https://www.faz.net/-gtm-9b71o

Mainz-Vorstandschef Hofmann : „Wir haben Sandro Schwarz das Leben schwer gemacht“

Mainz-05-Vorstandschef Stefan Hofmann: „Wir können mit Fug und Recht behaupten, dass wir den deutschen Fußball in den vergangenen 20 Jahren stark mitgeprägt haben“ Bild: Picture-Alliance

Stefan Hofmann, Vorsitzender des Mainz 05, über die Bedeutung von Identifikationsfiguren, eine neue Harmonie beim lange krisengeschüttelten Bundesligaverein und die prägende des Bundesligaklubs im deutschen Fußball.

          7 Min.

          Nach Saisonende hat sich die Führung von Mainz 05 zu einem Strategietag getroffen. Wo soll es hingehen mit dem Klub nach dem bestandenen Kampf um den Klassenverbleib?

          Es ging nicht um die große Strategie für die nächsten fünf oder zehn Jahre, sondern es ging dabei erst einmal um unsere Organisation, um interne Abläufe und Zuständigkeiten, um Fragen, welche Geschäftsbereiche bei welchen Geschäftsführern angesiedelt sein sollen, ob die Bezeichnung Geschäftsführer verändert wird und vieles mehr.

          Haben Sie dennoch auch bereits eine Idee von einer großen Strategie?

          Schon bei meiner Wahl habe ich klar kundgetan, dass es zunächst einmal gilt klar zu definieren, für was wir stehen als Mainz 05 und wo wir hinwollen. Dieser Prozess ist angelaufen. Wir wollen nach außen klar kommunizieren können, was steckt hinter unserem Verein, die Definition eines Markenkerns sozusagen. Nach innen ist es wichtig für unsere Arbeit im gesamten Verein allgemeingültige Leitlinien zu definieren. Eine klare Positionierung gibt Orientierung und bildet die Basis für eine stärkere Identifikation. Das ist wichtig für jedes Mitglied, für Fans und Sympathisanten, aber auch für uns als Verantwortliche.

          Lag das alles brach in den Jahren vor Ihrer Wahl zum Vorstandsvorsitzenden?

          Die Identifikation mit unserem Verein war in der Vergangenheit sehr stark an Personen orientiert. Herausragende Trainerpersönlichkeiten wie Wolfgang Frank, Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, aber auch unsere langjährigen Führungskräfte Christian Heidel und Harald Strutz haben den Verein geprägt und für diese Orientierung und Identifikation gesorgt, ohne dass es irgendwo manifestiert, festgeschrieben oder gar klar nach außen in Form einer Strategie kommuniziert wurde. Insbesondere Christian hatte 05 im Herzen, im Kopf, überall. Er war Mainz 05. Logischerweise entstand durch seinen Weggang nach Schalke ein Riesen-Vakuum. Ich bin überzeugt, dass wir dieses Vakuum nun personenunabhängig füllen müssen.  In unserem Nachwuchsbereich zum Beispiel haben wir unsere Ausbildungs- und Spielphilosophie klar definiert, wir haben klare Richtlinien für den Umgang untereinander festgelegt, so dass nach meinem Ausscheiden der ganze Betrieb ganz normal weitergelaufen ist. Das ist dort sicherlich viel einfacher als im gesamten Verein, trotzdem sollte das unser Ziel sein.

          Trainer Sandro Schwarz kämpft noch um die Anerkennung der Fans: „Ich hoffe, dass wir durch die letzten 8 Wochen im Abstiegskampf einige überzeugt haben“

          Wie könnte das aussehen?

          Die Basis für alles ist der Fußball. Und wir können mit Fug und Recht behaupten, dass wir den deutschen Fußball in den vergangenen 20 Jahren stark mitgeprägt und mitentwickelt haben mit unseren herausragenden Trainern. Aus dem Gedankengut dieser Trainerpersönlichkeiten hat sich in Mainz eine bestimmte Art von Fußball etabliert. Zudem hat sich in diesen Jahren in Mainz auch eine besondere Atmosphäre im Stadion und ein besonderer Umgang in und um den Verein entwickelt. Dies ist in den letzten zwei bis drei Jahren etwas verloren gegangen. Hier gilt es dran zu arbeiten. Wir müssen versuchen die Fans mehr mitzunehmen und ihnen diese Orientierung zu geben. Das lief bislang meist über Personen, jetzt muss es sich eben aus der Sache heraus erklären.

          Ihre Trainer, die Sie angesprochen haben, sind ganz oben angelangt: Jürgen Klopp stand gerade mit Liverpool im Champions-League-Finale, Tuchel arbeitet nun in Paris. Von diesen Köpfen wollen Sie den Verein aber nicht unabhängig machen?

          Nein, um Gottes Willen. Der Cheftrainer wird immer eine der prägenden Figuren im Verein sein. Entscheidend ist aber, dass der Trainer zum Verein und seiner Philosophie passt. Die ist die Basis für das gesamte Handeln. Wir haben zwar nicht die Tradition, die auf Meisterschaften oder Pokalsiegen basiert. Aber was uns ausmacht ist, dass wir permanent entwickeln: Unseren Verein, unsere Spieler und eben auch über unsere Toptrainer unseren Fußball. Hier konnten wir Vorreiter und beispielgebend sein, wir haben damit viele überrascht.

          Ist das nun noch mal möglich?

          Weitere Themen

          Gigantische Olympische Ringe Video-Seite öffnen

          Sommerspiele in Japan : Gigantische Olympische Ringe

          Die Installation ist 32,6 Meter breit und 15,3 Meter hoch. Sie soll in der Bucht von Tokio vor Anker gehen, in der Schwimm- und Triathlonwettbewerbe stattfinden. Die Olympischen Sommerspiele beginnen am 24. Juli.

          Topmeldungen

          Demonstranten in Lausanne, einige Tage bevor sich die Wirtschafts- und Politikelite in Davos trifft. Nicht nur die Klimapolitik steht im Fokus der Protestler – auch der Kapitalismus.

          „Trust-Barometer“ : Deutsche zweifeln am Kapitalismus

          Nur noch jeder achte Deutsche glaubt, dass er von einer wachsenden Wirtschaft profitiert. Viele blicken pessimistisch in die Zukunft. Mehr als die Hälfte ist der Meinung, dass der Kapitalismus in seiner jetzigen Form mehr schadet als hilft.
          Die Weichen werden gerade neu gestellt, es geht raus aus der Kohleförderung.

          „Soziale Wendepunkte“ : Wenn der Klimaschutz ansteckend wird

          Irgendwann kippt das gesellschaftliche Klima, dann kann es doch noch klappen mit dem Stopp der Erderwärmung. Eine Illusion? Forscher haben sechs „soziale Wendepunkte“ ausgemacht, die allesamt bereits aktiviert sind – und ein Umsteuern einläuten könnten.

          F.A.Z. Podcast für Deutschland : Die neue deutsche Rolle im Libyen-Konflikt

          Kann es wirklich Frieden geben in Libyen? Der politische Herausgeber Berthold Kohler und Nahost-Korrespondent Christoph Ehrhardt sprechen darüber mit Moderator Andreas Krobok. Außerdem: Wikipedia-Gründer Jimmy Wales über Fakenews und Sportwissenschaftler Professor Daniel Memmert über immer jüngere Fußballstars.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.