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1:0 gegen Stuttgart : Mainzer Gier, Gefühl und Garantie

Von links nach rechts: Aaron (Mainz), Nicolas Gonzalez (Stuttgart), Ridle Baku (Mainz) und Moussa Niakhate kämpfen um den Ball. Bild: dpa

Mainz-05-Trainer Schwarz sieht seine Mannschaft mit dem 1:0 gegen den VfB Stuttgart belohnt. Für die Zukunft fordert er, „besessen“ zu bleiben.

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          Sandro Schwarz war bester Laune nach dem 1:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart zum Auftakt der Fußball-Bundesligasaison. So ließ er es sich nicht nehmen, die Pokalauslosung noch im Presseraum in den Katakomben des Stadions zu verfolgen. Schwarz begeisterte sich für manch eine reizvolle Partie, die Sprinterin Gina Lückenkemper aus dem Lostopf zog. Und dann kam für die Mainzer die nicht ganz so angenehme Begegnung in Augsburg für die zweite Runde am 30. oder 31. Oktober. „Egal, das nehmen wir so an“, sagte Schwarz nach dem dritten Heimsieg gegen den VfB in seiner noch jungen Trainerkarriere nach je einem Erfolg im Pokal und in der Liga zur vergangenen Jahreswende.

          Bundesliga
          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Aussage passte zu der Art und Weise, wie die Rheinhessen in die neue Spielzeit gestartet sind. Nachdem sie in der Vorwoche im Pokalspiel in Aue die Hinausstellung von Innenverteidiger Moussa Niakhaté nach nur drei Minuten verkraftet und souverän gesiegt hatten, war das Team nun dank seiner Mentalität auch in einem lange Zeit schwierigen Spiel gegen den VfB Herr der Lage und nahm nach einer starken Stuttgarter Anfangsphase zunehmend das Heft in die Hand. „Es war ein sehr ausgeglichenes Spiel, beide Teams versuchten möglichst wenige Fehler zum Saisonauftakt zu machen“, sagte der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder. „Aber in der zweiten Halbzeit waren wir letztlich besser, weswegen der Sieg auch verdient ist.“

          Schröders Stuttgarter Kollege Michael Reschke meinte derweil nach dem nun vollends missratenen Saisonstart nach dem Pokal-Aus beim Drittligaklub Hansa Rostock und der Niederlage zum Bundesligastart um Gelassenheit bemüht: „Wir haben in den vergangenen zwölf Monaten nun dreimal in Mainz verloren in Liga und Pokal, heute das war eindeutig die beste Leistung dabei. Deshalb bleibe ich dabei: Die Mannschaft ist gut aufgestellt und auf einem guten Weg.“ Dennoch wartet der VfB seit 2011 auf einen Sieg zum Beginn einer Spielzeit.

          05-Trainer Schwarz lobte derweil die Beharrlichkeit, mit der sich seine Mannschaft vor gut 29.000 Zuschauern gegen manche Unbill wie VfB-Chancen für Nicolas Gonzalez (9. Minute), Christian Gentner (15.) oder Mario Gomez (50.) „festgebissen“ habe. „Für den Moment ist das ein sehr gutes Gefühl, aber das ist keine Garantie für die kommenden Wochen“, sagte Schwarz. „Aber gerade für eine junge Mannschaft ist es wichtig, dass die Entwicklung mit Ergebnissen untermauert wird.“ Schwarz empfindet den ersten gelungenen Saisoneinstand nach zuletzt drei Fehlstarts und dem ersten Mainzer Auftakterfolg seit 2013 (auch damals gegen den VfB) als Belohnung für eine konzentrierte Vorbereitung, in der der Trainer schon sehr viel Freude bekundet hat an der Zusammenarbeit mit einem der derzeit jüngsten Kader der Liga, dem der mit 39 Jahren gleichfalls noch junge Schwarz durchweg große Lernbereitschaft und Neugier attestiert.

          Gegen den VfB agierte beispielsweise der erst 20 Jahre alte Ridle Baku in seinem dritten Bundesligaspiel wie ein alter Hase, obwohl er frühzeitig von Schwarz in eine defensivere Rolle als vorab vereinbart beordert wurde und nach 40 Minuten sein erfahrener Nebenmann Jean-Philippe Gbamin wegen Adduktorenproblemen vom Platz musste. „Ich weiß, das ich mehr Verantwortung übernehmen soll und ich versuche das umzusetzen“, sagte der Mittelfeldspieler aus der Mainzer Nachwuchsschule. Auch Neuzugang Jean-Philippe Mateta zeigte sich im ersten Bundesligaspiel wehrhaft und hatte Pech bei der großen Chance zur Führung (26.).

          Mann des Tages war freilich einer der wenigen älteren Akteure auf dem Platz: Für Anthony Ujah war der Siegtreffer, dem ein von Robin Quaison gewonnener Zweikampf mit dem in dieser Situation indisponierten Holger Badstuber vorausging (76.), eine Befreiung nach schwierigen Monaten. Der 27 Jahre alte Nigerianer, 2011/12 schon einmal in Mainzer Diensten, war im Januar aus China in die Bundesliga zurückgekehrt und lange vergeblich auf der Suche nach seiner Form. „Bei mir fehlte im ersten halben Jahr die Fitness, daran habe ich im Sommer und in der Vorbereitung viel gearbeitet“, sagt Ujah. „Tore geben mir nun das nötige Selbstbewusstsein. Bislang ist es nur eins, ich hoffe aber, dass ich noch mehr helfen kann.“

          Der Stuttgarter Mario Gomez (links) diskutiert mit Schiedsrichter Daniel Siebert. Die Gäste konnten eine starke Anfangsphase nicht nutzen.
          Der Stuttgarter Mario Gomez (links) diskutiert mit Schiedsrichter Daniel Siebert. Die Gäste konnten eine starke Anfangsphase nicht nutzen. : Bild: dpa

          Für Mainz 05 war es erst Ujahs dritter Treffer, nachdem er 2011 zweimal erfolgreich war – ebenfalls gegen den VfB, was dem damals noch jungen Talent bei Trainer Thomas Tuchel freilich keine weiteren Einsatzchancen einbrachte. Nun scheint der Stellenwert ein anderer zu sein: „Das Tor war logische Folge dessen, wie er gearbeitet hat in den vergangenen Wochen und wie er sich verhalten hat im Team“, sagte Schwarz. „Tony ist jetzt auf einem ganz anderen Level als im vergangenen Halbjahr.“

          Bemerkenswert war nach dem Treffer des eingewechselten Stürmers, in welcher Form sich das ganze Team samt Ersatzspielern am Jubel beteiligte. Sogar der kurz zuvor für Ujah ausgewechselte Mateta sprintete von der Ersatzbank an die Eckfahne, um seinem Konkurrenten im Kampf um den Platz in der Sturmmitte zu gratulieren. „Ich hatte das Gefühl, dass sich alle ganz besonders mitfreuen mit mir, dass mir endlich dieses Tor gelungen ist“, sagte der im Team äußerst beliebte Ujah. Die Erfolge der vergangenen beiden Wochenenden haben dem Mainzer Teamgeist gut getan. Diesen Geist will Schwarz nun bewusst wach halten. „Wir müssen uns diese Besessenheit, diese Gier bewahren“, sagte er mit Blick auf die nächsten Partien in Nürnberg und gegen Augsburg.

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