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4:0 gegen Hoffenheim : Der junge Hoppe ist der neue Schalker Held

  • -Aktualisiert am

Nicht zu halten von Hoffenheim: Matthew Hoppe trifft für Schalke 04 wie er will. Bild: Reuters

Tasmania Berlin darf seinen Rekord behalten, Schalke nutzt die allerletzte Chance und gewinnt nach 30 Spielen in der Bundesliga ohne Sieg wieder – und wie! Ein 19 Jahre alter Stürmer schießt drei Tore gegen Hoffenheim.

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          Der drohende Abstieg wird noch lange eine große Last bleiben im Alltag der Angehörigen des FC Schalke 04, aber zumindest den tasmanischen Spuk sind sie am Samstagnachmittag losgeworden. 4:0 hat der bis dato Tabellenletzte der Fußball-Bundesliga gegen die TSG Hoffenheim gewonnen, es war der erste Sieg nach 30 Ligapartien ohne dreifachen Punktgewinn. „Die Erleichterung ist groß“, sagte  Sportvorstand Jochen Schneider, „riesengroß sogar. Aber das war nur der erste Schritt. Jetzt geht es natürlich weiter.“

          Bundesliga

          Aber dass Tasmania Berlin seinen Rekord von 31 Spielen ohne Sieg behalten wird, war am Ende dieses sehr speziellen Nachmittags nur noch eine Randnotiz. Schalke hat einen neuen Superhelden: Die drei ersten Treffer hatte der 19 Jahre alte Angreifer Matthew Hoppe geschossen, der aus Kalifornien stammt und beim FC Barcelona ausgebildet wurde. Hoppe berichtete bei Sky schüchtern, er habe „für diesen Tag keine Worte. Ich hoffe, wir kämpfen weiter.“

          Aber zunächst waren alle Augen auf Sead Kolasinac gerichtet, der vom FC Arsenal ausgeliehen worden war und in den Tagen vor der Partie zur großen Hoffnung erklärt wurde. Als Anführer, als Mann, der frei von den vielen Rückschlägen des vergangenen Jahres aufspielen kann, der die anderen mitreißen soll. Sofort trug er die Kapitänsbinde. Der ebenfalls neue Trainer Christian Gross erhofft sich von dem in der Schalker Jugend ausgebildeten Bosnier einen „neuen Schub der Mannschaft und allen in und um den Verein“. Diese Erwartungen muss ein Fußballspieler erstmal schultern.

          Zumal Kolasinac im bisherigen Saisonverlauf kaum gespielt hat, aber die ersten Eindrücke waren gut. Noch keine zwei Minuten waren absolviert, als er sich auf der linken Seite durchdribbelte und einen gefährlichen Schuss im Strafraum abgab, der gerade noch vom Hoffenheimer Verteidiger Kevin Vogt abgeblockt wurde. Der Energieschub schien zu wirken. Schalke spielte intensiv und mutig, Hoppe hatte am Ende eines schönen Spielzugs eine weitere gute Möglichkeit, schoss aber aus kurzer Distanz über das Tor (14.). Eine wirklich klare Chance der Hoffenheimer reichte jedoch aus, um die Schalker schwer zu verunsichern.

          Ishak Belfodil kam Mitte der ersten Hälfte aus bester Position 15 Meter vor dem Tor zum Abschluss, Torhüter Ralf Fährmann hielt den Ball. Und die ebenfalls gute Nachschussoption (23.) vergab der Stürmer anschließend auch. Danach waren die Hoffenheimer zunächst klar besser. Gacinovic (25.) und Kramaric (30.) hatten weitere Tormöglichkeiten, und Schalke spielte die seltenen eigenen Kontersituationen nicht sauber zu Ende. Bis zur 41. Minute, als Kolasinac einen Kopfball Richtung Mittellinie wuchtete, Amine Harit auf den jungen Hoppe weiterleitete, der mit einem schlauen Lupfer über Torhüter Oliver Baumann zum 1:0 traf.

          Endlich mal hatten sie ein wenig Spielglück gehabt, auch weil dem Schalker Alessandro Schöpf vor dem Führungstor der Ball versehentlich an den Arm gesprungen war, was die Schiedsrichter trotz der Hoffenheimer Proteste ungeahndet ließen. Die Führung stabilisierte die Mannschaft spürbar. Auch nach der Pause klappte längst nicht alles, aber sie kämpften und arbeiteten, und es gab sogar spielerisch sehenswerte Momente. Zum Beispiel den tollen Pass von Harit auf Hoppe vor dem 2:0, der junge Angreifer umspielte Baumann und schob den Ball ins leere Tor (57.). Und nachdem Hoppe nach der dritten schönen Vorarbeit von Harit abermals mit einem hübschen Lupfer zum 3:0 getroffen hatte (63.), gibt es einen neuen Stern auf Schalke.

          Dass der Sieg nach Harits 4:0 (80.) viel zu hoch ausfiel, muss dann wohl als Folge des Befreiungsgefühls nach fast einem Jahr ohne solches Erfolgserlebnis betrachtet werden. Am Ende war selbst der vermeintliche Retter Kolasinac, der insgesamt einen guten Einstand gegeben hatte, nur noch ein Nebenthema an diesem denkwürdigen Nachmittag. Der Klub hofft wieder, der neue Trainer Gross hat den Sieglosbann gebrochen, und was vielleicht am wichtigsten war: Für Schalke hatte eine Mannschaft gespielt, die sich füreinander einsetzte, die miteinander kämpfte.

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