude ist.“

          Alle Versuche des Präsidiums, den 48 Jahre alten Niederbayern zumindest von einem Verbleib bis Saisonende zu überzeugen, waren erfolglos geblieben. „Das war aufgrund des gesundheitlichen Zustandes nicht möglich“, sagte Vizepräsident Rainer Bonhof, der wie die meisten Klubmitarbeiter und Anhänger „sehr traurig“ über den Verlust ist, mit dem eine Ära zu Ende geht.

          „Wir haben das respektiert, nicht akzeptiert, wir sind traurig, damit haben wir nicht gerechnet“, sagte Präsident Rolf Königs. Eberl hatte seit 1999 für Borussia Mönchengladbach gearbeitet, erst als Spieler, dann als Nachwuchsdirektor, von 2008 an als Sportdirektor. Besonders die süße Zeit voller Erfolg und Freude während der vergangenen zehn Jahre ist eng mit Eberl verbunden.

          „Es geht um den Menschen“

          Nach einem in der Relegation verhinderten Abstieg 2011 erreichten die Gladbacher immer einen einstelligen Tabellenplatz, spielten vier Mal in der Europa League, drei Mal in der Champions League und brachten Spieler wie Marco Reus, Granit Xhaka, Marc-Andre ter Stegen, Thorgan Hazard oder Dante hervor. Mehrfach wurde Eberl von Fachleuten zum Transfermarktkönig der Bundesliga gekürt.

          In all den Jahren wirkte er eigentlich immer sehr stabil und schien in seiner Arbeit aufzugehen. Zwar hat Eberl dem Präsidium bereits im Oktober zum ersten Mal von seinem Wunsch nach einer längeren Auszeit berichtet, weil er sich aber im Alltag nichts anmerken ließ, lief alles weiter wie gehabt. Doch nun konnte Eberl nicht mehr. „Ich kann verstehen, wenn Menschen sagen, wie kann er das jetzt machen. Aber es geht gerade nicht um Fußball, es geht um den Menschen“, sagte er.

          Gerüchte, der immer wieder von anderen Klubs umworbene Funktionär verlasse die Borussia, um schon bald einen womöglich interessanteren Posten zu übernehmen, sind wohl frei erfunden. Vielmehr deutete Eberl an, dass genau solche Spekulationen, die übergriffig und verletzend sein können, die Erschöpfung mit verursacht haben. Zuletzt wurde über die Bedeutung von Eberls Beziehung zu einer Klubmitarbeiterin für den sportlichen Niedergang spekuliert. „Jeder von uns hat Familie, Kinder, Großeltern, Freunde“, sagte er und wünschte sich, „dass das Spiel im Mittelpunkt steht und nicht so sehr die ganzen Geschichten drumherum.“

          Überraschend ist diese Entwicklung auch deshalb, weil der Bundesligastandort Mönchengladbach den Ruf hat, eine Art Idyll zu sein. Die von Machtstreben, Geltungsbedürfnis und Eitelkeiten angetriebenen Konflikte, die im professionellen Fußball weit verbreitet sind, waren am Niederrhein lange nicht so bedeutsam wie anderswo. Eberl legte sich allenfalls mal mit einem Teil des eigenen Publikums an, wenn ihm die Erwartungen und die Reaktionen auf das Spiel des Teams unangemessen erschienen. Ansonsten herrschte eine konstruktive Alltagsharmonie. Jedenfalls bis vor einem Jahr eine lange Phase der Eskalation begann, deren vorläufiger Höhepunkt dieser Abschied ist.

          Die Borussia hatte gerade erstmals in ihrer Geschichte das Achtelfinale der Champions League erreicht, Spieler wie Marcus Thuram, Florian Neuhaus, Alassane Pléa, Matthias Ginter, Ramy Bensebaini oder Denis Zakaria hatten das Interesse großer Klubs geweckt. Doch als Trainer Marco Rose im Januar 2021 bekanntgab, zur neuen Saison in Dortmund arbeiten zu wollen, geriet ein Prozess der Zersetzung in Gang.

          Rose wurde von Fans beleidigt und massiv abgelehnt, die Mannschaft spielte immer erfolgloser, Eberl verzichtete aber trotz atmosphärischer Störungen auf eine Trennung, woraufhin das Team die Qualifikation für den Europapokal verpasste. „Jede Niederlage war auch meine Niederlage“, berichtete er, und weil aufgrund der Pandemie plötzlich das Geld knapp wurde, misslang im Sommer der dringend nötige Kaderumbau. Die zuvor noch sehr begehrten Spieler fanden keine Abnehmer mehr.

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          Der für 7,5 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt verpflichtete Trainer Adi Hütter fand auch keine Lösungen für die hochkomplizierte Situation, imposanten Siegen wie dem 5:0 gegen Bayern München im DFB-Pokal folgten krachende Niederlagen wie das 0:6 gegen den SC Freiburg. Inzwischen geht es nur noch um den Klassenverbleib und darum, einen passenden Nachfolger für Eberl zu finden.

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