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Mainz-Ultra Michael Grüber : „Wir wollen keine Geisterspiele“

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Ein Ultra aus Mainz: Michael Grüber macht sich Gedanken um die Zukunft der Fans Bild: Kretzer, Michael

Michael Grüber sorgte einst als „Vorsänger“ für die Stimmung in der Kurve von Mainz 05 und ist noch immer in der Ultraszene aktiv. Im FAZ.NET-Interview spricht er über Fehler der Ultras, neues Verantwortungsgefühl und die Situation in den Blocks.

          Im Fußball wird derzeit sehr viel über Ultras geredet. Diese besonders treuen und aktiven Fans der Fußballklubs sorgen immer wieder mit dem Einsatz von bengalischen Feuern für Ärger und werden auch mit Ausschreitungen in Verbindung gebracht. Im Interview stellt Michael Grüber, Mitbegründer der Supporters und der Ultraszene bei Mainz 05 sowie Mitglied der „Handkäsmafia“, dar, wie die Ultras die brisante Situation bewerten. Der 28 Jahre alte Fan von  Mainz 05 sorgte einst als „Vorsänger“ für die Stimmung in der Mainzer Kurve.

          Können Sie verstehen, dass Nicht-Fußballfans und auch viele Stadionbesucher Angst haben, wenn sie Ultras begegnen?

          Ultras treten oft als geschlossene Einheit auf. Wenn sie dann auch noch ein bisschen uniformiert wirken, weil sie ähnlich und oft schwarz gekleidet sind, dann kann ich schon verstehen, dass das für Außenstehende gefährlich rüberkommt. Gleichzeitig muss ich aber sagen, dass Ultras über Flyer oder das Internet in der Regel so viele Angebote machen für Gespräche und Kennenlernen. Da würden sicher viele Ängste abgebaut, wenn man die Einzelleute mal kennenlernt und erfährt, was hinter der Idee Ultra steckt.

          Was steckt denn dahinter? Welches Bild sollte man denn von Ultras haben?

          Ultras wollen als aktive Fans wahrgenommen werden. Sie nehmen Dinge in die Hand, sie sorgen für Stimmung im Stadion samt Choreographien und sie verfolgen das Geschehen rund um den Fußball und ihren Verein kritisch.

          Das klingt so, als würden sich Ultras als Kulturpfleger verstehen. Trifft das zu?

          Ultras wollen den traditionellen Fußball bewahren. Wir bekämpfen beispielsweise die übermäßige Kommerzialisierung oder setzen uns für günstige Eintrittspreise ein, damit Fußball Volkssport bleiben kann. Das müssten aber eigentlich alle Fans im Stadion wollen.

          Dabei erwecken Ultras aber oft den Eindruck, dass sie einen Alleinvertretungsanspruch samt Deutungshoheit über das, was im Stadion zu geschehen hat, erheben …

          … was mich sehr stört. Ultras gelten in irgendeiner Form als elitär. Dabei sind die Gruppen meist sehr offen für Anregungen aus der Kurve. Sie verstehen sich als Teil der Kurve.

          Oftmals verstehen Außenstehende die Kommunikationsformen der Ultras nicht. Ihre Mainzer Fanszene fiel kürzlich damit auf, dass sie das RAF-Symbol verwendet hat. Müssen solche Provokationen sein?

          Ultra ist eine Jugendkultur, die auch über Provokation funktioniert. So wie jeder Jugendliche irgendwann auch mal gegen seine Eltern rebelliert, so provozieren Ultras eben auch mal gegen den gesellschaftlichen Mainstream. Das passiert vor allem, wenn man von der Polizei oder den Verbänden in eine Schublade gesteckt wird. Ultras wurden zuletzt gewissermaßen auf eine Stufe mit Vergewaltigern oder Terroristen gestellt. Das haben manche dann mit der RAF-Fahne satirisch überspitzt aufgegriffen, um sich einen Spaß draus zu machen und aus der Schublade herauszuwinken. Derzeit scheinen Ultras gar aus der Schublade herauszukrabbeln.

          Es gibt nach einer langen Zeit der Abkapselung eine Öffnung Richtung Öffentlichkeit. Sie haben kürzlich mit Ihrer Gruppe der „Handkäsmafia“ die Mainzer Fantage mit mehreren, erstaunlich kontrovers besetzten Podien mitorganisiert. Was ist die Motivation zur neuen Offenheit?

          In Berlin gab es Anfang des Jahres einen Fan-Kongress, dort haben wir das Thema „Ultras und soziale Verantwortung“ behandelt. Das ist damals aber aus aktuellem Anlass abgeglitten ins Thema „Ultras und Medien“. Das fanden wir so interessant, dass wir in Mainz nach und nach Kontakt bekommen haben zu den lokalen Medien. Besonders mit einem Journalisten der Mainzer Allgemeinen Zeitung sind wir durch den Fankongress in guten Kontakt gekommen. Er hatte vorher unseres Erachtens undifferenziert über uns berichtet, seitdem wir miteinander reden empfinden wir die Berichterstattung als kritisch, aber fair. Das hat uns die Augen geöffnet, dass es Sinn ergibt, auch auf Medien zuzugehen, wenn wir unsere Interessen vertreten wollen.

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