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Marco Pezzaiuoli : Inspiriert von Löw

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Der neue Hoffenheimer Trainer Marco Pezzaiuoli führte 2009 die deutsche U17-Nationalmannschaft zum EM-Titel. Seit langem ist er mit Nationaltrainer Joachim Löw befreundet. Der „Berufsanfänger“ liegt schon auf Linie von Dietmar Hopp.

          Marco Pezzaiuoli konnte wenig dazu beitragen, das Hoffenheimer Chaos rund um die Trennung von Ralf Rangnick etwas zu entwirren. Wann man dessen Vertrag wirklich aufgelöst hat, noch im alten Jahr (wie Gesellschafter Dietmar Hopp behauptet) oder doch erst am 1. Januar 2011 (wie Rangnick meint), bleibt verborgen – und beide Seiten geben dabei keine gute Figur ab. Der 42 Jahre alte Pezzaiuoli ahnte jedenfalls, dass es bald Veränderungen geben würde, als ihm (im alten Jahr) am Telefon der Marschbefehl für den Neujahrstag übermittelt wurde.

          Er solle sich in Zuzenhausen einfinden, hieß es. Mehr wollte der vom Assistenten zum Chef beförderte Pezzaiuoli dazu aber nicht sagen. Als 1899 Hoffenheim den Mann vorstellte, der in die Fußstapfen von Rangnick passen soll, stand nicht einmal fest, wie lange sein Vertrag laufen würde. Als Assistent besitzt er einen bis 2014 laufenden Kontrakt. „Wir werden uns im Trainingslager darüber unterhalten, wie wir das in Zukunft machen“, sagte er, und neben ihm sah man Manager Ernst Tanner zustimmend nicken.

          Gelegenheit, nachzudenken, ergab sich erst im Flugzeug. Bald nach seiner Vorstellung saß der in Mannheim geborene Sohn einer Niederländerin und eines Italieners auf dem Sitz, der dem Hoffenheimer Cheftrainer vorbehalten ist und machte sich mit seiner neuen Mannschaft auf ins Trainingslager in den spanischen Ort La Manga. „Wir haben alle das vollste Vertrauen in seine Fähigkeiten“, sagte Manager Tanner. Und er betonte: „Wir wollen wieder den Fußball spielen, der Hoffenheim bekannt gemacht hat.“ Das muss nun also der „Berufsanfänger“ Pezzaiuoli bewerkstelligen. Und er muss eine große Lücke füllen: Immerhin war Rangnick viereinhalb Jahre im Amt, der Weg führte von der Regionalliga in die Bundesliga.

          Marco Pezzaiuoli (rechts) mit dem Manager der TSG Hoffenheim, Ernst Tanner

          Einer der besten Talentförderer Deutschlands

          Der neue Coach, der die deutsche U17-Nationalmannschaft 2009 zum EM-Titel geführt hatte, der von Rangnick im Jahr 2010 vom Deutschen Fußball-Bund nach Hoffenheim gelockt worden war, gilt als einer der besten Talentförderer in Deutschland. Davon ist auch Manager Tanner überzeugt. „Wir wollen längerfristig mit ihm arbeiten und wieder mehr auf junge Talente setzen.“ Wie Pezzaiuoli mit dem nun weitaus höheren Druck und der großen Bühne zurechtkommt, wird sich weisen.

          Mit Rangnick, sagte er, habe er schon telefoniert. Der habe ihn darin bestärkt, die Herausforderung anzugehen. Ähnliches wird für Bundestrainer Joachim Löw gelten, der den als ehrgeizig beschriebenen Pezzaiuoli seit langem kennt. „Wir sind befreundet“, sagte der neue Hoffenheimer Trainer. Und er fügte hinzu: „Ich bin begeistert von seiner Art Fußball.“ Als Löw 1999/2000 Trainer in Karlsruhe war, arbeitete Pezzaiuoli dort als Jugendkoordinator. In ähnlicher Funktion wirkte er bisher auch bei 1899 Hoffenheim.

          Als Pezzaiuoli jetzt mit seinem neuen Team die erste Reise antrat, war bei 1899 Hoffenheim nicht unbedingt Aufbruchstimmung zu spüren – eher gespannte Erwartung, wie die Mannschaft ohne den für rund 15 Millionen Euro zu Bayern München transferierten Luiz Gustavo und mit dem neuen Trainer auskommen wird. „Wir müssen die Ansprüche normalisieren und enger zusammenrücken“, sagte Pezzaiuoli und befand sich ganz auf Linie des mächtigen Gesellschafters Dietmar Hopp, der die TSG 1899 Hoffenheim als kleinen Verein beschrieb. Jetzt hat der Klub aus dem Kraichgau auch einen Trainer, der noch wachsen muss.

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