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Marcell Jansen im Gespräch : „Das Dino-Image erdrückt manche“

Marcell Jansen spielte einst für den HSV und kennt den Verein. Bild: Picture-Alliance

Dem Hamburger SV droht mal wieder der Abstieg. Der frühere Spieler Marcell Jansen spricht im Interview über den Druck beim HSV, das Rundum-sorglos-Paket und seine Sorgen.

          2 Min.

          Marcell Jansen spielte 152 Mal für den HSV und lief 45 Mal für die Nationalelf auf. Im Sommer 2015 beendete er seine Karriere. Danach gründete er unter anderem ein Lifestyle-Sanitätshaus. Vor dem Spiel des Hamburger SV gegen den punktgleichen Abstiegskandidaten Mainz 05 an diesem Sonntag (15.30 Uhr / Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) spricht er über seinen früheren Klub.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Leiden Sie noch mit dem HSV?

          Ja, sehr! Mein Herz hängt an diesem Verein, ich habe sieben Jahre für den HSV gespielt, da geht es nicht spurlos an mir vorbei, was passiert. Ich gehöre zur HSV-Familie – in guten und schlechten Zeiten.

          Seit Jahren befindet sich der Klub in einer Krise – was läuft falsch?

          Es ist doch klar, dass du dich als Verein und auch als Mannschaft nicht weiterentwickelst, wenn du jedes halbe Jahr einen neuen Trainer und einen neuen Sportdirektor hast. Außerdem verändert sich der Kader permanent. Aber als Mannschaft brauchst du ein Gesicht, du brauchst fünf, sechs Spieler, die vorweg gehen. Spieler, die für eine Vision stehen. Das sehe ich nicht – und da ist es doch klar, dass sich auch junge Spieler in diesem Umfeld nicht so richtig entwickeln können. Das Problem haben auch die Verantwortlichen erkannt. Aber um es zu verändern, muss der Verein in der Liga bleiben.

          Haben Sie als Spieler vom HSV mehr Druck gespürt als in Mönchengladbach oder München?

          Für mich hat das keinen Unterschied gemacht. Einschließlich 2014 war ich Nationalspieler, obwohl es im Klub nicht mehr lief. Davon habe ich mich nicht beeindrucken lassen. Aber natürlich ist es für andere eine Belastung, mit der Raute auf dem Trikot aufzulaufen. Der Verein ist noch nie abgestiegen, dieses Dino-Image pusht einen, wenn es läuft. Aber es erdrückt manche auch, wenn es nicht läuft. Niemand will der erste Spieler sein, der mit dem HSV absteigt, der erste Trainer, der erste Manager.

          Manche behaupten, den Profis gehe es zu gut, weil der HSV ihnen ein Rundum-sorglos-Paket schnüre mit hohen Gehältern, tollen Wohnungen und schönen Autos.

          Ich sehe das nicht als Problem der Spieler an. Es waren hochbezahlte Manager dafür zuständig, diese Verträge auszuhandeln und abzuschließen. Klar ist aber auch, dass das in der normalen Unternehmenswelt nicht funktionieren würde. Aber es gab auch Trainer mit tollen Verträgen, die nach sechs Monaten entlassen wurden und zwei Jahre ihr Geld bekamen. Und die Spieler mussten den Mist ausbaden. Von uns hat keiner davon profitiert, beim HSV gutes Geld verdient zu haben. Viele haben danach doch nirgendwo mehr einen Fuß auf den Boden bekommen. Jeder hat seine Quittung bekommen.

          Steigt der HSV ab?

          Die Situation ist gefährlich, nach den Niederlagen gegen Darmstadt und Augsburg sind viele sehr verunsichert. Aber das Heimspiel gegen Mainz ist eine Riesenchance. Die haben sogar gegen Mönchengladbach verloren, nachdem diese gegen Frankfurt im DFB-Pokalhalbfinale ausgeschieden sind und danach richtig angeknockt waren. Das spricht nicht für Mainz. Wenn der HSV das Spiel gewinnt, dann sieht das schon wieder ganz anders aus.

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