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Kapitän von Borussia Dortmund : Reus zum Fußballer des Jahres gewählt

  • Aktualisiert am

Ausgezeichneter Spieler: Marco Reus ist Fußballer des Jahres. Bild: dpa

Sieben Jahre nach der ersten Auszeichnung wird Marco Reus wieder zum besten Spieler des Jahres gekürt. Er gewinnt die Wahl deutlich vor einem Leverkusener. Auch ein früherer Dortmunder darf sich freuen.

          Marco Reus machte aus seinem Stolz keinen Hehl. Mit einem Dauerlächeln meisterte er nach seiner Wahl zum „Fußballer des Jahres“ den Interviewmarathon im Trainingsquartier von Bad Ragaz. „Das berührt mich. Es ist die größte Auszeichnung, die ein deutscher Sportler in Deutschland erreichen kann. Das zum zweiten Mal mit zwei verschiedenen Clubs zu schaffen, ist eine große Anerkennung“, kommentierte der Nationalspieler das Votum der Sportjournalisten, die ihn mit großem Vorsprung auf den Leverkusener Kai Havertz an die Spitze der nationalen Rangliste gesetzt haben.

           
          Trotz frustrierender Erinnerungen an die WM in Russland und des erfolglosen Schlussakts in der Bundesliga geht Reus als großer Sieger aus einer für ihn eigentlich enttäuschenden Saison hervor. Zum zweiten Mal nach 2012 gewann der Kapitän von Borussia Dortmund die Wahl zum „Fußballer des Jahres“. Es sei „schwierig, nach einer schweren Verletzung wie meinem Kreuzbandriss 2017 wiederzukommen und Fußballer des Jahres zu werden. Das macht mich auf jeden Fall stolz“, kommentierte der Nationalspieler im „Kicker“ (Montag) das Votum der Sportjournalisten, die ihn mit großem Vorsprung auf den Leverkusener Kai Havertz an die Spitze der nationalen Rangliste gesetzt haben. Zum Trainer des Jahres wurde Jürgen Klopp, der einst Dortmund und Mainz coachte, von Champions-League-Sieger FC Liverpool gekürt. Bei den Frauen setzte sich zum dritten Mal in Serie Dzsenifer Marozsán von Olympique Lyon durch. (alle Ergebnisse siehe unten).

          Bundesliga
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          Reus weiß diese Wahl mehr zu schätzen als vor sieben Jahren: „Ich bin mittlerweile 30 – und werde diese Auszeichnung vielleicht nicht mehr so oft erhalten. Es ist schöner, als es damals war, ein anderes Gefühl.“ Mit dem Alter steigt nach seinem Empfinden die Genussfähigkeit: „Wenn man als Spieler vielleicht nur noch drei, vier Jahre vor sich hat, feiert man jeden Titel etwas emotionaler als vorher und genießt das Ganze mehr.“ Zumal, wenn man so viele Tiefschläge verkraften musste wie er.

          Kaum ein Profi im deutschen Fußball hat die Höhen und Tiefen einer Karriere mehr kennengelernt als Reus. Schwere Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück. Besonders schmerzlich war der Verzicht auf die Fußball-WM 2014 in Brasilien, wo die DFB-Auswahl ohne Reus den Titel gewann. Im letzten Testspiel vor dem Abflug kam das Aus. Zwei Jahre später wurde er zum Bedauern von Bundestrainer Joachim Löw wegen einer hartnäckigen Blessur aus dem Kader für die EM in Frankreich gestrichen.

          Die Art und Weise, wie er sich immer wieder zurückkämpfte, trug zur wachsenden Popularität bei – und zum Glaube an die eigene Stärke. „Er hat wahnsinnig an Persönlichkeit gewonnen“, beschrieb sein damaliger BVB-Trainer Thomas Tuchel vor zwei Jahren die Stehauf-Qualitäten des Ausnahmekönners.

          Unter der Regie von Tuchel besiegte Reus als Pokalsieger von 2017 seinen Final-Fluch. Nach vier verlorenen Endspielen in der Champions League (2013) und im Pokal (2014/2015/2016) stand er im Ruf, „unvollendet“ zu sein. Das Urteil von Weltmeister und Kolumnist Lothar Matthäus nach dem verlorenen Elfmeterschießen im Pokalfinale 2016 gegen die Bayern fiel hart aus: „Marco steht symbolisch für das Scheitern kurz vor dem großen Ziel.“

          Es passt ins Bild einer wechselhaften Karriere, dass Reus beim lang ersehnten Triumph im Pokalendspiel gegen Eintracht Frankfurt einen Kreuzbandriss erlitt. Doch wie sooft gelang ihm auch diesmal ein fulminantes Comeback. In der vergangenen Saison hatte Reus als Kapitän maßgeblichen Anteil an der hervorragenden Hinrunde der Dortmunder. „Marco hat sich die Wahl zum ’Fußballer des Jahres’ absolut verdient. Mit seinem Tempo, seiner Technik, seinen Überraschungsmomenten, seiner Kreativität und seinem Zug zum Tor ist er ein Spieler, der den Unterschied machen kann. Marco ist sehr gereift, hat dabei seinen Esprit und seine Frische aber nicht verloren“, urteilte Bundestrainer Joachim Löw.

          Längst ist Reus zum Gesicht von Borussia Dortmund geworden. Kein Autogramm ist gefragter als das des in der Revierstadt geborenen Tempofußballers. Logisch, dass er seit vergangenem Sommer die Kapitänsbinde trägt. Über die Jahre ist er nach eigener Einschätzung in diese Rolle hinein gewachsen: „Es war eine Ehre für mich, das Team als Dortmunder Junge auf das Feld zu führen.“ Es spricht für seine dazugewonnene Reife, dass er dieses Amt als Verpflichtung begreift:„Man muss ein Vorbild sein, weil man den Verein weltweit repräsentiert.“

          Die Ergebnisse der Wahlen zum Fußballer des Jahres 2019

          Abstimmung Fußballer des Jahres 2019 unter Deutschlands Sportjournalisten durch den „Kicker“, 540 abgegebene Stimmen:

          1. Marco Reus (Borussia Dortmund) 158 Stimmen
          2. Kai Havertz (Bayer Leverkusen) 121
          3. Joshua Kimmich (Bayern München) 35
          4. Leroy Sane (Manchester City) 28
          5. Luka Jovic (Eintracht Frankfurt) 27
          6. Serge Gnabry (Bayern München) 22
          7. Robert Lewandowski (Bayern München) 21
          8. Marc-Andre ter Stegen (FC Barcelona) 17
          9. Jadon Sancho (Borussia Dortmund) 15
          10. Mats Hummels (Bayern München) 8, 11. Claudio Pizarro (Werder Bremen) 7, 12. Manuel Neuer (Bayern München) und Niklas Süle (Bayern München) je 6, 14. Ilkay Gündogan (Manchester City) 5, 15. Mario Götze (Borussia Dortmund), Max Kruse (Werder Bremen) und Joel Matip (FC Liverpool) je 4, 18. Toni Kroos (Real Madrid), Yann Sommer (Borussia Mönchengladbach), Timo Werner (RB Leipzig) und Axel Witsel (Borussia Dortmund) je 3, 22. Maximilian Eggestein (Werder Bremen), Leon Goretzka (Bayern München), Peter Gulacsi (RB Leipzig), Makoto Hasebe (Eintracht Frankfurt), Javi Martinez (Bayern München), Thomas Müller (Bayern München), Arjen Robben (Bayern München), Thiago (Bayern München), Sven Ulreich (Bayern München) je 2, 31. Julian Brandt (Bayer Leverkusen), Danny da Costa (Eintracht Frankfurt), Mike Enderle (Freiburger FC), Alfred Finnbogason (FC Augsburg), Sebastien Haller (Eintracht Frankfurt), Jonas Hector (1. FC Köln), Lewis Holtby (Hamburger SV), Ibrahima Konate (RB Leipzig), Filip Kostic (Eintracht Frankfurt) Tobias Mohe (SpVgg Greuther Fürth), Willi Orban (RB Leipzig), Benjamin Pavard (VfB Stuttgart), Milot Rashica (Werder Bremen), Ante Rebic (Eintracht Frankfurt), Franck Ribery (Bayern München), Sebastian Rode (Borussia Dortmund/Eintracht Frankfurt), Alexander Schwolow (SC Freiburg), Steven Skrzybski (Schalke 04), Kevin Stöger (Fortuna Düsseldorf), Simon Terodde (1. FC Köln), Luca Waldschmidt (SC Freiburg), Jean Zimmer (Fortuna Düsseldorf) je 1

          Fußballerin des Jahres 2019, 477 abgegebene Stimmen:

          1. Dzsenifer Marozsan (Olympique Lyon) 159 Stimmen,
          2. Alexandra Popp (VfL Wolfsburg) 81,
          3. Sara Däbritz (Bayern München) 61,
          4. Giulia Gwinn (SC Freiburg) 40
          4. Almuth Schult (VfL Wolfsburg) 40,
          6. Ewa Pajor (VfL Wolfsburg) 26,
          7. Lena Goeßling 11,
          8. Pernille Harder (VfL Wolfsburg) 9,
          9. Svenja Huth (1. FFC Turbine Potsdam) 8
          9. Lea Schüller (SGS Essen) 8, 11. Lena Oberdorf (SGS Essen) 6, 12. Melanie Leupolz (Bayern München) 5, 13. Lina Magull (Bayern München) 4, 14. Marina Hegering (SGS Essen) und Lisa Schmitz (1. FFC Turbine Potsdam) je 3, 16. Sara Doorsoun (VfL Wolfsburg), Merle Frohms (SC Freiburg), Julia Simic (West Ham United), Carolin Simon (Olympique Lyon) je 2, 20. Klara Bühl (SC Freiburg), Sara Björk Gunnarsdottir (VfL Wolfsburg), Leonie Maier (Bayern München), Anja Mittag (FC Rosengard) und Maximiliane Rall (TSG Hoffenheim) je 1

          Trainer des Jahres 2019, 537 abgegebene Stimmen:

          1. Jürgen Klopp (FC Liverpool) 183 Stimmen
          2. Friedhelm Funkel (Fortuna Düsseldorf) 139,
          3. Adi Hütter (Eintracht Frankfurt) 56,
          4. Niko Kovac (Bayern München) 52,
          5. Christian Streich (SC Freiburg) 26,
          6. Lucien Favre (Borussia Dortmund) 16,
          7. Florian Kohfeldt (Werder Bremen) 13,
          8. Ralf Rangnick (RB Leipzig) 11,
          9. Steffen Baumgart (SC Paderborn 07) 7,
          10. Bruno Labbadia (VfL Wolfsburg) 5, 11. Martina Voss-Tecklenburg (Frauen-Nationalmannschaft) 4, 12. Stefan Kuntz (U21-Nationalmannschaft), Sandro Schwarz (1. FSV Mainz 05) und Daniel Thioune (VfL Osnabrück) je 3, 15. Urs Fischer (Union Berlin), Dieter Hecking (Borussia Mönchengladbach), Horst Hrubesch (Frauen-Nationalmannschaft), Marco Rose (RB Salzburg), Frank Schmidt (1. FC Heidenheim) und Domenico Tedesco (FC Schalke 04 (je 2), 21. Pal Dardai (Hertha BSC), Julian Nagelsmann (TSG Hoffenheim), Marcus Sorg (Co-Trainer Nationalmannschaft) und Tim Walter (Holstein Kiel) je 1

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