https://www.faz.net/-gtm-9tmpf

Gisdol beim 1. FC Köln : Bloß nicht zu viel wollen

  • -Aktualisiert am

Kölns neuer Trainer Markus Gisdol bei seiner ersten Trainingseinheit für den FC Bild: dpa

Kehrt mit Markus Gisdol der Erfolg zurück nach Köln? Ein Blick in seine Trainervergangenheit macht vor dem Spiel des FC in Leipzig Hoffnung. Der Optimismus in der Domstadt hält sich dennoch in Grenzen.

          3 Min.

          Wenn Markus Gisdol am Samstag nach Leipzig reist, begegnet er wieder einmal der eigenen Vergangenheit. 2017 traf der neue Trainer des 1. FC Köln auf seiner ersten Dienstreise in die sächsische Metropole mit dem Hamburger SV auf seinen Mentor und ehemaligen Chef Ralf Rangnick, dessen Assistent er einst war; es war ein sehr erfreulicher Ausflug, an dessen Ende ein denkwürdiger Auswärtssieg stand. „3:0 in Leipzig zu gewinnen, das ist eine schöne Sache“, sagte Gisdol nun in Köln, als er auf das Spiel mit dem HSV bei Rasenballsport angesprochen wurde. „Ich erinnere mich noch, wie schwer es meinem Freund Ralf Rangnick danach fiel, mir zu gratulieren.“ Am Samstagabend (18.30 Uhr im F.A.Z-Liveticker zur Bundesliga und auf Sky)  wird er im Rahmen seines Besuches nun Julian Nagelsmann begegnen, der einst unter Gisdol A-Jugend-Trainer bei der TSG Hoffenheim war und 2016 sein Nachnachfolger bei den Profis wurde.

          Bundesliga

          Anekdoten wie jene vom erstaunlichen 3:0 eines Abstiegskandidaten bei den starken Leipzigern sind in Köln derzeit eine Art Medizin gegen den Fußballpessimismus, der auch nach dem Trainerwechsel von Achim Beierlorzer zu Gisdol allgegenwärtig ist. Begeisterung weckt der neue Chefcoach bislang jedenfalls kaum, es ist klar, dass die Vereinsverantwortlichen zunächst versucht haben, Bruno Labbadia einzustellen. Gisdol befriedigt weder die in dieser Stadt traditionell vorhandene Lust am Glamour, noch hat er eine Kölner Vergangenheit, die nostalgische Gefühle weckt. Und einer dieser jungen Visionäre der Kategorie Florian Kohfeldt (Weder Bremen) oder Nagelsmann ist er auch nicht. Vielmehr ist der 50 Jahre alte Fußball-Lehrer ein Facharbeiter, der vor seinem ersten Spiel sagte: „Ich glaube, dass wir auch in Leipzig eine Chance entwickeln, wenn wir die Dinge nur ansatzweise auf den Platz bringen, die wir uns jetzt so vorgenommen haben.“

          Worin genau diese Vorsätze bestehen, verrät er vorerst nicht. Er habe zwar „erste Gedanken von der Spielidee, dazu will ich aber gar nicht so viel sagen“, sagte Gisdol. Nur so viel: Der Plan sehe vor, „nicht zu viel zu wollen und das Einfache in den Vordergrund zu stellen“. Gisdol lächelt viel und gerne, er ist sehr freundlich; zu vielen Fragen, die in der Stadt diskutiert werden, blieben seine Aussagen bislang aber ziemlich blass. Als sich bei seiner Vorstellung Anfang der Woche jemand erkundigte, was er während der 22 Monate ohne Festanstellung so getrieben habe, erwiderte er: „Ich habe mich weitergebildet, viel mit Analysten gesprochen und viele Spiele angeschaut“, vor allem in England. Nichts davon sei aber so interessant, dass sich detailliertere Schilderungen lohnen würden.

          Wiedersehen von Gisdol und Modeste

          In seiner ersten Kölner Woche hat ihm diese Verschlossenheit niemand übelgenommen, es gibt derzeit genug Geschichten zu erzählen. Zumal mit Horst Heldt auch noch ein neuer Geschäftsführer Sport eingestellt wurde. Ein Mann mit rheinischen Wurzeln und kölnischer Vergangenheit, der sogar eine Rückkehr der Stadt-Ikone Lukas Podolski in Aussicht gestellt hat, eventuell als Spieler.

          Aber auch zur Trainerarbeit gibt es ein paar Themen, die mit großer Leidenschaft diskutiert werden. Die Anthony-Modeste-Frage zum Beispiel. Bei der TSG Hoffenheim hat Gisdol schon einmal mit dem Kölner Kultspieler zusammengearbeitet, der nun in einem Formtief hängt. Damals setzte der Trainer aber auf andere Stürmer. Modeste litt unter dem Mangel an Wertschätzung, ging zum FC, wo er zu einem brillanten Torjäger avancierte und in den folgenden zwei Jahren insgesamt 40 Bundesligatreffer erzielte. Jeder, der weiß, was für ein sensibler Mensch Modeste ist, ahnt, dass es hier Redebedarf gibt. Gisdol aber sagte: „Das ist mit einem Kontakt und mit einem Lächeln erledigt, was zwischen Trainer und Spieler manchmal an Kleinigkeiten entsteht.“ Vermutlich weiß er, dass ein Lächeln eher nicht reichen wird, um den Topverdiener im Kader wieder ans Laufen zu bringen, aber solche Sachen erledigt Gisdol gerne im Verborgenen.

          „Wie Gisdol wirklich tickt, weiß kaum jemand – auch nicht nach fast auf den Tag einem halben Jahr im Amt als HSV-Trainer“, hat das „Hamburger Abendblatt“ einmal geschrieben und den Schwaben als „Mann, der nie über das Privatleben spricht“, bezeichnet. Es wird interessant, ob es Gisdol gelingt, eine emotionale Bindung zur Stadt Köln und ihren Einwohnern herzustellen. Wobei schon verständlich ist, dass ein Mensch so einen Job erst mal mit großer Vorsicht antritt. Der forsche Optimismus des jederzeit zugänglichen Beierlorzer führte schließlich auch nicht zum erhofften Erfolg. Ein Statement mit echter Aussagekraft muss in den kommenden Wochen eben von der Mannschaft kommen.

          Weitere Themen

          Tabellenführer Leipzig stolpert

          0:2 in Frankfurt : Tabellenführer Leipzig stolpert

          Ein Sieg wider die Gerechtigkeit: Die Frankfurter Eintracht besiegt das lange überlegene Team von RB Leipzig dank einer Leistungssteigerung in Halbzeit zwei. Touré ebnet den Weg. Und der Spitzenreiter stolpert.

          „Es ist ärgerlich, das geht einfach nicht“

          Mainz 05 : „Es ist ärgerlich, das geht einfach nicht“

          Mainz 05 spielt gut und geht in Gladbach in Führung, verliert aber doch noch. Das liegt vor allem an eigenen Fehlern. Die beklagt danach nicht nur Trainer Achim Beierlorzer – und ist „ein bisschen ratlos“.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.