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Bundesliga-Probleme : Hinteregger macht der Eintracht Mut

  • -Aktualisiert am

Ecke Rode, Tor Hinteregger (links): Was in München zweimal klappte, erhofft sich die Eintracht auch gegen Freiburg. Bild: Peter Schatz/Pool/ via /nordphot

Der torgefährlichste Verteidiger der Bundesliga trifft in München dreimal, aber darunter auch einmal ins eigene Tor. Aus der Bahn wirft ihn das Missgeschick nicht. Schon am Dienstag geht es weiter für Frankfurt.

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          Es kommt nicht häufig vor, dass bei einem Ergebnis von 5:2 ein Spieler der unterlegenen Mannschaft zum Spieler des Tages gekürt wird. Martin Hinteregger war es kein Trost. Dem Frankfurter Innenverteidiger wäre ein Punkt lieber gewesen als diese zweifelhafte Ehre. Denn nur wegen seiner beiden Tore, die die Eintracht gegen den FC Bayern von 0:3 auf 2:3 heranbrachten, hätte Hinteregger wohl nicht die Wahl gewonnen, da war Bayern-Stürmer Thomas Müller mit einem Treffer und zwei Vorlagen prägender und bedeutsamer für den Ausgang der Auseinandersetzung gewesen.

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          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Aber Hinteregger krönte seine Vorstellung noch mit einem Eigentor der besonderen Sorte. Beim Versuch, eiligst den einschussbereiten Münchner Stürmer Gnabry zu stören, geriet er außer Tritt. Der Ball sprang ihm von einer Hacke an die andere, und von dort aus kullerte der Ball ins Tor. Ein „doppelter Fersler“, wie der Österreicher solch eine höchst seltene Aktion bezeichnet, war schon eine besondere Auszeichnung wert. Als Trost für den wackren Kämpfer und Torschützen.

          „Es sah sicher lustig aus, ich musste selber ein bisschen lachen, als ich es sah. Das passiert, was soll man machen? Das war sicher eines meiner schönsten Eigentore und hoffentlich das letzte“, sagte Hinteregger nach der Partie. In völlig unaufgeregtem Ton kommentierte der Österreicher die Partie, die für ihn so turbulent verlaufen war. Aber es schien ihn nicht weiter zu interessieren, dass er mit seinen beiden Treffern verschiedene Rekorde aufgestellt hatte. So erzielte er die letzten sieben seiner nun acht Saisontreffer nach einem Eckball. Seit Datenerfassung 1992/93 kam nie zuvor ein Spieler auf so viele Saisontreffer nach Ecken. Das verlautete die Liga auf ihrer Homepage. Außerdem gab es in den vergangenen drei Spielzeiten keinen Verteidiger, der in der Bundesliga mehr Tore schoss und mehr Torschüsse in der Statistik hat als Hinteregger: 19 Torbeteiligungen, 11 Treffer und 88 Torschüsse. Und auch in der Eigentorwertung ist Hinteregger auf dem Vormarsch, er steht schon bei vier.

          „Wir wussten, dass er eine wahnsinnige Waffe ist, wir müssen die Situation trotzdem besser verteidigen“, sagte Bayern-Trainer Hansi Flick zu den Gegentreffern, die eine einseitige Begegnung zwischenzeitlich wieder spannend machten. Der Frankfurter Trainer Adi Hütter erklärte Hintereggers Stärke so: „Auf einer Seite ist es Fleiß, auf anderen Seite Intuition.“ Häufig verlange sein österreichischer Landsmann noch nach dem Trainingsschluss nach ein paar Bällen in den Raum, um sein Timing bei Standards auf dem hohen Niveau zu halten. „Aber er hat auch das nötige Gefühl für die Situation“, lobt Hütter.

          Doch wenn der Ball bei Standards nicht in die abgesprochene Zone fliegt, dann kann auch der beste Zielspieler nichts machen. In München schoss erstmals seit Monaten Sebastian Rode die Ecken von rechts – das Resultat: zwei Versuche, zwei Tore. „Ich denke, ich darf das nächste Mal wieder die Ecken schießen“, sagte Rode.

          Hinteregger wiegelte seinen außergewöhnlichen „Hattrick“ ab. Der erschien ihm nicht wesentlich. Als die Sprache auf die Gesamtsituation kam, wurde er lebhafter. „Der Blick ging schon vor der Corona-Pause nach unten. Wenn man nur noch wenige Punkte Vorsprung nach unten hat, dann ist doch klar, wohin der Blick geht“, sagte der Innenverteidiger lakonisch und realistisch in einem. Nach der fünften Bundesliga-Niederlage nacheinander wird es allmählich richtig eng.

          Ohne Hintereggers Tore wäre die Lage noch trostloser. Sie waren mehr als Strohhalme, an denen sich die Eintracht-Profis hochziehen konnten. Sie waren die eindeutigen Beweise, dass der Abwärtstrend gebrochen werden kann. Nicht schon gegen die Bayern, der Rekordmeister ist eine Klasse für sich, er trieb die Frankfurter, als es spannend wurde, in Missgeschicke. Fernandes legte dem Münchner Davies das 4:2 auf, Hinteregger erledigte wie schon erwähnt das 5:2 selbst.

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          Aber für das Heimspiel gegen den SC Freiburg am kommenden Dienstag waren Hintereggers Treffer sowie Gacinovics Großchance und Kostics Pfostenschuss wie Erinnerungsstützen an die eigene Offensivqualität. Momentan sind die Bayern nicht unsere Kragenweite“, räumte Torvorbereiter Sebastian Rode unumwunden ein, als er auf das glorreiche 5:1 im Hinspiel angesprochen wurde. „Jetzt kommen harte Wochen auf uns zu. Wir müssen das Positive aus dem Spiel mitnehmen und das Negative aufarbeiten. Ab Dienstag gilt’s“, sagte Rode.

          Dann kommt der SC Freiburg zum Heimspiel (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky). Auch Hütter ist bewusst: „Nun treffen wir auf Gegner, mit denen wir uns auf Augenhöhe sehen. Dann müssen wir punkten.“ Der Begegnung mit Freiburg folgen Spiele in Wolfsburg, in Bremen und gegen Mainz. Nach diesen vier Auseinandersetzungen müssen Zeichen im Kampf gegen den Abstieg gesetzt sein. Ansonsten würde wohl ein neuer Trainer versuchen, die Trendwende herbeizuführen.

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