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„Letzte Mission“ VfB-Aufstieg : Das leise Adieu des Mario Gomez

  • -Aktualisiert am

Das war’s: Mario Gomez verabschiedet sich bei der Aufstiegsfeier des VfB. Bild: dpa

Ein Torjäger hört auf: Mario Gomez verabschiedet sich mit der Bundesliga-Rückkehr seines VfB Stuttgart vom Fußballplatz. Zum Abschied erzielt er sein letztes Tor. Ihn verfolgte lange ein zu schlechter Ruf.

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          Am Ende spielten sie alle noch einmal für ihn. Ein letztes Mal, zusammen als VfB Stuttgart, für den Einen, der genau diesen VfB Stuttgart über Jahre hinweg geprägt hat wie kaum ein Zweiter. Es gab keine großen Abschiedsovationen, keinen tosenden Szenenapplaus, keine rauschende Choreographie.

          Es war ein stiller Abschied, ohne Zuschauer im Stadion, nur mit seinen Mitspielern auf dem Rasen und einigen wenigen anderen daneben. Beim Saisonabschluss in der zweiten Liga, dem 1:3 gegen den SV Darmstadt 98, verbeugte sich Mario Gomez noch ein letztes Mal von der deutschen Fußballbühne herab und sagte leise Adieu – nach insgesamt 587 Auftritten als Profi. Dass der VfB endgültig seine letzte Station war, bestätigte Gomez nach Abpfiff des Spiels bei Sky. „Ich bin in Verhandlungen mit Real und Barca, und wenn das nichts wird, dann werde ich aufhören“, gab der Stürmer augenzwinkernd zu Protokoll. Und so verliert Deutschland einen der besten Stürmer, den diese Fußballnation in den vergangenen Jahrzehnten hervorgebracht hat.

          Erfolge in mehreren Ländern

          Dabei passte es zur Karriere von Gomez – und auch zur Entwicklung des VfB –, dass diese letzten Momente in der Zweitklassigkeit stattfanden. Seinem Profidebüt gegen den FC Chelsea im Champions-League-Achtelfinale 2004, er stand insgesamt neun Minuten auf dem Feld, folgte ein steiler Aufstieg. Der führte ihn zu drei deutschen Meisterschaften mit Stuttgart und München, zwei Pokalsiegen und für insgesamt 78 Partien auch in die Nationalmannschaft. Er spielte bei drei Europa- und zwei Weltmeisterschaften, wurde Meister und Torschützenkönig in der Türkei und traf insgesamt atemraubende 336 Mal, davon 31 Mal für die DFB-Elf.

          Und doch überschritt er seinen Zenit irgendwann, dem steilen Aufstieg folgte ein langsamer, aber kaum aufzuhaltender Abstieg. Der führte ihn 2013 weg aus der Bundesliga zum AC Florenz in die italienische Serie A, wo er einigermaßen erfolglos blieb, und nach einem Intermezzo bei Besiktas Istanbul zurück nach Deutschland zum VfL Wolfsburg. Später landete er wieder beim VfB, dort wo alles einst angefangen hat und er nun seinen Abschied in der zweiten Liga gab.

          Letzter Treffer eines Torjägers: Mario Gomez erzielt das 1:1.

          Tatsächlich passte es gleichermaßen zur Karriere von Gomez – und zur Entwicklung des VfB –, dass genau mit diesem Spiel dem Traditionsverein der Sprung zurück in die Erstklassigkeit gelang. Klub und Mannschaft haben sich in den vergangenen Monaten deutlich zum Positiven hin entwickelt. Auch Gomez hat seinen Teil dazu beigetragen. Er war immer dann da, wenn er gebraucht wurde, und grämte dem Trainer kein einziges Mal, wenn der ihn auf der Bank ließ. Trotz seines mit nun fast 35 Jahren verhältnismäßig hohen Fußballalters zeigte er Leistung und arbeitete Woche um Woche für die gemeinsame Sache.

          Ein zu schlechter Ruf

          Überhaupt litt Gomez zeit seiner Karriere unter einem zu schlechten Ruf. Er war kein eiskalter Knipser, kein filigraner Schönspieler, kein unermüdlicher Arbeiter, keine pfeilschnelle Kraftmaschine. Aber er war immer einer, der sich in den Dienst der Mannschaft stellte. Der oft da stand, wo es für den Gegner ungemütlich war. Der zwar für seine spektakulären Fehlschüsse bekannt wurde, aber eben doch auch immer wieder ganz wichtige Tore erzielte aus schier unmöglichen Positionen oder mit Körperteilen, die eigentlich gar nicht zum Toreschießen geeignet sind.

          Bei seinem Debüt 2004 wechselte ihn Felix Magath als Stuttgarter Trainer ein, weil „er schon einiges mitgebracht hat für einen Topstürmer“. Mittlerweile gehört Gomez für Magath „zu den Besten, die in der Bundesliga gespielt haben auf seiner Position“. Der heutige VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo ehrte Gomez am Wochenende gegen Darmstadt mit einem weiteren Startelf-Einsatz, wo er nochmals als Torschütze glänzte. Und Bundestrainer Joachim Löw meinte zuletzt: „Für Mario habe ich nur lobende Worte übrig, ich habe riesigen Respekt vor ihm, als Mensch wie als Sportler. Ich war und bleibe ein großer Fan.“ Das alles sagt viel aus über den Fußballspieler Gomez, der sich nun neuen Zielen zuwenden will.

          Von den Mitspielern gefeiert: Mario Gomez

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