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Mainzer 0:0 gegen Wolfsburg : Mal wieder Unentschieden

Ratlosigkeit in Mainz: VfL-Stürmer Daniel Ginczek (links) konnte keine entscheidenden Akzente setzen. Bild: EPA

Beide Mannschaften wollten im direkten Duell unbedingt zu einem Erfolg kommen. Doch zwischen Mainz und Wolfsburg scheint es einfach keinen Sieger geben zu können.

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          Einen Stimmungsboykott aus Protest gegen die vermeintlich fanfeindliche Politik von DFB und DFL wie in anderen Stadien im Verlauf des Spieltags gab es beim 0:0 zwischen Mainz 05 und dem VfL Wolfsburg nicht, dafür aber eine Minuskulisse, obgleich der Verein  Studenten der benachbarten Johannes-Gutenberg-Universität mit einem kostenfreien Wegbier für den Rückweg zur Studentenparty nach dem Abpfiff lockte.

          Bundesliga

          Erstmals seit dem Umzug in die neue Arena im Jahr 2011 mussten die Mainzer eine Zuschauerzahl von weniger als 20.000 bei einem Bundesligaspiel in ihrem Stadion verkünden. Weniger als die am Mittwochabend anwesenden 19.200 Besucher waren in zwölf Jahren Mainzer Bundesligageschichte nur einst im nur 20.300 Zuschauer fassenden alten Bruchwegstadion zugegen, als 2011 einmal nur 18900 Zuschauer vor Ort waren – ebenfalls gegen den VfL Wolfsburg.

          Der VfL ist nicht unbedingt ein Klub der Bestmarken, wenn es um Spiele in Mainz geht, zumal in bislang 13 Bundesliga-Duellen zwischen den Teams auf Mainzer Boden lediglich 26 Treffer erzielt wurden. Zudem endeten die letzten sechs Partien zwischen den Klubs allesamt unentschieden. Das torlose Unentschieden passt also in die Historie der Begegnung und stand auch für die Qualität des Spiels. „Ab dem ersten Ballverlust hat uns heute das Zutrauen gefehlt, selbst die einfachen Dinge zu machen“, sagte Mainz-Trainer Sandro Schwarz. „Im Großen und Ganzen war es ein Spiel, in dem der Spielfluss gefehlt hat, die Frische gefehlt hat und die Zielstrebigkeit. Die gute Nachricht ist, dass wir das Glück hatten, keinen zu kassieren. Wenn du die Spiele nicht gewinnen kannst, musst du zumindest dafür sorgen, dass du sie nicht verlierst.“

          Die wenigen Zuschauer sahen beim Vergleich der Tabellennachbarn einen in der ersten Halbzeit immerhin deutlich entschlosseneren VfL, bei dem der frühere Mainzer Yunus Malli nur auf der Bank saß bei seiner Rückkehr an die frühere Wirkungsstätte. Die Wolfsburger stellten die Mainzer, bei denen Jean-Philippe Gbamin allzu oft mit einer gewissen Selbstgefälligkeit für leichtfertige Ballverluste sorgte, meist in deren Aufbauspiel schon rund um den Mittelkreis, um dann mit schnellen Angriffen für Torgefahr zu sorgen. Dabei wurde die erste Halbzeit zunehmend ein Duell zwischen Josip Brekalo und dem Mainzer Schlussmann Florian Müller, der dreimal Sieger blieb. Zunächst scheiterte Brekalo mit einem strammen Distanzschuss (12. Minute), dann stand Müller bei einem Schlenzer von Brekalo der Pfosten hilfreich zur Seite (23.), ehe der Schlussmann in einer Eins-gegen-Eins-Situation mit einer Grätsche den Wolfsburger Torerfolg verhinderte (38.). „Wir haben zwei Punkte liegen lassen, weil wir in der ersten Halbzeit viele Balleroberungen und Torchancen hatten und den Mainzern nur wenig zugestanden haben“, sagte Wolfsburgs Trainer Bruno Labbadia.

          In der Nachspielzeit der ersten Hälfte durften dann gar die Mainzer Anhänger jubeln, als der Ball nach einem Fernschuss von Gbamin im Netz landete. Das Schiedsrichtergespann um Tobias Stieler erkannte die Abseitsposition des Mainzer Kapitäns Stefan Bell, der am Fünfmeterraum den Torhüter irritierte, jedoch so korrekt, dass aus dem Kölner Videoassistentenkeller keine für die Mainzer erfreulichere Revision erfolgte.

          In der zweiten Halbzeit verflachte das Spiel weiter, auch weil die Mainzer das im ersten Durchgang zu große Risiko im Spielaufbau mieden und Wolfsburg weniger Balleroberungsmöglichkeiten boten. Es dauerte bis zur 76. Minute, ehe der eingewechselte Mainzer Torjäger Jean-Philippe Mateta mit einem Kopfball nach einer Flanke des Spaniers Aaron für Gefahr sorgte. Im Gegenzug zwang dann zunächst Ignacio Camacho per Volleyschuss und dann Mittelstürmer Daniel Ginczek Torwart Müller zu weiteren Glanztaten. In der letzten Szene des Spiels hätten die Mainzer dann beinahe noch das Spiel für sich entschieden, ein mächtiger Distanzschuss von Ridle Baku prallte aber von der Unterkante der Latte ins Feld zurück.

          Der insgesamt etwas glückliche Punktgewinn gegen bessere Wolfsburger lässt das Mainzer Konto vor der Fahrt zum punktlosen Tabellenletzten Schalke und dessen früher in Mainz tätigen Manager Christian Heidel am kommenden Samstag auf acht Punkte Vorsprung anwachsen. Immerhin diese Zahl ist für die Mainzer zufriedenstellend. „Mir sagte einmal ein sehr kluger Trainer von mir, dass man, wenn man schon nicht gewinnen kann, dann wenigstens einen Punkt holen sollte“, zitierte Schwarz seinen früheren Mitspieler und Trainer Jürgen Klopp.

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