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Wirbel um Gladbach-Trainer : Rose ist unter strenger Beobachtung

  • -Aktualisiert am

Der Druck wächst: Marco Rose steht vor wegweisenden Prüfungen. Bild: dpa

Der angekündigte Abschied von Marco Rose wühlt Borussia Mönchengladbach mächtig auf. Das 1:2 gegen Mainz nimmt der Trainer, der zu Dortmund wechselt, auf seine Kappe.

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          Beziehungsgeschichten bilden das Innenleben einer Fußballmannschaft ab – auch in der hochprofessionellen Bundesliga. Dabei lauten die einfachen Fragen: Wer kann warum mit wem, und wer hält warum zu wem Abstand? Fraglos lösen dabei auch Entscheidungen, die einer Zäsur gleichkommen, Prozesse aus, die das Wohl und Wehe eines Teams beeinflussen können.

          Bundesliga

          Borussia Mönchengladbach hat am vergangenen Montag den Wechsel seines Fußballlehrers Marco Rose zu Borussia Dortmund zur neuen Saison bekanntgegeben, da der Sachse von einer vertraglich vereinbarten Ausstiegsklausel Gebrauch machte, die sich auf fünf Millionen Euro belaufen soll. Da die andere Borussia aber an dem fachlich und menschlich geschätzten Rose bis zum Saisonende festhalten will, steht der 44 Jahre alte Leipziger auf seiner Gladbacher Abschiedstournee ab sofort Woche für Woche unter strenger Beobachtung.

          „Am Ende ist es meine Niederlage“

          Das Spiel „danach“ ging am Samstag im Borussia-Park daneben und tat allen, die es mit den „Fohlen“ halten, äußerst weh. Gegen den aufwärtsstrebenden Tabellenvorletzten Mainz 05 setzte es eine 1:2-Niederlage, die durch Treffer von Onisiwo (10. Minute) und Stöger (86.) bei einem Gegentor durch Stindl (26.) besiegelt wurde. Danach nahm Rose erst einmal alle Schuld auf sich – in der Hoffnung, dass sich der Gefühlsstau innerhalb seiner Mannschaft auflösen werde.

          „Am Ende ist es meine Niederlage, die ich auf meine Kappe nehme und die ich verantworte“, bekannte der Mann, der seit 2019 die sportliche Bilanz der Borussia zu einer Erfolgsgeschichte gemacht hat und in den kommenden acht Tagen im Champions-League-Achtelfinalhinspiel gegen Manchester City (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN), im Bundesliga-Hit bei RB Leipzig (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) und im DFB-Pokalduell mit seinem künftigen Arbeitgeber Borussia Dortmund (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal und bei Sky) vor wegweisenden Prüfungen steht.

          „Eine Menge Unruhe“

          Am Samstag, nach einer Woche des Unverständnisses bei den teils über die Grenzen des guten Geschmacks entrüsteten Fans, stellte sich der Trainer schützend vor seine Mannschaft. Die hatte gegen die frechen Mainzer zuvor nicht gerade eine Mutprobe abgeliefert, die auf unbändigen Siegeswillen hätte hindeuten können. „Alles, was diese Woche passiert ist, was auf die Jungs eingeprasselt ist, hat auch aufgrund meiner Person stattgefunden – eine Menge Unruhe“, beschrieb Rose die Gladbacher Gemengelage.

          Die Spieler hätten unter den besonderen Umständen „sehr gut darauf reagiert“ und „gut trainiert“. Leider helfe das Ergebnis „uns natürlich gar nicht“. Und deshalb werde es „im Umfeld womöglich noch unruhiger“. Umso mehr sieht Rose nach zuletzt vier sieglosen Spielen des Tabellenachten seine vordringliche Aufgabe darin, „dass die Jungs wieder zurück in die Erfolgsspur kommen“.

          Schließlich will der Klub ohne Rose wie in dieser auch in der kommenden Saison international dabei sein: notfalls in der Europa League. Sportdirektor Max Eberl, der viel Wert auf das in diesem beliebten Verein meist familiäre Betriebsklima legt, will gemeinsam mit Rose den Weg zurück nach oben finden. Es gebe „0,0 Prozent Ansatz“, über eine Trennung nachzudenken. „Ich bin zu 100 Prozent sicher, dass wir die Saison mit Marco Rose zu Ende spielen werden“, sagte Eberl am Sonntag.

          Druck ist größer geworden

          Ihm ist bewusst, „dass sich durch die Bekanntgabe der Entscheidung der Druck vergrößert hat“. Er kündigte an, dass die Gladbacher auch in der nächsten Saison „eine schlagkräftige Truppe aufstellen“ würden und es „keinen Ausverkauf“ gebe. Eine „Idee“ für den Trainer nach Rose habe er schon im Hinterkopf. Bis er die Entscheidung bekanntmachen könne, werde es aber „noch dauern“. Als Trainer in spe gelten Gerardo Seoane, der Coach des schweizerischen Meisters Young Boys Bern, Jesse Marsch (Salzburg) und aus der Bundesliga Florian Kohfeldt (Werder Bremen).

          Gegen Mainz sah die Gladbacher Gegenwart so eisgrau aus wie des Trainers Bart. Ein paar aufhellende Worte zweier Führungsspieler im Borussen-Kollektiv deuteten immerhin auf eine produktive Zweckgemeinschaft zwischen den Profis und ihrem Boss. Kapitän Stindl, gegen die Mainzer noch der beste Gladbacher Spieler aus einem ziemlich unentschlossenen Ensemble, gab zu, „dass am Anfang der Woche hier im Borussia-Park ein bisschen Unruhe zu spüren“ gewesen sei.

          Am Samstag aber sei das „gar kein Thema mehr innerhalb der Truppe gewesen“. Ihm pflichtete Jonas Hofmann bei, der die Vorarbeit zum 1:1 geleistet hatte. Das Thema Rose, sagte er, „spielt überhaupt keincitye Rolle, das geht uns so was von am Hintern vorbei“. Derbe Fußballersprache, die darauf hindeutet, dass die Selbstheilungskräfte in diesem Team stark genug sein könnten, sich schon bald wieder in alter Frische auf der großen Fußballbühne zurückmelden zu können.

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