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0:2 in Bochum : Der Mainzer Rollenwechsel

  • -Aktualisiert am

Vergeblich: Der Mainzer Adam Szalai (rechts) im Zweikampf mit Danilo Soares Bild: dpa

Gegen Leipzig gelang den Rheinhessen ein kleines Kunststück. Beim 0:2 in Bochum bleiben die Mainzer allerdings hinter den Erwartungen zurück – und scheinen wie ausgewechselt.

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          An Einsicht und Selbstkritik mangelte es den Mainzern nicht. „Zu wenig Gegenwehr“, kritisierte Rechtsverteidiger Silvain Widmer den eigenen Auftritt. Von einem intensiven Spiel sprach Torwart Robin Zentner, aber mit dem Zusatz, dass der VfL Bochum mehr Intensität auf den Platz gebracht habe. Trainer Bo Svensson bemängelte die vor allem in der ersten Halbzeit auffällige Passivität. Und Martin Schmidt, der Sportdirektor, hätte sich einen Rollentausch gewünscht. „Ich dachte mir, eigentlich müssten wir die Blauen sein. Aber wir waren die Lethargischen.“

          Bundesliga

          All das erklärte, warum der FSV Mainz 05 am zweiten Spieltag dieser Bundesligasaison das Ruhrstadion mit einer 0:2-Niederlage verließ. Weil der Aufsteiger die Partie in etwa so anging, wie die Rheinhessen am vorigen Wochenende ihr Heimspiel gegen RB Leipzig – und weil die 05er nicht damit zurechtkamen, sich eines bissigen, zu allem entschlossenen Gegners zu erwehren. Und weil es ihnen kaum einmal gelang, eigene Akzente zu setzen.

          „Vorige Woche konnten wir kämpfen und dagegenhalten, jeder Zweikampf wurde von den Fans gefeiert“, sagte Schmidt. „Aber heute haben wir Lehrgeld gezahlt.“ Das bezog sich unter anderem auf die nach dem 1:0-Auftaktsieg zu Recht gelobten Youngster Paul Nebel und Niklas Tauer.

          Vor den begeisterten Bochumer Fans, die das Stadion laut Widmer in einen Hexenkessel verwandelt hatten, schienen sie mit der Situation überfordert – waren aber beileibe nicht die einzigen. Nur 37 Prozent ihrer Zweikämpfe gewannen die Mainzer vor der Pause gegen die robusten Bochumer; ein Wert, mit dem es ihnen kaum möglich ist, Spiele zu gewinnen. Exemplarisch dafür stand der erste Gegentreffer. Von seiner Entstehung bis zur Vollendung.

          „Wir waren überrascht“

          Ausgangspunkt war ein von Sebastian Polter gewonnenes Kopfballduell mit zwei Mainzern in der VfL-Hälfte und ein Diagonalpass auf den linken Flügel. Dort setzte Gerrit Holtmann zu einem Solo an, das ihn zunächst zwischen Widmer und Leandro Barreiro hindurch und dann parallel zur Strafraumlinie an Tauer vorbeiführte. In den Sechzehner gekurvt, schlüpfte er auch noch zwischen Aarón und Alexander Hack hindurch, bevor er Robin Zentner tunnelte. „Das haben wir eklatant schlecht verteidigt“, ärgerte sich Svensson. Einerseits war das Auftreten der 05er erstaunlich.

          Sie hatten doch, wie Zentner bestätigte, gewusst, was sie beim Aufsteiger in dessen erstem Bundesliga-Heimspiel nach elf Jahren erwarten würde. Trotzdem waren sie nicht in der Lage, entsprechend zu reagieren – oder, noch besser gesagt, zu agieren. „Ich hatte das Gefühl, dass wir vom körperlichen Spiel der Bochumer überrascht waren“, sagte der Keeper. Andererseits war es den Leipzigern, immerhin Meisterschaftszweiter und einer der Titelkandidaten, in Mainz ja ähnlich ergangen – obwohl Trainer Jesse Marsch im Anschluss einräumte, Svenssons Rumpftruppe genauso aggressiv und mutig erwartet zu haben, wie sie dann auftrat.

          Frappierend war in Bochum allerdings auch, wie jugendspielerhaft Jeremiah St. Juste, einer von drei zur Pause eingewechselten Akteure, die zuletzt zehn Tage in Quarantäne verbringen mussten, sich beim 0:2 von Sebastian Polter düpieren ließ – womit die beiden ehemaligen 05-Stürmer im Team des Liga-Rückkehrers dessen Sieg herausschossen. Das hatte dann auch nichts mehr damit zu tun, dass es dem Team an kollektiver oder individueller Erfahrung mangelte.

          Dennoch gibt es am Bruchweg keinen Grund, nach dem glanzvollen Spieltag gegen Leipzig jetzt in zu großen Pessimismus zu verfallen. Fakt ist, dass gegen RB Leipzig in einer extremen Ausnahmesituation eine Ausnahmeleistung gelungen war. Eine Leistung, die sich nicht auf Knopfdruck wiederholen lässt. Wie die beiden Spiele einzuordnen sind, wird sich vermutlich am kommenden Samstag zeigen, wenn in der Spielvereinigung Greuther Fürth der zweite Aufsteiger kommt.

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