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Mainzer Erfolgsgeheimnis : Das Gesetz der Serie wirkt gegen alle Wahrscheinlichkeit

Die Tore fielen zwangsläufig, wenngleich sie zu verhindern waren: Beim 1:1 kam Jeremiah St. Juste 16 Meter vor dem Tor frei zum Schuss, den Weg ins Netz fand der Ball auf recht glückliche Weise, da Karim Onisiwo den Ball so ablenkte, dass sein Gegenspieler Martin Hinteregger ihn schließlich ins eigene Tor verlängerte. Kurze Zeit später hatte die Eintracht noch Glück, da der vermeintliche Führungstreffer durch Onisiwo vom Videoassistenten aberkannt wurde, da der Ball zuvor knapp im Aus war. Beim unwiderruflichen 2:1 verhielt sich dann Almamy Touré im Duell mit Szalai so ungeschickt, dass der Mainzer Stürmer sich in seinem Element fühlte. Touré sprang Szalai auf den Rücken, der Ungar drehte sich mit dem Widersacher als Rucksack um die eigene Achse und nutzte die so freigeräumte Schussbahn, um den Ball aus drei Metern einzuschießen.

Szalai wurde somit binnen 60 Sekunden vom vermeintlichen Trottel des Abends zum Helden des Nachbarschaftsduells. Kurz zuvor hatte er nämlich das Kunststück fertig gebracht, nach einem von Frederik Rönnow nach vorne abgeklatschten Öztunali-Distanzschuss den Ball aus einem Meter nicht am eigentlich geschlagen auf dem Boden liegenden Eintracht-Schlussmannn vorbeizubekommen. Der 31 Jahre alte Stürmer tröstete sich schnell damit, dass der Schiedsrichter anschließend auf Abseits entschieden hatte, der Videoassistent hätte ihm jedoch einen Treffer zuerkennen müssen, da der Ungar eindeutig nicht im Abseits gestanden hatte, wie die Fernsehbilder nahelegen.

Szalai dank Intuition der Held des Tages

Szalais Siegtor war derweil ebenfalls ein Widerspruch zu allen Wahrscheinlichkeiten: Seit Saisonbeginn hat der aus Hoffenheim verpflichtete Torjäger vergeblich und verzweifelt sein erstes Tor nach der Rückkehr an den Bruchweg nach sechs Jahren in unterschiedlichen Klubs zu erzielen versucht. Nun aber traf er nach seiner Einwechslung in der 57. Minute, obgleich er eigentlich eher ins Krankenbett  als auf die Ersatzbank gehört hätte. „Ich habe jetzt all die Wochen hart trainiert, um ein Tor zu schießen. Und dann mache ich ein so wichtiges Tor, obwohl ich eigentlich krank bin“, sagte er kopfschüttelnd. Er hatte sich zudem zuvor kaum aufdrängen können bei seinem neuen Trainer. In der ersten Trainingswoche hatte er großteils bei seiner ungarischen Nationalmannschaft geweilt und auch deshalb in Hoffenheim an alter Wirkungsstätte keine einzige Einsatzminute bekommen. In der zweiten Woche fehlte er nun wegen seiner Erkältung.

„Wir hatten aber schon in der Halbzeit überlegt, dass wir angesichts unserer Überzahl noch einen Stürmer mit der Präsenz von Adam gut gebrauchen können“, sagte sein Trainer, der auch den weniger erfahrenen, aber ähnlich bulligen und gesunden Taiwo Awoniyi in der Hinterhand hatte. Die Entscheidung gegen den Nigerianer und für den geschwächten Ungarn dürfte auf Intuition beruht haben. Und die braucht im Fußball eben selbst ein der Wahrscheinlichkeitsrechnung zugeneigter Mathematiklehrer.

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