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Darmstadt-Torhüter Schuhen : Einpeitscher und Aufrüttler

  • -Aktualisiert am

Darmstadt-Goalie Marcel Schuhen mit energischem Blick (Bild vom Februar 2020 im Spiel gegen den VfL Osnabrück) Bild: dpa

SV-98-Torhüter Marcel Schuhen ist ein Anhänger kerniger Zweitliga-Grundtugenden und ein Mann klarer Worte. Er steht damit prototypisch für die alte, neue Identität des SV Darmstadt.

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          In fast jeder Fußballsaison gibt es Partien, die sich rückblickend als Kipppunkte entpuppen, als Ereignisse, welche die Dinge zum Besseren oder Schlechteren wendeten. In der für die „Lilien“ wechselhaften vergangenen Zweitligasaison war dies das Match beim SC Paderborn Anfang März. Es stand nicht gut um den SV Darmstadt 98, die Abstiegszone war nahe, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten brüchig. Nicht nur, dass das abendliche Spiel intern besonders emotional vorbereitet wurde. Es war auch der Spieltag, an dem Cheftrainer Markus Anfang erstmals von seiner propagierten, auf Spielstärke und Ballbesitz setzenden Philosophie ein Stück abrückte. Es durfte wieder etwas mehr Malocher-Fußball gespielt werden; es durften lange Bälle geschlagen werden, anstatt einen Mitspieler mit dem nächsten Flachpass in Bedrängnis zu bringen.

          An diesem Abend in Paderborn begannen die SVD-Profis, sich vor Anpfiff auf dem Rasen noch mal im Kreis zu versammeln. Torhüter Marcel Schuhen gab damals den finalen Einpeitscher und Aufrüttler – und tut es bis heute. Damals siegten die „Lilien“ 3:2 in Paderborn und ließen eine beeindruckende Rückrundenserie folgen. Der ostwestfälische Abend hat, so Schuhen, „intern und extern extrem viel bewegt“. Diesen Geist habe man auch „hinübertransportiert in die neue Saison“. Seitdem haben die Darmstädter in der Liga nur drei von 16 Partien verloren – darunter die diesjährigen beiden Saisonauftaktspiele, welche die Südhessen coronabedingt nur mit einem Rumpfkader bestreiten konnten.

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          Klare Kante statt Fußballfloskeln

          Bei Schuhen kann man davon ausgehen, dass er öffentlich gar nicht groß anders redet als im Kollegenkreis. Der 28-Jährige gehört zu jener rarer werdenden Sorte Profis, die klare Kante gegenüber immer gleichen Floskeln bevorzugen. Zu jenem Abend in Paderborn sagt er rückblickend: „Dieses Spiel war Darmstadt-like, da waren wir wieder ein bisschen eklig und dreckig. Wenn man als Verein so ein Leitbild und so eine Identität hat, sollte man diese nicht mit Füßen treten, sondern stolz darauf sein. Das war eine Zeit lang anders.“ So klingt es bei Schuhen, wenn er sein Wohlgefallen darüber ausdrückt, dass unter Anfangs Nachfolger Torsten Lieberknecht wieder kernige Zweitliga-Grundtugenden wertgeschätzt werden.

          Sehr deutlich brachte der gebürtige Siegerländer auch zum Ausdruck, dass nach dem deprimierenden Saisonstart mit zwei Zu-null-Niederlagen und dem Pokal-Aus beim Drittliga-Klub 1860 München schnell wieder Besserung eintreten werde. „Du wirst sehen: Wir werden so viel Energie aus der Scheiße ziehen“, sagte Schuhen. Als einer jener ungeimpften Spieler im Kader musste er sich nach dem Corona-Ausbruch im Team in Quarantäne begeben. Schuhen sollte recht behalten.

          Elfmeter gehalten: Schuhen ist der Sieger vom Punkt gegen Hannovers Florent Muslija.
          Elfmeter gehalten: Schuhen ist der Sieger vom Punkt gegen Hannovers Florent Muslija. : Bild: dpa

          Die Darmstädter sind während der Länderspielpause wieder obenauf. Mit ihm als zwischen die Pfosten zurückgekehrter Nummer eins folgten zwei bockstarke Heimspiele gegen Ingolstadt (6:1) und Hannover (4:0), dazwischen lag ein gutes Auswärtsspiel beim Hamburger SV (2:2). „Wir sind das perfekte Beispiel, was man durch mannschaftliche Geschlossenheit erreichen kann“, so der Keeper.

          „Dafür stehe ich ja da hinten in der Kiste“

          Die „Lilien“ haben sich herausgekämpft aus misslicher Lage. Und Schuhen hatte als verlässlicher Rückhalt seinen Anteil daran. Besonders auszeichnen konnte er sich mit einem gehaltenen Elfmeter gegen Hannover beim Stand von 2:0. Gratulanten und Schulterklopfer wehrt er nach guten Leistungen gerne ab mit den Worten: „Dafür stehe ich ja da hinten in der Kiste.“

          Schuhen hat in seinen etwas mehr als zwei Darmstädter Jahren überwiegend tadelloses Fußballhandwerk abgeliefert, der „Lilien“-Anhang hält nicht den Atem an, wenn der Ball in seiner Nähe ist. Schuhen hat aber auch dunkle Stunden erlebt, seitdem er aus Sandhausen ans Böllenfalltor kam. Gleich im ersten Einsatz brach er sich den Arm, und nach seiner Rückkehr leistete er sich in kurzer Serie Patzer, die Punkte kosteten und an seinem Standing kratzten.

          In Darmstadt sind sie verwöhnt, was ihre Torhüter betrifft. Seine Vorgänger Zimmermann, Mathenia, Esser und Heuer Fernandes zeigten starke Leistungen und setzen ihre Karriere anschließend an gehobeneren Fußballadressen fort. Schuhen, der unlängst erstmals Vater geworden ist und parallel BWL studiert, ist auf gutem Wege, die Darmstädter Torwarttradition fortzusetzen.

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