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Mainz-Vorstandschef Hofmann : „Wir haben Sandro Schwarz das Leben schwer gemacht“

Natürlich war das eine Gratwanderung, bei extremem Gegenwind, wie wir ihn in Mainz bisher nicht kannten. Aber insbesondere Rouven war ja immer ganz nah dran, auch nach den Katastrophenspielen in Frankfurt  ist er in aller Sachlichkeit in die Analyse gegangen. Daraus ist die klare Erkenntnis gewachsen, dass wir mit Sandro die Sache durchziehen.

Die Franzosen Gbamin (Mitte) und Diallo (rechts) sind begehrt: „Erstmal sind die Jungs ja noch nicht weg“

Hatten Sie bei dieser Gratwanderung stets die nötige Trittsicherheit oder waren Sie einfach wagemutig genug?

Das hat nichts mit Wagemut zu tun. In der Führung gilt es bei solch wichtigen Entscheidungen sich nicht treiben zu lassen oder gar aus der Emotion zu reagieren. Sachliche Analyse ist die Basis. Das haben wir getan. Natürlich haben wir nach der zweiten, ganz bitteren Niederlage in Frankfurt einen Knackpunkt gehabt, an dem wir im Klub natürlich wussten: Wenn ein Trainerwechsel noch irgendwie Sinn ergeben soll, dann müssten wir jetzt handeln acht Spieltage vor Schluss. Es wurde offen, ausführlich und hart analysiert. Das Ergebnis war eindeutig: Rouven war, insbesondere auch nach den Gesprächen mit dem Spielerrat, der Auffassung, dass wir die Situation mit Sandro regeln können. Der Verein hat das natürlich mitgetragen.

Wer hat das mitgetragen?

Der Vorstand mit Rouven, Jan Lehmann und mir und auch unser Aufsichtsrat hat sich ebenfalls komplett zu dieser Entscheidung bekannt. Innerhalb unseres Vereins waren wir uns einig, dass wir den Weg notfalls auch in die zweite Liga zusammen mit Sandro gehen. Dadurch hatten wir Klarheit, die uns Stärke gebracht hat im Saisonendspurt.

Sie sind gerade einmal viereinhalb Monate im Amt. Kommt es Ihnen auch schon viel länger vor?

Ja, das ist tatsächlich so. Gefühlt reichen die Erlebnisse dieser viereinhalb Monate für eine ganze Saison. Das ist schon irre, wenn man mal so zurückblickt. Es ist extrem viel passiert in sehr kurzer Zeit.

Man sagt, dass Sie Gräben zugeschüttet haben beispielsweise zwischen Schröder und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Höhne. Stimmt das so?

Es ist viel Vertrauen gewachsen bei uns im Verein. Natürlich war es schwierig zu Beginn: Die Wahl des Vorsitzenden wurde zu einem Machtkampf stilisiert und auf meine Mitbewerber projiziert. Mein Vorteil war, dass ich recht unvorbelastet war. Nach meiner Wahl habe ich mir dann selbst ein Bild verschafft vom Verein und den neuen Gremien. Meine Erkenntnis: Die Wahrheit liegt immer irgendwo in der Mitte. Ich habe von Beginn an relativ unvoreingenommen  den Fokus darauf gelegt die Gremien zusammenzuführen. In unserem Aufsichtsrat sitzt sehr viel Kompetenz, die für die Fortentwicklung unseres Vereins wichtig ist. Der Abstiegskampf hat uns dann noch enger zusammenrücken lassen. Positiv war auch, dass ab Februar mit der Bestellung von Jan Lehmann zum kaufmännischen Vorstand, unser Vorstand erstmals in der neuen Vereinsstruktur komplett und richtig handlungsfähig war. Dadurch hatte Rouven Schröder endlich den Rücken frei.

Mainz 05 dürfte im Sommertransferfenster enorme Einnahmen erzielen.  Nach Suat Serdar scheinen auch Gbamin, Diallo und Muto sehr begehrt zu sein, vor allem auch bei den finanzstarken englischen Premier-League-Klubs. Was macht Mainz 05 mit dem vielen Geld?

Erstmal sind die Jungs ja noch nicht weg und ich glaube das Transferfenster wird noch die ein oder andere Überraschung oder unerwartete Wendung bereithalten. Sollten wir Erlöse erzielen, werden wir natürlich einen großen Teil wieder in die Mannschaft investieren. Wir haben bisher Suat Serdar verkauft und Philipp Mwene  ablösefrei  verpflichtet. Alles weitere hängt davon ab, was im Sommer noch passiert. Das ist für Rouven Schröder keine einfache Zeit,  es erfordert strategisches Geschick um die sportlichen und wirtschaftlichen Ziele in Einklang zu bringen. Wir haben sehr  talentierte Spieler, für die ein Markt da ist, aber wir sind entspannt: Wir haben das Heft des Handelns in der Hand, zumal wir das laufende Geschäftsjahr abermals mit einem Gewinn abschließen werden. Parallel dazu müssen wir unsere Rahmenbedingungen weiter verbessern. Wir bauen für dreieinhalb Millionen Euro am Bruchweg neue Trainingsplätze, wir müssen unsere Flutlichtanlage nachrüsten und wir denken über einen neuen Kraftraum im Trainingszentrum nach. Entwicklung ist unser Kerngeschäft.

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