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Leandro Barreiro : Wiedersehen macht Freude bei Mainz 05

  • -Aktualisiert am

Freudenschrei: Leandro Barreiro bejubelt sein Siegtor gegen Köln am 28. Spieltag. Bild: dpa

Laufstark, bissig im Zweikampf: Der junge Leandro Barreiro macht das Mainzer Spiel besser – das weiß auch Trainer Bo Svensson. Er selbst hat den Jugendlichen schließlich einst entdeckt.

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          Über Bo Svensson wird dieser Tage viel geschrieben. Beobachter versuchen zu ergründen, wie es dem im Januar installierten Trainer des FSV Mainz 05 gelungen ist, einen scheinbar sicheren Bundesligaabsteiger wiederzubeleben und zur Sensationsmannschaft der zweiten Halbserie zu machen. Zum derzeit fünftbesten Team der Rückrunde – das in dieser Rangliste mit einem Sieg im Nachholspiel gegen Hertha BSC am Montagabend (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) sogar auf den zweiten Platz klettern würde.

          Bundesliga

          Svensson selbst redet nicht viel über seinen Anteil an diesem Aufschwung. Der Däne sagt, er sei kein Magier und alles, was die Mannschaft in seiner Amtszeit erreicht habe, sei ein Gemeinschaftswerk aller Beteiligten. Doch den Fußball, den das Team inzwischen so begeistert wie begeisternd spielt, hat er seinem Team binnen kürzester Zeit nahegebracht. Und kaum einer im Kader verkörpert die Grundlagen der Svenssonschen Philosophie so sehr wie Leandro Barreiro, der aggressive, lauf- und zweikampfstarke Mittelfeldakteur. Seit dem bislang letzten Trainerwechsel stand er nur einmal nicht in der Anfangself, und das auch nur wegen eines eine Woche zuvor erlittenen Risses im rechten Ohr.

          Auf jeden Fall ein Mentalitätsspieler

          Es sei erstaunlich, was der 21-Jährige allwöchentlich abliefere, sagt Svensson. Auch die Analysedaten verdeutlichten, wie sehr Barreiro das Spiel der Mannschaft antreibe. „Wenn man über sogenannte Mentalitätsspieler redet, ist er auf jeden Fall einer“, sagt der Trainer. Dabei würde Svensson die Aussage, der junge Luxemburger habe sich in den vergangenen Monaten unter seiner Führung besonders entwickelt, nicht mal unterschreiben. „Er hat mein Vertrauen, das hilft jedem Spieler. Aber ansonsten war er vom ersten Spiel an so, wie er heute ist.“ Nämlich einer, der exemplarisch für den Mainz-05-Fußball stehe, einer, dessentwegen viele Fans gerne ins Stadion gingen (wenn sie denn dürften). „Weil du immer weißt, dass er sein Herz auf dem Platz liegenlässt.“

          Ohne Svensson wäre Barreiro vermutlich nie bei den Rheinhessen gelandet. Die Frage, wem der Verein das aus Erpeldingen stammende Talent verdanke, beantwortet der Däne denn auch grinsend, aber nicht ohne Stolz: „Ich habe ihn entdeckt.“ In einem Spiel mit seiner damaligen U 16 gegen die luxemburgische U 17, „irgendwo auf einem schlechten Kunstrasen“. Die Mainzer gewannen, aber Barreiro habe herausgeragt. Obwohl er noch ein Jahr jünger als alle seine Mannschaftskameraden war.

          Ein schnelles Wiedersehen

          Einen Monat später absolvierte der so Gelobte ein Probetraining in Mainz – „nach zehn Minuten war alles klar“, erinnert sich Svensson, „Leo war auf Anhieb der beste Spieler“. Körperlich selbstverständlich noch nicht auf dem heutigen Stand. „Aber mental vom ersten Tag an in der Verfassung, in der er sich inzwischen in der Bundesliga präsentiert.“ Barreiros Erinnerung an den ersten Kontakt weicht ein kleines bisschen ab: „Ich fand mein Spiel eigentlich nicht so gut.“ Umso größer die Überraschung, als sein Trainer ihm hinterher mitteilte, er sei dem Mainzer Coach aufgefallen. „So kam das in die Wege, und das hat mich sehr glücklich gemacht.“

          Sehr glücklich war er auch, als im Januar aus den Gerüchten um eine Rückkehr Svenssons nach Mainz eine Tatsache wurde. Damit wurde ein Wunsch Barreiros wahr, den er als nicht besonders realistisch betrachtet hatte. Nach dem letzten gemeinsamen Spiel mit der U 19 habe er zum vor dem Wechsel nach Salzburg stehenden Svensson gesagt: „Hoffentlich arbeiten wir noch mal zusammen – und hoffentlich in Mainz.“ Darüber hätten sie beide gelacht, in der Annahme, einander nicht so schnell wiederzusehen.

          Trainer „kennt meine Qualitäten“

          Dass die beiden aufgrund ihrer gemeinsamen Vergangenheit ein besonderes Verhältnis verbindet, bedeute nicht, dass sie sich permanent austauschen. „Wir haben jetzt noch gar nicht so viel gesprochen“, berichtet Barreiro. „Wir wissen ja, wie der andere tickt.“ Kein Zufall ist es daher, dass der Mittelfeldspieler inzwischen zu so vielen Torchancen kommt und zwei Siegtreffer erzielt hat, jeweils beim 3:2 gegen RB Leipzig und in Köln. „Er kennt meine Qualitäten“, sagt der Spieler über den Trainer. „Er lässt mich mehr auf der Acht spielen, da kann ich meine Stärken besser zeigen als auf der alleinigen Sechs.“ Und um seine Abschlussquote zu verbessern, legt er nach dem Training auch mal Sonderschichten ein. „Ich weiß, dass es nicht meine primäre Aufgabe ist, Tore zu schießen, aber ich will es. Ein Fußballer spielt, um Tore zu schießen. Außer, man ist Torwart.“

          Barreiros Vertrag am Bruchweg läuft bis Sommer zum 2022. Was danach kommt, ob er in den nächsten Wochen verlängert, dazu könne er momentan nichts sagen. „Mit meinem Berater habe ich schon vor mehreren Monaten klar kommuniziert, dass ich mich voll auf den Abstiegskampf und den Klassenerhalt konzentrieren und nicht mitkriegen will, was nebenan passiert.“

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