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Abschied vom BVB : Das traurige Ende des Mario Götze

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Ohne gelbe Zukunft in der Bundesliga: Mario Götze Bild: dpa

Mario Götzes Zeit bei Borussia Dortmund läuft ab – und die Zukunftsplanung wird kompliziert. Das liegt zum Teil an einer bestimmten Schwäche des WM-Helden von 2014. Und der Fußball-Profi hat auch ein paar Dinge falsch gemacht.

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          Es gibt diese Floskel vom „besten Fußballeralter“, das die Spieler irgendwann im Verlauf ihrer Karrieren erreichen. Mit 26, 27 oder 28 Jahren sind viele Profis so gereift, dass sie Führungspositionen in Mannschaften übernehmen können, dass Anzahl und Dauer von Formtiefs auf einen Minimalwert sinken, die physische Leistungsfähigkeit sich aber noch auf dem Höhepunkt befindet. Mario Götze ist 27 Jahre alt, man kann diesen Spieler nach allem, was er erlebt hat, getrost als sehr erfahren und reif bezeichnen. Doch irgendwie wirkt das Bild vom besten Alter in diesem Fall dissonant.

          Bundesliga

          Götzes Vertrag mit Borussia Dortmund läuft am Saisonende aus, nach Jahren mit körperlichen Problemen und einer fußballerischen Stagnation hat er wohl keine Zukunft hier. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagte neulich zwar in einem Fernsehinterview bei RTL: „Wir werden das Gespräch mit Mario, sobald wir wieder spielen, relativ schnell suchen.“ Aber nach allem was zu hören ist, wird es dort eher um die Organisation des Abschieds gehen als um eine Fortsetzung der Zusammenarbeit.

          Dem großen WM-Helden von 2014 droht damit ein trauriges Ende beim BVB. Er wird sein letztes Spiel in Schwarzgelb wohl in einem leeren Stadion bestreiten und zum Abschied in die kalte Linse einer Fernsehkamera winken, statt in der warmen Zuneigung der applaudierenden Südtribüne zu baden. Aber das ist nur ein ungünstiger Aspekt dieses bevorstehenden Vereinswechsels. Noch belastender dürfte die schwierige Orientierung auf dem Transfermarkt sein, auf dem wegen der gegenwärtigen Ungewissheiten kaum verbindliche Vereinbarungen getroffen werden können. Wohl deshalb hat er seinen Berater gewechselt und lässt sich nun von dem Agenten Reza Fazeli betreuen, der auch Emre Can und Lucien Favre zur Seite steht.

          Das übliche Transfergeraune

          Im „Kicker“ bezeichnete Fazeli die Planung von Götzes Zukunft als „nicht schwieriger, sondern anders“. Er führe „viele konstruktive Gespräche“, aber das werde „Zeit in Anspruch nehmen“. Italien und Spanien sollen den Mittelfeldspieler reizen, es kursieren immer wieder neue Namen: AC und Inter Mailand, der SSC Neapel, oder Lazio Rom zum Beispiel. Klubs aus Frankreich haben angeblich auch Interesse, England soll in Frage kommen – das übliche Transfergeraune. „Was die sportliche Zukunft bringt, wird sich erst zeigen, wenn wieder ein wenig Normalität eingekehrt ist“, sagte selbst Götze jüngst. Aber Normalität wird es so schnell nicht geben, das ist längst klar.

          Noch im Winter, als Hertha BSC um den gebürtigen Memminger warb, hoffte er im Sommer ein schönes Handgeld kassieren zu können, wie es für ablösefreie Spieler mit großem Namen bisher üblich war. Nun ist der kommende Sommer zum wohl ungünstigen Moment für einen Klubwechsel seit Jahren geworden. Aufgrund der wirtschaftlichen Defensive, in der die Klubs verharren. Das Topverdiener-Einkommen, das Götze vom BVB erhält, wird er anderswo kaum mehr aushandeln können. Hinzu kommen die großen Unsicherheiten in vielen Ländern: Niemand weiß, wann die kommende Saison in Italien, Spanien, England losgeht. Viele Monate mit Geisterspielen sind wahrscheinlich, und im Privatleben drohen neuerliche Ausgangsbeschränkungen, Quarantänephasen – und so weiter und so fort. In Götzes Fall sind all diese Unwägbarkeiten besonders relevant, weil seine Frau Ann-Kathrin in den kommenden Wochen ihr erstes Kind erwartet.

          Belastend: Mario Götze sucht bei erschwerten Bedingungen eine neue Rolle.

          Dabei wäre Götze nach einer langen schwierigen Phase, in der der Ruhm des global verehrten WM-Final-Helden auf ihm lastete, ein schönes Karrierefinale zu wünschen. Ohne solch ein Kapitel würde die Laufbahn des Mittelfeldspielers nämlich rückblickend wie eine Geschichte des Scheiterns erscheinen. Als Teenager war er ein Spieler, dem Experten zutrauten, in die Phalanx von Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo vorzustoßen. Dann machte ihn 2014 dieses Tor für die Ewigkeit sportlich unsterblich, aber schon da hatte er ein Stück seiner leichtfüßigen, genialen Spielweise verloren.

          Nach seinem Wechsel zum FC Bayern 2013 begann eine lange Phase der Stagnation, die bis heute nicht zu Ende ging. In München wurde Götze von Pep Guardiola zunächst zwar oft aufgestellt und eingewechselt, er schoss Tore, lieferte Vorlagen, aber in den wichtigsten Momenten der Saison saß er meist auf der Bank. Nach seiner Rückkehr nach Dortmund hatte er auch starke Phasen, war in der Saison 2018/2019 ein wertvoller Teamspieler, aber eher ein fleißiger Arbeiter als der Schöpfer magischer Momente.

          Das hat viel mit dem Tempo des Spiels zu tun, das in den vergangen zehn Jahren noch einmal beschleunigt wurde. Die wirklich großen Stars sind einfach schneller als Götze. Aber auch der Mittelfeldspieler selbst hat ein paar Dinge falsch gemacht. Getrieben vom eigenen Ehrgeiz und von den allgegenwärtigen Erwartungen verlor er seine Leichtigkeit. Der Wechsel nach München sieht im Rückblick wie ein Fehler aus, er trainierte sich Muskeln an, wo er eher an seiner Leichtfüßigkeit hätte arbeiten müssen. Und wer weiß, was passiert wäre, wenn Götze 2016 das Angebot seines alten Förderers Jürgen Klopp zu einem Wechsel zum FC Liverpool angenommen hätte. Vielleicht hätte er dann schon früher diese neue Rolle gefunden, die er nun unter deutlich erschwerten Bedingungen suchen muss.

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