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Reus entschuldigt sich : Die Fehler der Anführer beim BVB

  • -Aktualisiert am

Niedergeschlagen: Dortmund-Profi Marco Reus Bild: Reuters

Nach dem Rückschlag gegen Mainz nimmt Borussia Dortmunds Kapitän Marco Reus die Schuld auf sich. Es sind gerade die Führungsspieler die in grauen Alltagsduellen schwächeln. Der BVB hat ein Problem.

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          Im Umgang mit Verantwortung hat sich Marco Reus zu einem sehr vorbildlichen Fußballprofi entwickelt während der vergangenen zwei, drei Jahre. Der Kapitän von Borussia Dortmund arbeitet mit großer Ernsthaftigkeit, und er tritt trotz seines eher zurückhaltenden Naturells immer öfter als Mann der klaren Worte in Erscheinung. Gerade einmal zehn Minuten waren nach dem bitteren 1:1 des BVB gegen Mainz 05 verstrichen, als die Kommunikationsabteilung des Vereins eine Audioaufzeichnung von einem Gespräch mit Reus verbreitete.

          Bundesliga

          Der Angreifer analysierte den abermaligen Rückschlag und räumte mit bemerkenswert offenen die eigene Mitschuld an diesem Rückschlag ein. „Ich muss mich eigentlich bei der Mannschaft entschuldigen“, erklärte der Kapitän. Beim Stand von 0:0 hatte Reus die größte Chance der ersten Halbzeit vergeben, er hatte durch einen fahrigen Fehlpass den Angriff eingeleitet, der zum 0:1 führte, und er hatte beim Stand von 1:1 einen Elfmeter verschossen.

          „Ja, ich hätte schon das Spiel entscheiden oder in die richtige Richtung drehen können. Ich habe das heute nicht geschafft“, erklärte er selbstkritisch. Damit war der Schwerpunkt der Nachbetrachtungen gesetzt: Sie sind auf die Effizienz ihrer Topspieler angewiesen. Solche Partien gegen tief stehende und entschlossen kämpfende Mannschaften sind immer wieder schwierig für die Dortmunder, wenn sie ihre Chancen nicht konsequent nutzen.

          Der von einer großen Titelsehnsucht getriebene BVB hat in der laufenden Saison bereits Punkte gegen Augsburg, Union Berlin, Köln, Stuttgart und nun Mainz verloren, dabei sind gerade einmal 16 Spiele absolviert. Wir hatten so viele Möglichkeiten unter die ersten drei oder vier in der Tabelle zu kommen, doch immer fehlt irgendetwas“, schimpfte Thomas Meunier, der zum zwischenzeitlichen 1:1 für den BVB getroffen hatte (73. Minute). Dieser Nachmittag rückte nun ein Problem in den Vordergrund, das in vielen Analysen des bisherigen Saisonverlaufs nur selten im Mittelpunkt stand: Es sind sehr oft Fehler der erfahrenen Anführer, die zur Vergeudung wichtiger Punkte führen.

          Nicht alleine Reus’ Beteiligung an den Schlüsselszenen dieses Tages machte das deutlich sichtbar, auch Abwehrchef Mats Hummels trug zu dieser Niederlage bei. Vor Levin Öztunalis 0:1 (57.) verließ er sehr überstürzt seine Position in der Abwehrreihe, um einem Zweikampf tief in der Mainzer Hälfte zu führen, kam aber zu spät, rannte dann dem Konter hinterher und ließ sich unmittelbar vor dem Tor mit einem einfachen Haken des Mainzer Torschützen ausspielen. Vor einem Pfostentreffer von Danny Latza in der Schlussphase hatte Hummels sich ein zweites Mal in einem Zweikampf verschätzt. „Wir hatten Panik bei deren Kontern“, sagte Meunier und meinte wohl auch diese beiden Momente.

          Der BVB bleibt abhängig von Haaland

          Den Siegtreffer von Union Berlin im Dezember hatte Emre Can durch eine Unaufmerksamkeit bei einer gegnerischen Ecke verursacht, beim 1:5 gegen den VfB Stuttgart verursachte der Nationalspieler den Elfmeter zum 0:1. An weiteren Treffern in diesen missglückten Partien war der ebenfalls sehr erfahrene Raphael Guerreiro beteiligt.

          Dieses Problem der Anführer, die in Momenten des Widerstands nachgeben und Fehler machen, statt für Lösungen zu sorgen, bleibt auch nach dem Trainerwechsel evident. Und rhetorisch klang Edin Terzic, der im Dezember nach der Entlassung von Lucien Favre zum Chefcoach befördert worden war, ebenfalls ähnlich wie sein Vorgänger. „Ungeduldig“ und „hektisch“ fand Terzic viele Aktionen seines Teams. Favre hatte immer „Geduld“ gefordert, wenn Kritiker einen Mangel an Zielstrebigkeit und Durchsetzungskraft diagnostiziert hatten.

          In diesen grauen Alltagsduellen mit Gegnern, die sich vor dem eigenen Tor verbarrikadieren und auf Konter lauern, bleibt der BVB abhängig von Erling Haaland, und der hatte eben mal einen weniger guten Tag. Das vielleicht noch größere Problem sind aber Fehler in den kleinen Momenten. Beim Gegentor, bei den vergebenen Chancen, und auch der Trainer traf an diesem Nachmittag eine streitbare Entscheidung. Jude Bellingham war der präsenteste und gefährlichste Dortmunder Spieler, wurde aber nach dem 0:1 für Youssoufa Moukoko vom Feld genommen.

          „Es war schwer, Erling Haaland ins Spiel zu bringen gegen drei Innenverteidiger, wir wollten noch einen weiteren Spieler haben, der im Strafraum und um den Strafraum herum Gefahr ausstrahlen kann“, sagte Terzic. Vielleicht hätte er besser Reus oder den wieder einmal blassen Julian Brandt ausgewechselt. So bekamen sie nicht einmal eine ordentliche Schlussoffensive hin, Mainz hatten am Ende sogar die besseren Chancen auf den Sieg. Die Annahme, dass die Qualität des Dortmunder Kaders ausreicht, um in einem schwächeren Jahr des FC Bayern Meister zu werden, steht kurz vor dem Ende der ersten Saisonhälfte so sehr in Frage wie schon lange nicht.

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