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Mainz-Trainer Bo Svensson : Ein Bessermacher wie Thomas Tuchel

  • -Aktualisiert am

Engagiert an der Seitenlinie: Bo Svensson coacht seine Mannschaft aktiv. Bild: dpa

Trainer Bo Svensson hat dem FSV Mainz 05 vor dem Spiel gegen Augsburg neue Hoffnung im Abstiegskampf geschenkt. Mit seiner Art und seinen Ansichten erinnert er an einen berühmten Vorgänger.

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          Egal, wie diese Saison für den FSV Mainz 05 ausgehen wird, ob ihr das 13. Bundesliga-Jahr in Serie oder doch der Abstieg folgt – eines lässt sich schon jetzt festhalten: Bo Svensson ist es gelungen, die Fans wieder zu begeistern. Der Däne hat sich die Vorschusslorbeeren, die vom Moment seiner Verpflichtung an in beinahe beängstigender Stückzahl auf ihn herabregneten, in den ersten zwei Monaten seines Wirkens vollauf verdient. Mit den Ergebnissen, mit der Annäherung an die Nichtabstiegsplätze, mit der Art des Fußballspielens.

          Bundesliga

          Svensson wehrt in Pressegesprächen zwar alles ab, was ihn als Heilsbringer erscheinen lassen könnte, und sagt in solchen Fällen Sätze wie: „Der größte Impuls ist von der Mannschaft gekommen.“ Nur: Damit dieser Impuls möglich wurde, bedurfte es jemandes, der den Stecker in die Dose schob. Und das ist nun mal der 41 Jahre alte ehemalige Mainzer Profi. „Man geht jetzt wieder gerne ins Training, weil man weiß, dass man etwas trainiert, das sich am Wochenende auch auszahlt“, sagt Linksverteidiger Phillipp Mwene: „Wir wissen alle, was zu tun ist. Da ist schon eine andere Mentalität, ein anderer Zug dahinter.“

          Die lange vermisste Entschlossenheit wieder hervorgebracht zu haben, was dazu führt, dass die einzelnen Akteure nicht mehr so viel Potential brachliegen lassen, sei das Verdienst des im Januar verpflichteten Trainerteams. „Es fordert diese Mentalität jeden Tag ein. Da wird nicht weggeschaut, wenn mal eine Übung etwas lockerer genommen wird, sondern es wird bei jedem Pass genau hingeschaut“, sagt Mwene: „Kein Spieler kann sich verstecken, wer auf dem Platz steht, muss 100 Prozent geben.“

          Tuchelsche Prägung

          In gewisser Weise erinnert Svenssons Herangehensweise an die seines einstigen Trainers Thomas Tuchel, der sich am Bruchweg, seiner ersten Bundesliga-Station, rasch den Ruf erwarb, die Spieler in den Übungseinheiten so sehr zu stressen, dass sie an den Wochenenden nichts mehr überraschen konnte. „Ich war selbst einer der Spieler, die das über Thomas gesagt haben“, erzählt Svensson schmunzelnd. Die Einschätzung, inwieweit seine Arbeit damit deckungsgleich sei, überlässt er anderen; in Zeiten, in denen weder Fans noch Medienvertreter beim Training zugelassen sind, lässt sich freilich kein Urteil bilden.

          Grund zum Jubeln: Unter Svensson hat Mainz den Glauben an sich selbst wiedergefunden.
          Grund zum Jubeln: Unter Svensson hat Mainz den Glauben an sich selbst wiedergefunden. : Bild: AFP

          Doch die Schilderung des Dänen lässt eine tuchelsche Prägung erkennen. „Unser Spiel lebt von Intensität und Aktivität, das fordere ich im Training“, sagt Svensson: „Wir haben unterschiedliche taktische Schwerpunkte, aber es gibt selten Pausen“ – gar keine, während die Spielformen laufen. „Dann hast du immer eine Aufgabe, egal ob offensiv oder defensiv.“

          Alles müsse in hohem Tempo geschehen, die Spieler dürften weder körperlich noch mental abschalten, um stets abschätzen zu können, was vielleicht in den nächsten zwei, drei Sekunden passiert. „Dadurch wollen wir das Spiel schneller machen“, sagt Svensson: „Das ist mein Thema. Vor und nach dem Training freue ich mich über Lockerheit, aber im Training selbst muss es zur Sache gehen.“

          Hinzu kommt, dass der Coach keinerlei Anflüge von Genügsamkeit erkennen lässt. Mögen die 05er in den Medien und den sozialen Netzwerken auch für ihre Rückkehr auf den „Mainzer Weg“ gelobt und für zehn Punkte aus fünf Rückrundenspielen gefeiert werden, Svensson bleibt kritisch. „Die Richtung stimmt, aber wir sind noch lange nicht am Ziel“, lautet sein Mantra. Mit der Leistung beim 2:1 in Gladbach beispielsweise war er unzufrieden, auf diese Weise ließen sich nicht oft Spiele gewinnen.

          Gegen den FC Augsburg will er deshalb an diesem Sonntag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) die nächsten Schritte sehen. Zum Beispiel eine noch bessere Arbeit gegen den Ball, die den Gegner schon tief in dessen Hälfte vor Probleme stellt und möglichst vom Mainzer Tor weghält. Es wäre keine schlechte Grundlage für ein weiteres Jahr Bundesliga.

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