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Mainz 05 : Zweiter Versuch mit Anthony Ujah

Bislang bestes Spiel für Mainz: Gegen den VfB Stuttgart erzielte Anthony Ujah (links, gegen Khalid Boulahrouz) 2011 zwei Treffer Bild: dapd

Das Weiterkommen im Pokal gegen den VfB Stuttgart nutzt Mainz 05 für Investitionen in den Kader: Anthony Ujah soll die Sturmflaute beheben. Sein erstes Gastspiel in Mainz war vor sechs Jahr alles andere als glücklich verlaufen.

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          Es hat einen besonderen Charme, dass Mainz 05 am Mittwoch und somit am Tag nach einem 3:1-Sieg gegen den VfB Stuttgart im Achtelfinale des DFB-Pokals die Rückkehr von Anthony Ujah verkündete. Denn der VfB im Guten wie der DFB-Pokal im Schlechten markierten bei dessen erstem Gastspiel in Mainz den einzigen Höhepunkt und den absoluten Tiefpunkt. Gegen Stuttgart hatte Ujah in seinem insgesamt sportlich grauenvoll verlaufenen Jahr in Mainz in der Saison 2011/12 bei seinem einzigen Einsatz über 90 Minuten in der Bundesliga seine beiden einzigen Tore erzielt. Und im Pokal-Achtelfinale, damals wie auch in dieser Woche kurz vor Weihnachten ausgetragen, stand er bis dato ein letztes Mal in einem Pflichtspiel in der Mainzer Startelf und leitete das blamable Ausscheiden beim damaligen Drittligaklub Holstein Kiel mit einem Eigentor ein.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Fortan war Ujah für den damaligen Mainzer Trainer Thomas Tuchel endgültig auf dem Abstellgleis. Drei Kurzeinsätze in der Rückserie erhöhten die Zahl seiner bisherigen Bundesligaeinsätze für Mainz auf zwölf. Tuchel traute dem zuvor im norwegischen Lilleström taktisch kaum geschulten Stürmer mit der gewaltigen Sprungkraft, die ihm den Spitznamen Känguru einbrachte, nicht mehr zu, die geforderten Laufwege im Pressing zu verinnerlichen. Ujah, sichtlich jedes Selbstbewusstseins beraubt, wurde in der folgenden Sommervorbereitung nach Köln abgegeben, wo der Spieler wie auch bei der nächsten Station Werder Bremen zum erfolgreichen Torjäger wurde und in vier Spielzeiten insgesamt 50 Tore schoss. Im Trikot von Werder erzielte er dann auch seinen zweiten Bundesliga-Doppelpack - bei einem 3:1-Auswärtssieg in Mainz, der ihm damals sichtlich Genugtuung verschaffte.

          Erstes Gastspiel ausblenden

          Die Tore in Bremen bescherten ihm einen lukrativen Vertrag in China, wo Ujah für den Liaoning Whowin FC spielte. Nach zwei Spielzeiten in Asien kehrt der 27 Jahre alte Angreifer nun für zunächst vertraglich fixierte dreieinhalb Jahre nach Mainz zurück, womöglich mit dem Hintergedanken, seine Chancen auf eine Nominierung für die WM in der nigerianischen Nationalmannschaft zu verbessern. In Mainz trifft er nur noch Niko Bungert und Stefan Bell als vertraute Gesichter seines ersten Gastspiels, den Deutsch-Nigerianer Leon Balogun kennt er aus der Nationalmannschaft.

          Ujah dürfte bemüht sein, die negativen Erinnerungen an sein erstes Gastspiel auszublenden. Wenn man der Pressemitteilung des Klubs Glauben schenken mag, scheint ihm dies zu gelingen. „Ich freue mich außerordentlich, dass ich nach Mainz zurückkehre, denn ich habe nur gute Erinnerungen an meine Zeit dort. Ich freue mich genauso auf die Bundesliga. Ich will der Mannschaft ab der Rückrunde helfen, die sportlichen Ziele des Vereins zu erreichen“, wird Ujah in einer Pressemitteilung des Klubs zitiert. Tatsächlich nahm das Drama um ein unglückseliges Jahr am Rhein für den von Beginn an bei den Fans beliebten Stürmer schon beim Scheitern in der Europa-League-Qualifikation seinen Lauf: In den Duellen mit Gaz Metan Medias vergab Ujah eine Unzahl bester Torgelenheiten, er allein hätte seinem Team die Schmach des Ausscheidens in Transsilvanien ersparen können.

          Sprungstark wie ein Känguru: Zuletzt spielte Ujah in China bei Liaoning Whowin (r., gegen Stephane Mbia)
          Sprungstark wie ein Känguru: Zuletzt spielte Ujah in China bei Liaoning Whowin (r., gegen Stephane Mbia) : Bild: Picture-Alliance

          Trotz dieser Vorgeschichte gibt sich Sportvorstand Rouven Schröder, der Ujah aus gemeinsamen Tagen bei Werder Bremen kennt, uneingeschränkt optimistisch. „Anthony Ujah ist ein athletischer, zielstrebiger und abschlussstarker Angreifer, der seine Qualitäten auf Bundesliga-Niveau nachgewiesen hat und mit diesen einen echten Mehrwert für unseren Kader bietet. Er ist ein toller Charakter und wird aufgrund seiner Mainzer Vergangenheit keine nennenswerte Eingewöhnungszeit im Verein benötigen“, sagt Schröder.

          In Mainz soll Ujah nicht nur das Defizit an Torgefahr in der Spitze beheben, wo in der Hinserie lediglich Yoshinori Muto und zuletzt der aus einer fast zweijährigen Reha-Zeit zurückgekehrte Emil Berggren Gefahr ausstrahlten. Mit seiner Athletik und seiner Einsatzbereitschaft soll er wohl auch Signale an seine Mitspieler aussenden, um mehr Giftigkeit ins Spiel zu bringen. „Es fehlen manchmal fünf Prozent an Griffigkeit und Konsequenz“, sagte Trainer Sandro Schwarz am Mittwoch im Rückblick auf die Hinserie. „Das müssen wir als Gemeinschaft lernen.“

          Gegen den VfB hat seine Mannschaft die gewünschte Mentalität am Dienstagabend gezeigt, als sie einen 0:1-Rückstand in einem tollen Pokalfight auch dank der Initialzündung durch den von Torhüter Robin Zentner abgewehrten Elfmeter in einen Sieg drehte. „Wir diskutieren darüber, ob uns die Typen fehlen im Team“, sagt Schröder. „Gegen Stuttgart hat die Mannschaft als Typ gezeigt, dass sie gewinnen will.“ Darauf will Trainer Schwarz nach der Weihnachtspause ab dem 2. Januar mit Blick auf den Rückrundenauftakt in Hannover am 13. Januar aufbauen, nachdem er sich zuvor in einem Familienurlaub im Sportler-Freundeskreis erholt hat. Schwarz fliegt samt Frau und Kindern gemeinsam mit seinen früheren Mitspielern Marco Rose, Michael Thurk sowie dem früheren Handball-Nationalspieler Pascal Hens und deren Familien über Weihnachten und Silvester in die Sonne. Fußball könnte auch dort ein Thema werden.

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