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Mainz-05-Vorstandschef Hofmann : „Nachwuchsarbeit ist unsere Identität“

„Ich dränge nicht in irgendeine Rolle, aber ich scheue auch nicht Verantwortung“: Der Mainzer Vorstandschef Stefan Hofmann kann das Gesicht seines Vereins werden. Bild: Picture-Alliance

Mainz 05 hat einen schwierigen Saisonstart hinter sich, aber nun eine versöhnliche Woche erlebt. Im Interview spricht Vorstandschef Stefan Hofmann über Stellschrauben, Schulterschlüsse und die Wahrnehmung des Vereins als Ausbildungsverein.

          6 Min.

          Wie groß ist die Erleichterung nach dem 3:1-Sieg gegen Köln am Freitagabend?

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Natürlich tut der Sieg gut. Die drei Punkte bringen uns auf insgesamt neun nach neun Spieltagen. Da ist immer noch  Luft nach oben, aber es sieht wieder deutlich besser aus. Vergangene Saison hatten wir zum selben Zeitpunkt ebenfalls neun Punkte und am Ende waren wir hochzufrieden. Das relativiert alles ein bisschen. Es freut mich vor allem für die Mannschaft und das Trainerteam, weil es ihre Arbeit bestätigt.

          Sie sprachen in der Mitgliederversammlung am vergangenen Montag von Stellschrauben, an denen Sie drehen können, um der sportlichen Krise zu begegnen. Man konnte das als Mahnung an den Trainer verstehen. An welcher Stellschraube hätten Sie denn bei einer Niederlage gegen Köln gedreht?

          Ich habe bewusst von Stellschrauben im ganzen Verein gesprochen. Die Erkenntnisse, die wir aus den ersten Spielen der Saison gewinnen konnten, betreffen die Organisation, die Fanarbeit und natürlich insbesondere den Sport. Wir als Verein müssen immer schauen, dass wir die Rahmenbedingungen möglichst gut  gestalten, um dem Sport ein ruhiges, fokussiertes und am Ende auch erfolgreiches Arbeiten zu ermöglichen. Unser Ansatz ist dabei immer, dass wir inhaltlich auf Dinge und Entwicklungen schauen, analysieren und erst dann Entscheidungen treffen. Wir haben ganz sicher nicht an diese Stellschraube gedacht, die Sie mit der Frage ansprechen.

          Sandro Schwarz empfindet die neun Punkte als weniger angenehm als im vergangenen Jahr, da es jetzt mehr Niederlagen gab. Sehen Sie das ähnlich?

          Ja, schon. Unsere Stimmungslage in dieser Saison ist meines Erachtens sehr stark   geprägt durch die Rückschläge wie die Verletzungen vor der Saison, dem Pokal-Aus in Kaiserslautern mit dem Pyro-Eklat und den teils unglücklichen Niederlagen zum Saisonstart. Da finden wir erst langsam wieder raus. Deshalb ist der Weg gefühlt schwieriger als im vergangenen Jahr.

          Ist der beharrlich erkämpfte Sieg nach einem frühen Rückstand gegen Köln eine Initialzündung?

          Die Art und Weise des Spiels ist ein Signal  für Sandro Schwarz und sein Team, dass sie  beharrlich dranbleiben müssen und dabei auf dem richtigen Weg sind.

          Vor  einer Woche war die Gemütslage deutlich schlechter, als die Mitgliederversammlung anstand, Erstmals seit anderthalb Jahrzehnten stand Mainz 05 zu diesem Termin auf einem Abstiegsplatz. Hatten Sie arge Bedenken vor ihrer zweiten Jahresbilanz nach der Wahl zum Vorstandschef im Januar 2018?

          Grundlegend kann es einem Verein wie uns auch einmal passieren, im Oktober auf einem Abstiegsplatz zu stehen, das ist eine Momentaufnahme. Entscheidend ist, am Ende der Saison über dem Strich zu sein. Trotzdem war die Situation natürlich angespannt und wir haben uns entschlossen, in aller Offenheit  zu analysieren. Rouven Schröder hat das im Sportlichen in aller Klarheit dargelegt, ohne zu dramatisieren. Ich habe angesprochen, was in meinen Zuständigkeitsbereich fällt. Wir wollten nichts beschönigen, haben aber auch betonen wollen, dass alles, was wir in unserem Verein anpacken, nur zusammen geht. Die Ehrungen für den Altvorstand haben da an diesem Tag tatsächlich noch einen draufgesetzt. Der Schulterschluss und auch die Rede von Harald Strutz und die Videobotschaft von Christian Heidel haben allen klargemacht, dass wir in Mainz nur eine Chance haben, wenn alle zusammenstehen.

          „Natürlich tut der Sieg gut“: Robin Quaison hat den Weg mit einem Sonntagsschuss geebnet.
          „Natürlich tut der Sieg gut“: Robin Quaison hat den Weg mit einem Sonntagsschuss geebnet. : Bild: dpa

          Wie erleichtert waren Sie, dass das alles so reibungslos über die Bühne ging, nachdem vor zwei Jahren noch ein Riss durch den Verein gegangen war nach dem Abgang von Strutz?

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