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Gomez’ Ärger nach Videobeweis : „Für uns ist das eine Katastrophe“

  • Aktualisiert am

Mario Gomez (links) versteht im Gespräch mit Schiedsrichter Harm Osmers die Fußballwelt nicht mehr. Bild: Picture-Alliance

Mario Gomez erzielt in Sandhausen drei Tore. Alle werden jedoch nach Ansicht der Videobilder wieder aberkannt, weil der Stuttgarter Stürmer minimal im Abseits stand. Danach redet er sich in Rage.

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          Der frühere Nationalspieler Mario Gomez hat nach der 1:2-Niederlage des VfB Stuttgart beim SV Sandhausen massive Kritik am Videobeweis geübt. „Ich war schon ein Freund davon, weil ich dachte, es wird gerecht. Aber für uns Stürmer ist es eine Katastrophe“, sagte Gomez am Sonntag bei Sky. „Das System wie es ist, ist einfach scheiße“, monierte Gomez. Gomez hatte in Sandhausen gleich dreimal getroffen (10. Minute, 45.+3, 71.) – dreimal wurden seine Tore nach Ansicht der Videobilder allerdings von Schiedsrichter Harm Osmers (Hannover) wieder zurückgenommen. Der Stuttgarter hatte bei allen  Aktionen minimal im Abseits gestanden.

          2. Bundesliga

          „Der Schiri sagt mir dreimal, dass es drei Zentimeter waren. Dann frage ich, ob die drei Zentimeter mit der Technik, die wir haben, wirklich überprüft werden können. Wenn die Kamera aus 45 Grad schräg draufschaut, wie sollen die das sehen?“, monierte Gomez, der zugab, dass er zunächst ein Freund der Technik gewesen sei. Seine Meinung habe sich aber mittlerweile geändert.

          Jedes Mal habe ihm der Schiedsrichter auf dem Platz gesagt, es seien nur wenige Zentimeter seines Körpers im Abseits gewesen. Er stellte infrage, ob so knappe Entscheidungen mit den vorhandenen Kameras und insbesondere in kleinen Stadien wie dem in Sandhausen wirklich zweifelsfrei getroffen werden könnten. Der Schiedsrichter auf dem Platz könne nichts dafür, meinte Gomez. „Ich bin ganz froh, dass ein Großteil meiner Karriere hinter mir ist und ich mich nicht mehr die nächsten zehn Jahre mit diesen Dingen auseinandersetzen muss“, sagte Gomez, der seine aberkannten Treffer als „ersten irregulären Hattrick der Geschichte“ bezeichnete, dem SWR.

          Dafür gebe es halt den Videobeweis, sagte VfB-Trainer Tim Walter. Dass die Schwaben bereits ihre fünfte Niederlage in der zweiten Fußball-Bundesliga kassierten, hatte für den Coach andere Gründe. „Wir waren schläfrig“, sagte Walter mit Blick auf die Anfangsphase der Partie. Schon nach wenigen Sekunden hatte Aziz Bouhaddouz den SVS in Führung gebracht. In der 24. Minute legte der Stürmer nach einer weiteren Unaufmerksamkeit in der VfB-Defensive nach. „Wir befinden uns gerade in einer sehr stabilen, selbstbewussten Phase“, sagte Sandhausens Trainer Uwe Koschinat.

          Nach der dritten Auswärtsniederlage in Serie bleibt der VfB Tabellendritter mit drei Punkten Rückstand hinter dem Hamburger SV. Auf Spitzenreiter Arminia Bielefeld fehlen nun sechs Zähler. Der 1. FC Heidenheim auf Platz vier hat wie Erzgebirge Aue drei Punkte Rückstand auf Stuttgart. Der VfB dominierte die Partie zwar abermals über weite Strecken, leistete sich im Spielaufbau aber auch viele Ballverluste – und die nutzten die Gastgeber aus. Schon nach wenigen Sekunden köpfte Kevin Behrens an die Latte, Bouhaddouz staubte ab und schoss aus kurzer Distanz die Führung. Dann pennte der VfB nach einer Ecke, und das nutzte der Torjäger wieder aus.

          Im Vergleich zum Derbysieg gegen den Karlsruher SC stand Nathaniel Phillips als einziger Neuling in der Startelf, weil Kapitän Marc Oliver Kempf gesperrt fehlte. Doch trotz der fast gleichen Mannschaft agierte der VfB anders als eine Woche zuvor oft unkonzentriert und verlor Bälle durch Passfehler, wodurch Sandhausen immer wieder Kontergelegenheiten bekam. Die eigenen Chancen durch Gonzalo Castro (32.) oder Santiago Ascacibar (33.) nutzten die Gäste dagegen nicht.

          Nur Gomez traf in der ersten Halbzeit – einmal mit links sowie ein weiteres Mal herrlich per Fallrückzieher. Beide Tore wurden aber nachträglich zurecht aberkannt. In der zweiten Hälfte war dann auch vom Routinier nicht mehr viel zu sehen, weil er wie fast alle seiner Teamkollegen abbaute. Allerdings erzielte er noch einen weiteren Abseitstreffer. Wieder überprüfte der Videoreferee die Szene – und wieder wurde das Tor zurecht aberkannt. Erst kurz vor Schluss gab es die Elfmeterentscheidung zu Gunsten des Favoriten.

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