https://www.faz.net/-gtm-7xofr

Marco Reus : Falsch abgebogen

  • Aktualisiert am

In Zukunft wird Marco Reus den Fahrdienst noch öfter in Anspruch nehmen müssen Bild: dpa

540.000 Euro Strafe muss Nationalspieler Reus zahlen, weil er Auto fuhr, ohne je eine Führerschein-Prüfung absolviert zu haben. Zudem soll er einen gefälschten niederländischen Führerschein gezeigt haben.

          2 Min.

          Fußball-Nationalspieler Marco Reus soll bei einer Verkehrskontrolle nach einem Bericht des WDR einen gefälschten niederländischen Führerschein vorgezeigt haben. Das geht aus dem entsprechenden Strafbefehl hervor, der dem Rundfunksender vorliegt, hieß es in einer Mitteilung des WDR am Donnerstag. „Die Verurteilung ist abgeschlossen, deshalb kann ich dazu nichts sagen“, erklärte die Dortmunder Oberstaatsanwältin Barbara Vogelsang auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

          Der Profi von Borussia Dortmund hatte wegen Fahrens ohne Führerschein einen Strafbefehl von 540.000 Euro erhalten. Der Strafbefehl über 90 Tagessätze sei seit Mittwoch rechtskräftig, bestätigte die Staatsanwaltschaft Informationen der „Bild“-Zeitung. Der 25-jährige Reus hat den Strafbefehl nach Angaben der Anklagebehörde akzeptiert. Demnächst bekomme er die Rechnung.

          Mehrfach sei Reus bei Geschwindigkeitskontrollen aufgefallen. Teils liegen Fotos vor. Dabei sei ermittelt worden, dass er ohne Fahrerlaubnis unterwegs gewesen sei, sagte Vogelsang. „Gegenstand des Strafbefehls sind sechs Fahrten ohne Fahrerlaubnis und zwar in einem Zeitraum von September 2011 bis März 2014.“

          Laut WDR soll in dem Strafbefehl, der dem Sender nach eigenen Angaben vorliegt, stehen: „Im Jahr 2009 verschafften Sie sich über eine unbekannt gebliebene Kontaktperson einen niederländischen Führerschein, bei dem Ihnen bekannt war, dass Sie durch diesen keine Berechtigung erhalten, in Deutschland Kraftfahrzeuge zu führen. Bei diesem handelt es sich um eine Fälschung. (.).“

          Nie die Führerschein-Prüfung absolviert

          Reus war fünfmal wegen Tempoverstößen geblitzt worden, aber erst bei der Verkehrskontrolle in Dortmund wurde festgestellt, dass er keinen Führerschein besitzt. „Das war eine Dummheit“, sagte der Mittelfeldspieler der „Bild“-Zeitung (Donnerstag). Reus hat dem Bericht zufolge nie die Führerschein-Prüfung absolviert. „Ich habe mich damals leider entschieden, diesen Weg zu gehen. Die Gründe kann ich heute selbst nicht mehr nachvollziehen“, erklärte der 25-Jährige. „Ich habe meine Lehren daraus gezogen. So etwas passiert mir nie wieder“, beteuerte Reus.

          Für den BVB-Star ist die Strafe ein weiterer Tiefpunkt im Jahr 2014, in dem er seinem Klub mehrfach länger verletzt fehlte und zudem die Fußball-WM in Brasilien verpasste. Das Bußgeld für Deutschlands Fußballer des Jahres 2012 berechnet sich anhand seines Einkommens. Bei den 90 Tagessätzen geht die Staatsanwaltschaft von einem Netto-Monatseinkommen von 180.000 Euro aus. „Heute weiß ich: Ich war in dieser Situation viel zu naiv“, sagte Reus. Er will sich angeblich nun bei einer Fahrschule anmelden und möglichst bald seine Führerschein-Prüfung nachholen.

          BVB-Trainer Jürgen Klopp reagierte „überrascht“ auf das Fehlverhalten von Reus, stellte sich aber schützend vor ihn. „Er ist irgendwann in seinem Leben, um im Thema zu bleiben, falsch abgebogen als ganz junger Kerl“, sagte der Dortmunder Trainer. Er habe am Morgen mit Reus gesprochen und sei „auch überrascht gewesen“, sagte Klopp. „Er ist maximal einsichtig“, berichtete Klopp und sprach von einer „dummen Geschichte, bei der es keinen richtigen Ausweg gibt, bis man erwischt wird. Das ist er, das ist auch gut so, dafür kriegt er eine außergewöhnlich hohe Strafe, das ist dann auch in Ordnung.“

          „Das war eine Dummheit“: Marco Reus fuhr mehrfach ohne Führerschein
          „Das war eine Dummheit“: Marco Reus fuhr mehrfach ohne Führerschein : Bild: dpa

          „Ich kenne Marco jetzt seit mehreren Jahren. Er ist mir nicht auffällig geworden als jemand, der häufiger am Rande der Legalität irgendwas macht“, sagte Klopp. „Er ist ein ganz, ganz toller Kerl, der da einen Fehler gemacht hat, den er selber nicht mehr ausbügeln konnte.“ Hätte der BVB davon gewusst, hätte der Verein ihn natürlich beraten, betonte Klopp. „Das konnten wir nicht, weil wir es nicht wussten. Jetzt ziehen wir einen Strich drunter und es geht normal weiter“, sagte der Dortmunder Coach.

          Kein Kavaliersdelikt - ohne Führerschein am Steuer

          Wer ohne einen gültigen Führerschein zu besitzen Auto fährt, begeht in Deutschland eine Straftat. Für „Fahren ohne Fahrerlaubnis“ sieht das Straßenverkehrsgesetz eine Geldstrafe oder bis zu ein Jahr Haft vor. Zusätzlich kann das Auto des Täters eingezogen werden. 2013 wurden rund 111.000 Fälle von Fahren ohne Führerschein aktenkundig - bei insgesamt fast 4,5 Millionen Einträgen von Verkehrsverstößen im Flensburger Zentralregister. Laut Kraftfahrtbundesamt war das gegenüber 2012 mit 94.000 Fällen eine Zunahme um 18 Prozent. Am stärksten war dabei das Plus mit 44 Prozent in Bayern und mit 39 Prozent in Baden-Württemberg.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Laschet bei seiner Rede zum virtuellen politischen Aschermittwoch der CSU im Februar

          Armin Laschet : Kanzlerkandidat mit Imageproblem

          CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet kämpft um seine Wirkung in der Öffentlichkeit. Die besondere Herausforderung dabei: sein unterlegener Konkurrent Markus Söder.
          Talkrunde bei Anne Will

          TV-Kritik: Anne Will : Freiheit ist kein Privileg

          Kaum sinken die Inzidenz-Zahlen, werden die Bürger ermahnt, nicht leichtsinnig zu werden. Muss das wirklich sein? Die Talkrunde bei Anne Will lotet das Verhältnis zwischen Vernunft und Bevormundung aus – zumindest hatte sie das eigentlich vor.
          Udo Lindenberg während seiner Tournee 2019 in Hamburg

          Panikrocker wird 75 : „Udo Lindenberg ist wie eine Kunstfigur“

          Wer ist der Mann, der die Bühnen seit Jahrzehnten prägt und die deutsche Sprache in der Popmusik salonfähig gemacht hat? Udo Lindenberg im Gespräch über Alkoholabstürze, einsame Corona-Stunden im Hotel Atlantic und die Aktion #allesdichtmachen.
          Coronavirus-Test in Niedersachsen

          Corona in Deutschland : RKI registriert 5412 Neuinfektionen

          Das Infektionsgeschehen in Deutschland flaut weiter ab. Wegen des Feiertags vergangene Woche müssen die Werte aber mit Vorsicht interpretiert werden. In einigen Bundesländern endet die Priorisierung beim Impfen in Arztpraxen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.