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Borussia Dortmund : Reus’ Kopf ist bereit, der Körper auch?

  • -Aktualisiert am

Im Angriffsmodus: Marco Reus will endlich Titel gewinnen. Bild: dpa

Fit durch die Wintervorbereitung: Marco Reus hat seine Zuversicht und seine Fitness zurück gewonnen. In der Rückrunde hat der Mittelfeldstar mit Borussia Dortmund viel vor - und will endlich seinen ersten Titel gewinnen.

          Marco Reus gehört zu den Gewinnern dieser Winterpause. Der Mittelfeldstar von Borussia Dortmund hat zwei Dinge zurück gewonnen, auf die es besonders ankommt, wenn ein Spieler auf dem Fußballplatz durchstarten will: sein Lächeln (also seine Zuversicht) und seine Fitness. In der aktuellen Herbst/Winter-Saison hatten Verletzungen Reus‘ Geduld und seine Leidensfähigkeit abermals auf die Probe gestellt. Doch während des Trainingslagers in Dubai vermochte der Nationalspieler das volle Arbeitspensum beschwerdefrei zu absolvieren.

          Zuvor hatte er mit einem Physiotherapeuten intensiv daran gearbeitet, die Folgen seiner jüngsten Verletzungen, erst an der Leiste und dann am Zeh, zu überwinden. Vor Reus liegt eine Rückrunde, in der er manches nachholen will, was ihm in den vergangenen Jahren versagt blieb.

          „Jeder will Trophäen gewinnen“

          Trotz aller Begabung hat Reus als Profi noch nie einen Titel gewonnen. Als er von Mönchengladbach nach Dortmund wechselte, hatte der BVB gerade zwei Meisterschaften hinter sich, musste den Bayern danach aber wieder die Vorherrschaft überlassen, auf unbestimmte Zeit, wie es scheint. Als Nationalspieler erlitt Reus im letzten Testspiel vor der WM in Brasilien eine Verletzung, die ihn lange außer Gefecht setzte und die Teilhabe am WM-Titel kostete. „Jeder will gut spielen, Trophäen gewinnen und Bestandteil des Teams sein, das gilt auch für mich“, sagt er.

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          Umso bedeutsamer ist die an diesem Wochenende beginnende Rückrunde mit all den Chancen, die sich auftun könnten. In drei Wettbewerben kann Reus die Sehnsucht nach einem Titel wirksam bekämpfen. Während Dortmund in der Meisterschaft als Zweiter hinter Bayern München Außenseiter ist und bleibt, dürfen die Borussen sich im DFB-Pokal und in der Europa League zu den Favoriten zählen; bei der Europameisterschaft in Frankreich könnte Reus zudem auch international den großen Durchbruch schaffen.

          Solche Aussichten helfen ihm über manches Tief hinweg, das er schon durchschreiten musste. Im Umgang mit Rückschlägen sei er „gelassener geworden“, sagt Reus. Er habe gelernt, negative Eindrücke mittelfristig in positive Energie umzuwandeln. Grundsätzlich sei Druck seiner Leistung sogar förderlich, sagt Reus. „Ob die Erwartungen der Fans, des Vereins oder die Kritik der Presse – das macht mir nichts aus. Ich setze mich ja selbst auch unter Druck. Das macht mich besser, spornt mich an. Ich bin im Vergleich zu meiner Anfangsphase wesentlich gelassener geworden“, sagte er der „Welt am Sonntag“.

          Reus ist bereit für den Zenit seiner Schaffenskraft

          Mit sechsundzwanzig Jahren hat Reus die Phase erreicht, in der Fußballprofis für gewöhnlich den Zenit ihrer Schaffenskraft erreichen. Sein Kopf scheint bereit, in dieses Stadium einzutreten, jetzt muss nur der Körper noch mitspielen. Sein Trainer sieht ihn gut gerüstet. Schon vor der jüngsten Zwangspause bezeichnete Thomas Tuchel ihn als „ernsthaft und aufmerksam“, dazu sei er „sehr fleißig und diszipliniert“. Aktuell empfiehlt der Fußball-Lehrer dem Ausnahmespieler, „sich keine Gedanken darüber zu machen, was bis zum Sommer passieren kann“. In dieser Hinsicht sieht Tuchel Fortschritte. Reus nehme sich die „Freiheit, im Hier und Jetzt zu leben“.

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          Um das „Hier und Jetzt“ zukunftsfähig zu machen, hält Reus die eine oder andere Verstärkung für wünschenswert. „Wenn du oben sein willst, musst du in die Mannschaft investieren“, sagt er. Auch Tuchel soll darauf hinwirken, noch in dieser Transferperiode Qualität dazuzukaufen. Offenbar hat er ein Auge auf Yunus Malli von Mainz 05 geworfen. Als Trainer der Rheinhessen hatte Tuchel den vielseitigen Offensivspieler zwar mit einer gewissen Strenge behandelt, dessen Begabung aber nicht in Zweifel gezogen. Wie es heißt kann Malli Mainz am Saisonende für eine Ablöse in Höhe von 9,5 Millionen Euro verlassen. Bei einem Wechsel, den „Bild“ kurz vor dem Abschluss sieht, sollen es drei Millionen Euro mehr sein.

          Warum sollte Dortmund einen solchen Aufschlag zahlen? Das Management hielt sich zuletzt eher bedeckt. Qualitativ scheint der Bedarf überschaubar zu sein. Reus und Mchitarjan sind im offensiven Mittelfeld gesetzt. Shinji Kagawa und Gonzalo Castro stehen für die offene Stelle bereit; der Abgang von Jonas Hofmann nach Mönchengladbach (für veritable acht Millionen Euro) sollte also zu verkraften sein. Andererseits könnte der BVB nach bereits bestrittenen 29 Pflichtspielen in der Rückrunde auf nochmals 29 Partien in drei Wettbewerben kommen. Insofern leuchtet es durchaus ein, wenn Reus und Tuchel einen Zugang mit Perspektive begrüßen.

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