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Mainzer Erfolgsgeheimnis : Das Gesetz der Serie wirkt gegen alle Wahrscheinlichkeit

Die Intuition des Mathematiklehrers: Der Mainzer Trainer Achim Beierlorzer (rechts) hat Siegtorschütze Adam Szalai (links) gegen fast jede Logik eingewechselt. Bild: dpa

Mainz besiegt die Eintracht mit Hochgeschwindigkeitsfußball. Die Rheinhessen bleiben im 16. Ligaheimspiel gegen den großen Rivalen aus der Nachbarschaft unbesiegt. Am Ende entscheidet auch die Intuition des Trainers.

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          Achim Beierlorzer ist von Haus aus Mathematiklehrer. Vor seiner Zeit als Fußballtrainer im Hauptberuf hat der 52 Jahre alte Franke bis vor sechs Jahren an einem Gymnasium neben Sport Geometrie und Algebra unterrichtet und eben auch Kenntnisse der Wahrscheinlichkeitsrechnung vermittelt. Vor seinem Premierenspiel bei der TSG Hoffenheim vor einer Woche hatte der Franke eine kleine Kostprobe seines Lehrerwissens gegeben, als er die Fans und auch die Spieler auf die steigende Wahrscheinlichkeit einer Hoffenheimer Niederlage hinwies, weil die TSG zuvor sechs Pflichtspiele in Serie gewonnen hatte. „Die Wahrscheinlichkeit steigt mit jedem Spiel, dass eine solche Serie endet“, sagte der Oberstudienrat außer Diensten. Beierlorzer behielt Recht: Mainz 05 gewann – und das gleich mit 5:1 auf fremdem Platz.

          In der Folgewoche verzichtete Beierlorzer nun wohlweislich auf einen Stochastik-Exkurs: Gemäß seiner Herangehensweise wäre schließlich die Wahrscheinlichkeit einer Mainzer Niederlage gegen Eintracht Frankfurt recht groß gewesen: 15 Mal hatten die beiden Klubs sich seit der Premiere im Jahr 1996 in einem Ligaspiel in Mainz gegenüber gestanden. Und in allen 15 Heimbegegnungen in zweiter oder erster Bundesliga war Mainz 05 ungeschlagen geblieben. In Beierlorzers Logik wäre die erste Heimniederlage also fällig gewesen.

          Bundesliga

          Aber stattdessen hat Mainz 05 am von den Fans als Spieltermin so ungeliebten und von Frankfurter Seite mit einem pyrotechnisch aufgeladenen, von den Mainzer Anhängern allein mit einem 15:30 Minuten lang schweigenden Protest bedachten Montagabend nach Rückstand durch Martin Hinteregger (34. Minute) sowie eines durch Karim Onisiwo erzwungenen Eigentors des Eintracht-Verteidigers (50.) und dem Siegtreffer durch Adam Szalai (69.) mit 2:1 gewonnen. Nach einem desolaten Saisonstart hat sich der Klub unter Beierlorzer mit der Addition von zweimal drei auf nun 15 Punkte und dem Sprung auf Rang zwölf Luft verschafft im Kampf gegen den Abstieg. Der vor 33.000 Zuschauern in der annähernd ausverkauften Mainzer Arena bezwungene Rhein-Main-Rivale ist nun nur noch zwei Punkte und Ränge voraus. „Es macht gerade einfach Spaß“, sagte Kapitän Danny Latza.

          Edimilson Fernandes als entscheidende Personalie

          Das Gesetz der so erfreulichen Serie in den Nachbarschaftsduellen gegen den Rivalen aus der keine 40 Kilometer entfernten Metropole am Main war also stärker als jede Wahrscheinlichkeitsrechnung. Oder es ist eben doch der Zauber des Neuanfangs unter dem neuen Trainer, der Mainz 05 derzeit beflügelt. Beierlorzer hat erst exakt zwei Wochen vor dem Duell mit der Eintracht seine neue Aufgabe in Mainz übernommen, nachdem der Klub sich zuvor von Sandro Schwarz getrennt hatte. Er arbeitet nach Worten aller Spieler gar nicht so anders als Schwarz, aber er hat einen derzeit womöglich entscheidenden personellen Wechsel vorgenommen: Edimilson Fernandes, dessen Cousin Gelson Fernandes bei der Eintracht nicht zum Einsatz kam, agierte wie schon in Hoffenheim als zentraler Spieler in einer Dreierabwehrkette. Dort sieht sich der eigentlich im Mittelfeld eingeplante Schweizer noch als Spieler, „der gerade eine neue Position lernen muss und deswegen im Abwehrverhalten noch viele Fehler begeht“.

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