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Mario Gomez im Gespräch : „Ich brauche für mein Ego keine Rangfolge“

  • Aktualisiert am

Polarisiert Fans und Kritiker: Bayern-Stürmer Mario Gomez Bild: dpa

Nationalstürmer Mario Gomez muss sich bei den Bayern starker Konkurrenz erwehren. Vor dem Spiel beim VfB Stuttgart, in dem er ebenfalls nicht in der Startelf steht, spricht er über Bank-Erlebnisse, Instinkt und Balance.

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          Sie haben mit 66 Toren eine Bilanz beim FC Bayern, die in der Fußball-Bundesliga in den ersten hundert Spielen für einen Verein nur Rudi Völler übertraf (74 für Werder Bremen). Dennoch haben Sie sich Ihr 100. Spiel, das 2:0 gegen Fürth am vergangenen Wochenende, bestimmt anders vorgestellt: Sie spielten nur die letzten fünf Minuten.

          Ich habe dafür gekämpft, aber ich habe nicht erwartet, dass ich im ersten Rückrundenspiel spielen werde. Es wäre naiv gewesen, etwas anderes zu denken - wenn man weiß, wie stark die Mannschaft in der ersten Saisonhälfte aufgetreten ist.

          Dennoch überraschend, Sie auf der Bank zu sehen. In der vergangenen Saison wurden Sie mit Ihrer Trefferquote für die Bayern (41 Tore in 52 Spielen) nur von Messi und Ronaldo übertroffen. In dieser Saison müssen Sie nach der Knöcheloperation und der Verpflichtung von zwei weiteren Mittelstürmern, Mandzukic und Pizarro, darum kämpfen, als Nummer neun die Nummer eins zu sein.

          Ich habe noch nie eine Rangfolge aufgestellt. Ich brauche das nicht für mein Ego. Ich weiß, was ich kann, was der Trainer von mir verlangt, was ich von mir verlange. Das will ich umsetzen. Alles drum herum muss man ausblenden.

          Es fällt auf, dass Sie im Laufe der Jahre bei den Bayern eine immer gelassenere Distanz zum Geschehen zeigen, gleich ob man Sie feiert oder kritisiert.

          Ich habe mir irgendwann eine Balance angeeignet, egal wie es sportlich läuft: ich zu sein und ich zu bleiben. Und mich außerhalb des Platzes nicht von den Emotionen leiten zu lassen, die zu dem Sport dazugehören. Von Dingen also, die ich nicht beeinflussen kann, weil sie geschrieben und erzählt werden. Es ist eben ein Volks- und Massensport, und jeder beteiligt sich daran.

          Haben Sie in der langen Verletzungspause eine größere Distanz zu dem Geschäft bekommen?

          Auch in der Reha blieb der Fußball allgegenwärtig. Fußball ist unser Leben. Aber ich konnte mich in den zweieinhalb Monaten, in denen ich völlig allein trainiert habe, mich auf mich selbst konzentrieren. Das war auch wichtig in der Phase. Mich nicht von Emotionen und Situationen leiten lassen. Und, wie sonst, von Ergebnissen.

          Es war die erste längere Pause Ihrer Karriere. Hat man da manchmal die Angst, dass es plötzlich weg sein könnte, das Toreschießen - wie etwa bei Fernando Torres?

          Die Angst habe ich überhaupt nicht. Ich weiß, dass ich immer meine Tore machen werde, wenn ich fit und gesund bin. Das hat nichts mit Selbstbewusstsein zu tun, sondern einfach nur mit meinem Spiel. Solange ich jetzt nicht deutlich langsamer werde, werde ich auch immer dorthin kommen, wo ich hinwill auf dem Platz. Und werde oft genug schneller sein als der Verteidiger, weil ich als Stürmer anders denke. Das wird immer so sein.

          Vorübergehender Stammplatz: Gomez nahm zuletzt mehr auf der Bank Platz, als auf dem Feld zu stehen
          Vorübergehender Stammplatz: Gomez nahm zuletzt mehr auf der Bank Platz, als auf dem Feld zu stehen : Bild: dpa

          Selbst Gerd Müller hatte torlose Phasen. Sein früherer Bayern-Trainer Dettmar Cramer erzählte, dass er ihn dann einfach ein paar seiner vielen Tore schildern ließ. Seine Laune stieg, und er traf wieder. Selbstvertrauen holen, indem man frühere Tore innerlich noch einmal erlebt - hilft das Ihnen auch?

          Ja, aber das ist kein Stürmerphänomen. Auch Verteidiger denken vor dem Spiel an gute Tacklings oder an Situationen, in denen sie gegen gute Stürmer gut ausgesehen haben. Mittelfeldspieler denken an gelungene Pässe. Wenn man Leistungssportler ist, laufen solche Dinge automatisch ab. Aber am meisten gilt das natürlich für Tore. Am Ende des Tages spricht man immer über das Ergebnis. Das, was wahrgenommen wird, sind die Tore.

          Nutzen Sie, wie viele andere Sportler, Bobfahrer, Basketballer, aber auch Fußballkollegen wie Frank Lampard, die Technik der Visualisierung? Sich mögliche bevorstehende Spielsituationen ganz konkret vor Augen führen, sie vorab durchspielen?

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