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Mainz 05 : Der Millionenmann Malli

  • -Aktualisiert am

Es geht in Wolfsburg um nichts anderes als Fußball: Yunus Malli fährt jetzt mit Bild: dpa

Yunus Malli hat in Mainz drei Jahre gebraucht, um vom Talent zum Bundesligaspieler zu reifen. Zweieinhalb Jahre später verlässt er den Klub nun als türkischer Nationalspieler und teuerster Transfer der Vereinsgeschichte.

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          So zügig gehen solche Transfers nur sehr selten über die Bühne. Am Montag hatte der VfL Wolfsburg beim FSV Mainz 05 sein Interesse an einer Verpflichtung Yunus Mallis angemeldet, drei Tage später war der Wechsel beschlossene Sache. Die Kollegen, mit denen der Mittelfeldspieler im Trainingslager in Marbella noch das Mittagessen eingenommen hatte, waren um 14.20 Uhr seine ehemaligen Kollegen - und Malli machte sich auf die 481 Kilometer lange Fahrt nach La Manga, wo sein neuer Arbeitgeber sich auf die verbleibenden 18 Bundesligaspieltage vorbereitet. Auf 12,5 Millionen Euro plus einiger Bonusgratifikationen beläuft sich die Einnahme der Mainzer.

          Ein ausgesprochen gutes Geschäft, wenn man bedenkt, dass Yunus Malli im Sommer 2011 ablösefrei aus dem Nachwuchs von Borussia Mönchengladbach an den Bruchweg gekommen war - und bei allem Talent, das ihm seine jeweiligen Trainer bescheinigten, war es nicht abzusehen, dass der inzwischen 24-Jährige einmal eine solche Rendite abwerfen würde.

          Langsame Entwicklung

          Der aus Kassel stammende junge Mann wirkte allzu oft allzu wenig dynamisch, hatte einen Hang zur Lethargie, und nicht wenige Experten vermuteten, dass er es deshalb trotz aller fußballerischer Begabung nicht ins große Profigeschäft schaffen werde. In Mainz benötigte Malli drei Jahre, um sich durchzusetzen. Der damalige Trainer Thomas Tuchel sah ihn mal als Sechser, mal als Achter, mal auf der Bank, nur nie als Zehner.

          Erst in der Saison 2014/15 unter Kasper Hjulmand und später Martin Schmidt wurde Malli zum Spielmacher und Stammspieler, die jüngste Vertragsverlängerung im Winter vorigen Jahres machte ihn bei den Rheinhessen zu einem der bestbezahlten Kicker. Genau dies ist ein Grund dafür, dass die Mainzer davon absahen, um einen Verbleib des türkischen Nationalspielers zu kämpfen.

          Mallis Vertrag lief bis Sommer 2018, „und für eine erneute Verlängerung hätte ich gar kein Budget gehabt“, sagt Sportdirektor Rouven Schröder. „Finanziell war die Sache ausgereizt.“ Hinzu kam die Ausstiegsklausel, nach der Malli am Saisonende für festgeschriebene neun Millionen Euro hätten gehen dürfen. Das heißt, die 05er haben jetzt 3,5 Millionen mehr kassiert, als in sechs Monaten möglich gewesen wäre.

          Torschütze und Vorbereiter

          Dem Spieler die Chance auf einen üppig dotierten Viereinhalbjahresvertrag bei den Niedersachsen zu verwehren wäre auch unter dem Gesichtspunkt fragwürdig gewesen, dass die Mainzer vor einem Jahr ihr Veto gegen einen Wechsel Mallis nach Dortmund eingelegt hatten. Tuchel wollte den Jetzt-doch-Zehner zum BVB lotsen, Malli bat um die Freigabe, doch Schmidt und der damalige Manager Christian Heidel sagten nein. Ihnen war der immer wieder an entscheidenden Szenen beteiligte Spielmacher unverzichtbar, um den in der Krise steckenden Verein von den zeitweilig drohenden Abstiegsrängen fernzuhalten. Malli steckte die Enttäuschung professionell weg, spielte eine ordentliche Rückrunde, wenn auch nicht mehr so überragend wie in der ersten Halbserie, und hatte am Ende, als sogar der Einzug in die Europa League geschafft war, elf Tore und vier Vorlagen auf dem Konto.

          In der laufenden Saison kommt er auf sechs Treffer (davon drei Elfmeter) und sieben Assists. Diese Statistik wird er fortan für den VfL Wolfsburg fortschreiben.

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