https://www.faz.net/-gtm-vuig

Manipulationsverdacht : Europas Fußball droht wieder ein Wettskandal

  • Aktualisiert am

Wer sind die Falschspieler? Bild: REUTERS

Die Europäische Fußball-Union (Uefa) soll der europäischen Polizeibehörde Interpol eine Liste mit 26 vermeintlich manipulierten Partien zur Untersuchung übergeben haben. Betroffen sind vor allem Qualifikationsspiele für europäische Vereinswettbewerbe.

          2 Min.

          Ein halbes Jahr vor der EM wird der europäische Fußball von einem möglichen Manipulationsskandal erschüttert: Bei 15 Spielen verschiedener Europapokalwettbewerbe besteht der akute Verdacht der illegalen Einflussnahme. In einem Fall - einer Partie der zweiten Runde im UI-Cup - sind die Indizien so eindeutig, dass die Europäische Fußball-Union Uefa sogar schon ihre Disziplinarkommission eingeschaltet hat, die nun Sanktionen gegen die namentlich bislang nicht genannten Vereine verhängen kann.

          Die Uefa will mit Hilfe von Europol den angeblich aus Asien stammenden Wettbetrügern so schnell wie möglich das Handwerk legen. „Wir sind über ungewöhnliche Wettaktivitäten in den Vorausscheidungs-Runden von Uefa-Wettbewerben informiert worden“, teilte die Uefa auf ihrer Internetseite mit.

          „Man darf mit diesen Dingen nicht leichtfertig umgehen“

          Auch Uefa-Präsident Michel Platini bestätigte Ermittlungen in 15 Fällen. „Wir haben dieses Problem mit der EU auf der Konferenz über Gewalt im Sport am 28. und 29. November in Brüssel diskutiert. Wir werden im kommenden Jahr mit der EU eine Konferenz über Korruption und Geldwäsche im Sport organisieren“, ließ sich der Franzose am Rande der EM-Auslosung am Sonntag in Luzern zitieren. Entschieden will Platini „für die Werte des Fußballs kämpfen“ - dies aber offenbar in erster Linie hinter den Kulissen und mit Unterstützung höchster politischer Kreise.

          „Man darf mit diesen Dingen nicht leichtfertig umgehen. Der Fußball muss sauber bleiben“, forderte DFB-Präsident Theo Zwanziger. Bundestrainer Joachim Löw gab zu: „Wenn was aufgedeckt wird, würde das ein ganz schlechtes Licht auf den Fußball werfen.“ Im Gegensatz zum Deutschen Fußball-Bund (DFB), der angeführt von Zwanziger beim Wettskandal um den ehemaligen Schiedsrichter Robert Hoyzer eine offensive Aufklärungsstrategie anwendete, tat sich die Uefa mit klaren Aussagen am Wochenende schwer.

          „Ein kompliziertes Verfahren und ein sensibles Thema“

          Erst ein Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, laut dem Europol sogar eine Liste mit insgesamt 26 auffälligen Partien vorliegen soll, hatte die europaweiten Untersuchungen publik gemacht und die Uefa am Samstag zu Statements gezwungen. „Es ist ein kompliziertes Verfahren und ein sensibles Thema“, hieß es aus Uefa-Kreisen. Nach den Wettskandalen in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA und den massiven Manipulationsvorwürfen im Tennis hat das Wettproblem nun auch Europas Fußball erreicht.

          Die feierliche Auslosung der Vorrundengruppen für die EM 2008 in Österreich und der Schweiz wurde von den Verdachtsmomenten getrübt und Platinis am Freitag verkündete Europapokalreform sogar in den Hintergrund gedrängt. Ausgerechnet in den von dem Franzosen protegierten kleinen Fußball-Ländern, die von der Saison 2009/10 an leichteren Zugang zu Champions League und Uefa-Pokal bekommen, haben sich offenbar die Wettbetrüger munter betätigt und Millionengewinne eingestrichen. „Süd- und Osteuropa sind die problematischen Regionen“, bestätigten Uefa-Kreise inoffiziell in Luzern.

          Bei der Uefa hofft man vor allem auf Europol

          Eine Partie der EM-Qualifikation soll entgegen erster Vermutungen nicht zu den manipulierten Spielen gehören. Laut „Spiegel“ kam es unter anderem bei Partien von Clubs aus Estland, Finnland, Serbien, Albanien, Litauen, Bulgarien und Mazedonien zu Unregelmäßigkeiten. Die Uefa war durch ihren seit gut einem Jahr engagierten Kooperationspartner für die Überwachung von Fußball-Wetten („Betfair“) auf verdächtige Wetteinsätze aufmerksam gemacht worden. So lange die Ermittlungen liefen, wolle man aber keine weiteren Statements abgeben, verkündete der Verband.

          Bei der Uefa hoffe man, dass Europol das Thema Wettmanipulation im Profisport in die sogenannte OCTA aufnimmt - eine Bedrohungs- und Gefährdungsanalyse zur Organisierten Kriminalität, berichtet der „Spiegel“. Diese wird jährlich erstellt und legt langfristig Prioritäten bei der internationalen Verbrechensbekämpfung fest. Bereits Anfang Oktober hatten Uefa-Vertreter beim Wiesbadener Bundeskriminalamt in der Abteilung Organisierte Kriminalität vorgesprochen. Es ging um einen engeren Austausch mit den Ermittlern.

          Weitere Themen

          Einspruch von Abraham abgelehnt

          Eintracht Frankfurt : Einspruch von Abraham abgelehnt

          Der Kapitän bleibt bis Jahresende außen vor: Das Sportgericht des DFB hat die Sperre von David Abraham bis zum 29. Dezember bestätigt. Eintracht Frankfurt muss also in sechs Bundesligaspielen auf den Abwehrspieler verzichten.

          Schlägerei nach Fußballspiel in Peru Video-Seite öffnen

          Fußballfeld oder Schlachtfeld? : Schlägerei nach Fußballspiel in Peru

          Im peruanischen Cusco kippte ein Pokalmatch direkt nach dem Abpfiff in eine Schlägerei um. Spieler und Fans des Verliererteams stürmten nach dem letzten Pfiff auf den Platz und griffen die Schiedsrichter sowie das siegreiche Team an.

          Topmeldungen

          Antrieb der Zukunft : Elektroautos retten das Klima nicht

          Mit welchem Antrieb wir in die Zukunft fahren, scheint politisch entschieden. Aber neue Untersuchungen nähren Zweifel. Demnach ist ein Elektroauto erst nach 219.000 Kilometern besser für das Klima. Der Plug-in-Hybrid ist erst recht kein Gewinn.
          Während des Sommers 2015 hat es auch viele Flüchtlinge nach Dänemark gezogen. Welche Rolle dabei Sozialtransfers gespielt haben, ist kaum zu ermitteln.

          Princeton-Studie : Sozialleistungen locken Zuwanderer

          Bislang haben wissenschaftliche Untersuchungen nur einen schwachen Effekt von Sozialtransfers auf die Bereitschaft zuzuwandern nachgewiesen. Ein Forscherteam hat es nun am Beispiel Dänemark untersucht und Überraschendes beobachtet.
          Gut verdienen -  das wollen viele; aber wo gibt es die besten Gehälter?

          Gehaltsreport für Absolventen : Berufswunsch? Reich!

          Ein Studium zahlt sich aus – so viel ist bekannt: Akademiker können sich auf höhere Gehälter freuen als Nicht-Akademiker. Aber das ist natürlich nur ein Durchschnitt, wie diese neuen Gehaltsdaten zeigen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.